Sie sind hier: Startseite Südwestfalen Aktuell News
Weitere Artikel
Studie

Deutsche Familienunternehmen blicken zuversichtlich in die Zukunft

Family Business Barometer 2016

Trotz des „Brexit“, der Herausforderungen durch die Digitalisierung und des zunehmenden Kampfes um die besten Mitarbeiter blicken deutsche Familienunternehmen mit Zuversicht in die Zukunft. Über zwei Drittel (69 Prozent) sehen den kommenden zwölf Monaten positiv oder sogar sehr positiv entgegen. Damit hegen sie ähnliche Erwartungen wie die europäischen Wettbewerber (72 Prozent zuversichtlich). Das ist das Kernergebnis des fünften Family Business Barometer von KPMG, für das in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Verband der Familienunternehmen (EFB) und dem Verband DIE FAMILIENUNTERNEHMER im Sommer 2016 europaweit 959 Familienunternehmen befragt wurden - 142 davon in Deutschland. Die Unternehmen wurden dazu befragt, welche Themen sie aktuell bewegen, welche strategischen Ziele sie verfolgen und welche Herausforderungen sie bewältigen müssen.

Brexit-Votum dämpft den Optimismus vorerst nicht

„Der Optimismus unter den deutschen Familienunternehmen ist weiterhin hoch. Wie schon im vergangenen Jahr blickt die überwiegende Mehrheit zuversichtlich in die Zukunft“, sagt Dr. Vera-Carina Elter, Bereichsvorstand Familienunternehmen bei KPMG in Deutschland. „Daran hat allem Anschein nach auch der Brexit kaum etwas geändert – zumindest kurzfristig.“ Über ein Drittel der befragten Unternehmen hat erst nach dem Votum der Briten am Family Business Barometer teilgenommen.

Steigende Lohnkosten als größte Sorge

Lutz Goebel, Präsident von DIE FAMILIENUNTERNEHMER ergänzt: „Gleichwohl beschäftigen der Brexit und seine Auswirkungen die Familienunternehmer natürlich. Die größten Sorgen machen sich die Befragten aber um die hierzulande steigenden Lohnkosten – gerade im Vergleich zum Vorjahr. Lag der Wert bei diesem Punkt 2015 noch bei 44 Prozent, ist er in diesem Jahr auf 57 Prozent gestiegen. Oder mit anderen Worten: Über die Hälfte der deutschen Familienunternehmen sieht die Lohnkosten als die größte Herausforderung in den kommenden zwölf Monaten. Dies ist ein deutliches Signal an die Tarifpartner.“

An zweiter Stelle auf der Sorgen-Rangliste folgt hierzulande die Suche nach qualifiziertem Personal (41 Prozent), gefolgt von Sorgen angesichts politischer Unsicherheiten. Im europäischen Durchschnitt zeigt sich ein anderes Bild. Die Sorge vor politischen Unsicherheiten liegt hier mit 37 Prozent gleichauf mit der Suche nach qualifiziertem Personal an der Spitze – der steigende Wettbewerb folgt mit 36 Prozent auf Platz drei.

Einigkeit unter Europas Familienunternehmen

Bei der Frage nach ihren strategischen Zielen herrscht unter den befragten Familienunternehmen in Europa hingegen Einigkeit. Länderübergreifend stehen die Steigerung der Profitabilität (Europa: 57 Prozent; Deutschland: 61 Prozent) sowie die Erhöhung des Umsatzes (Europa: 34 Prozent; Deutschland: 30 Prozent) auf den ersten beiden Plätzen.

Nachfolgefragen mit besonderer Bedeutung

Die besten strategischen Ziele bringen aber nur wenig, wenn die Zukunft des Unternehmens selbst nicht geklärt ist. Fakt ist: Nachfolgefragen haben gerade in Familienunternehmen eine besondere Bedeutung. Und die Antworten der deutschen Familienunternehmen zeichnen ein eindeutiges Bild:

  • Für 88 Prozent der Befragten hat es Priorität, dass die Familie bei einer Übergabe an die nächste Generation die Kontrolle über das Unternehmen behält.
  • 83 Prozent finden es wichtig oder sehr wichtig, die Nachfolger auf ihre zukünftigen Aufgaben vorzubereiten.

