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Traditionsunternehmen

Wiese Holz besteht im Kampf gegen Großsäger und Globalisierung

Sägewerk und Holzbau bleiben traditionelle Standbeine, Gattersäge-Technik wird flexibel eingesetzt.

Meschede. 140 Jahre nach Firmengründung konzentriert sich das Familienunternehmen Wiese Holz GmbH weiterhin auf die beiden Standbeine Holzbau und Sägewerk. Hierbei hat das Sägewerk, dessen maschinelle Ausrüstung auf den ersten Blick eher traditionell, fast konservativ erscheint, auch den wirtschaftlich schweren Zeiten gut standhalten können. Die Zimmerei, einst Ursprung des Betriebes, hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. So bietet Wiese Holz heute Dachstühle, Einfamilienhäuser und Gewerbeobjekte  in Holzrahmenbauweise an, alles ökologisch hochwertig, mehrfach RAL-zertifiziert und fertigungstechnisch auf der Höhe der Zeit. 

Angesichts hoher Rundholz-Preise hat Wiese - wie fast alle Sägewerke im Sauerland - sehr zu kämpfen: Ausländer sägen günstiger, kommen billiger an Rundholz und können günstiger exportieren. „Der Holzmarkt ist längst globalisiert. Ein sehr komplexes System, das nur Insider wirklich überblicken“, beschreibt Inhaber-Geschäftsführer Michael Wiese die Situation. Er leitet das Unternehmen in nun bereits 4. Generation.

Zur Komplexität des Wettbewerbs trägt unter anderem bei, dass der Rundholzmarkt mitbestimmt wird von den Vermarktungsaktivitäten des Landesbetriebes Holz NRW. Die dort tätigen Förster vermarkten nicht nur das Holz aus dem Staatswald, sondern bieten ihre Dienste auch den zahllosen kleinen Privatwaldbesitzern an, die die eigenen überschaubaren Hektar Wald nicht bewirtschaften können oder wollen. „Dieser Service ist ja grundsätzlich ok“, meint dazu Horst Knippschild, Sägebetriebsleiter bei Wiese. „Was wir manchmal nicht nachvollziehen können, ist, wenn der Landesbetrieb den allerersten Vertrag der Saison mit einem Sägewerk macht: kurze Zeit später sind diese Vertragskonditionen in der Branche bekannt und alle Privatwaldbesitzer bieten nur noch zu diesem Preis an. Die oft sehr unterschiedlichen Qualitäten und Frachtentfernungen spielen dann fast keine Rolle mehr. Richtiger Wettbewerb sieht nach unserer Meinung anders aus.“

Dass Wiese solche Situationen wie auch die Zeit nach dem Jahrhundertsturm Kyrill gut überstanden hat, liegt nach eigener Einschätzung am Profil des Betriebes. Damals hatte das Land NRW große Mengen Holz auf Jahre hinaus dem österreichischen Großsäger Klausner zugesagt. Ob dies rechtens war, klären gerade die Gerichte und Behörden in Münster, Brüssel und Luxemburg. Ein Ergebnis ist noch nicht absehbar. Derweil müssen die Sägereien im Sauerland sehen, wie sie klarkommen, darunter unter anderem auch Wiese Holz.

Rückblickend betrachtet war es somit klug, im Jahre 1982 den Zuschnitt der Firma weiterhin eher klein und überschaubar zu halten. Damals traf Michael Wieses Vater Theo diese Entscheidung mit Blick auf verfügbare Grundstücksflächen und Kredite, aber auch mit Blick auf den Markt, auf die eigene Erfahrung und Strategie. So folgte der Umzug vom Ursprung des Betriebes an der Briloner Straße zum jetzigen Standort im Industriegebiet Enste.

Im Nachhinein richtig erwies sich auch die Neuanschaffung einer Gattersäge - im Vergleich zu modernen Spaner-Systemen in Großsägewerken eine konservative Technologie. Andererseits kann die Gattersäge variantenreicher zuschneiden und auch Hölzer verarbeiten, die in Großsägewerken nicht verarbeitet werden können: „Wir haben inzwischen einige Erfahrung mit Pappelhölzern gewonnen“, berichtet Horst Knippschild. „Das zu verarbeiten ist nicht so einfach, weil das Holz nass, weich und faserig ist. Die Pappelsorten reagieren auf die Säge sehr unterschiedlich. Manche platzen dann regelrecht auf. Wir verarbeiten unser Pappelholz in der Regel für Paletten und Kisten.“ Und: „Für die Mengen, die wir hier verarbeiten, drücken die in den Konzernsägereien gar nicht erst den Startknopf.“ Wobei die Gattersäge übrigens viel dickere Querschnitte verarbeiten kann als Spaner-Systeme.

Flexibel war und ist Wiese beim Personaleinsatz. Weil das Sägewerk ohne allzu große Einbußen heruntergefahren werden kann oder auch einige Tage mal gar nicht sägen muss, können die Mitarbeiter sofort in Holzbau und Weiterverarbeitung eingesetzt werden. „Es war in der Firmengeschichte ganz oft so, dass der eine Betriebsteil den anderen gestützt hat. Mal war die Rentabilität hier größer, mal dort“, erklärt Michael Wiese. Derzeit hat der Betrieb 25 Mitarbeiter, daran wird sich wohl in den kommenden Jahren auch nicht viel ändern.

Entwicklungen sieht Wiese im Bereich Zimmerei: „Der ökologische Gedanke dringt immer weiter vor. Es gibt zunehmend Menschen, die ein individuelles Holzhaus wünschen.“ So befasst sich Wiese neben der Produktion von kompletten Dachstuhl-Bausätzen, dem Bau von Industriehallen und der Produktion von Einfamilienhäusern zunehmend mit energetischer Sanierung und Dämmung. Für den Kunden ist die Verwendung von Holz dabei in mehrfacher Hinsicht vorteilhaft: es wächst nach, es bietet ein gesundes Wohnklima, es kann weitgehend ohne Leim verarbeitet werden und senkt so die Quote der allergischen Reaktionen und es kann feuerfest verarbeitet werden. Inzwischen sind die Versicherungsprämien für Holzhäuser absolut vergleichbar mit Prämien für klassische Steinhäuser.

Um im Wettbewerb sattelfest zu bleiben, sucht  Wiese Holz, wie viele andere mittelständische Säger im Sauerland, den Schulterschluss zu Kollegen und Mitstreitern. Zum einen im Rahmen des Vermarktungsnetzwerkes Team Timber GmbH, zum anderen durch die Mitgliedschaft in der Initiative Holz und Arbeit NRW.

(Redaktion)


 


 

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