Im europäischen Vergleich scheinen die deutschen Familienunternehmer aber momentan noch etwas zögerlicher dazu bereit zu sein, Führungsaufgaben auch tatsächlich an die jüngere Generation zu übergeben. Die jüngere Generation ist nur in 43 Prozent im Management vertreten. In Europa ist dies bei 48 Prozent der Familienunternehmen der Fall.

Ein Beleg für die vergleichsweise geringe Einbindung der Nachfolger liefern auch die Antworten der Befragten im Hinblick auf die Selbsteinschätzung der älteren bzw. jüngeren Generation. Diese Punkte wurden dieses Mal zum ersten Mal abgefragt. „Die ältere Generation der Familienunternehmer sieht sich durchaus selbstkritisch. Für 37 Prozent ist es die größte Herausforderung, den rechtzeitigen Zeitpunkt für die Staffelübergabe zu erkennen“, sagt Dr. Elter. Als noch größere Herausforderung betrachten sie nur die rasante Veränderung des Geschäftsumfeldes (39 Prozent). „Fast die Hälfte der Nachfolgergeneration sieht als größte Herausforderung, dass von ihnen erwartet wird, dass sie auf jeden Fall in das Familienunternehmen einsteigen“, so Dr. Elter. Mit 49 Prozent liegt dieser Punkt mit großem Abstand auf Platz eins (Platz zwei: Angespannte Familienverhältnisse/familiäre Konflikte: 21 Prozent). 

„Familienunternehmen 4.0“ mit Überraschungen

Einen bedeutenden Anteil an der – gerade von der älteren Generation wahrgenommenen – rasanten Veränderung des Geschäftsmodells vieler Familienunternehmen hat die Digitalisierung. Im Family Business Barometer wurden daher in diesem Jahr die Erwartungen und Herausforderungen untersucht, die deutsche Familienunternehmen mit der digitalen Transformation verknüpfen. Das Ergebnis: „Die deutschen Familienunternehmen gehen mit der Digitalisierung durchaus selbstbewusst um“, sagt Goebel. „60 Prozent der Befragten sehen in ihrem Haus eine hohe Kompetenz für die digitalen Veränderungen in ihrem Unternehmen.“

Fast jeder Zweite (46 Prozent) sieht das eigene Unternehmen zudem als proaktiven und gestaltenden Vorreiter, wenn es darum geht, die Prozesse vor dem Hintergrund der Digitalisierung umzugestalten. „Kurz gesagt: Deutschlands Familienunternehmen können digitalisieren, wenn sie denn wollen. Aber viele glauben, dass sie es derzeit noch gar nicht müssen“, sagt Dr. Elter. „Überraschend ist, dass 76 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass die Digitalisierung ihre Wertschöpfungskette aktuell gar nicht oder nur in geringem Umfang ändern wird. Von grundlegenden Änderungen gehen derzeit nur zwölf Prozent der deutschen Familienunternehmer aus.“

Über das Family Business Barometer

Die Kernergebnisse für den deutschen Markt basieren auf dem European Family Business Barometer. An der Umfrage beteiligten sich im Sommer 2016 insgesamt 959 Familienunternehmen aus 23 europäischen Ländern. Seit 2013 erscheint das Family Business Barometer nunmehr zum fünften Mal – eine Zusammenarbeit vom Europäischen Verband der Familienunternehmen, der European Family Businesses, sowie KPMG. In Deutschland befragte der Verband DIE FAMILIENUNTERNEHMER seine Mitglieder. Für die Auswertung der deutschen Kernergebnisse wurden die Aussagen von insgesamt 142 in Deutschland ansässigen Unternehmen ausgewertet.Text

(Redaktion)


 


 

Europas FamilienunternehmenBei
Herausforderung
European Family Business Barometer
Generation
Deutschland
Befragten
Digitalisierung
Nachfolgefragen
Sorge
FAMILIENUNTERNEHMER
KPMG
Elter
Veränderung
Ziele
Brexit
Zukunft

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Europas FamilienunternehmenBei" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: