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Umfrage des Landkreistages

Die Verkehrsinfrastruktur in NRW: marode und unterfinanziert

Problemstellen und Defizite beeinträchtigen wirtschaftliche Entwicklung in Siegen-Wittgenstein und Olpe

Wenn Waren und Güter transportiert werden, dann beginnt und endet das immer in einem Wohn-, Gewerbe- oder Industriegebiet in unseren Dörfern und Städten. Deshalb sind die Kommunen in Nordrhein-Westfalen auf gute Straßen und Schienenverbindungen angewiesen – sowohl vor Ort als auch überregional. Inzwischen besteht bei uns in NRW ein erheblicher Nachholbedarf bei der Instandhaltung der Verkehrsinfrastruktur. Das  zeigen die täglichen Staus auf sanierungsbedürftigen Straßen und zahlreiche für LKW gesperrte Brücken.  

Durch die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans, die am kommenden Jahr ansteht, sind die Fragen der Verkehrsinfrastruktur verstärkt in den Blickpunkt der öffentlichen und politischen Diskussion gerückt. Dabei geht es um örtliche Problemstellen, den baulichen Verfall von Straßen, Brücken und Schienenwege, sowie um Defizite bei der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur sowie um nötige Neuerschließungen von Regionen durch Straßen- oder Schienenverbindungen.
Diese Diskussionen hat der Landkreistag NRW zum Anlass genommen, seine Mitglieder aufzufordern, die in den jeweiligen Kreisen vorhandenen gravierenden baulichen Mängel und Defizite im Bereich der Verkehrsinfrastrukturen, die die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort beeinträchtigen, mitzuteilen. Die gesammelten Informationen sollen dann in weiteren Gesprächen mit dem Bundes- und Landesverkehrsministerium eingebracht werden, um das Ausmaß und die damit verbundenen Konsequenzen deutlich zu machen.   
Auch die beiden Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe haben sich in Zusammenarbeit mit der IHK Siegen an der Umfrage beteiligt und zusammengetragen, an welchen Stellen und warum bei uns im Straßen- und Schienennetz besonders der Schuh drückt.

Der Stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK, Hermann-Josef Droege, macht beim nötigen sechsstreifigen Ausbau der „Sauerlandlinie A 45“ mit einhergehenden Brückenneubauten deutlich: „Viele Gewerbegebiete mit exportorientierten Unternehmen sind an der Sauerlandlinie angesiedelt. Festigt sich erst einmal das Bild, dass an der A 45 regelmäßig Stau herrscht, schwinde der Standortvorteil der Region. Durch Staus können Firmen Liefertermine nicht einhalten. Das zieht Kosten nach sich.”

Landrat Paul Breuer betont die Wichtigkeit der grenzüberschreitenden Verkehrserschließung und Entwicklung des ländlichen Raumes und nimmt hier insbesondere Bezug auf die notwendige Erschließung des hessischen Raumes durch die B 508n Erndtebrück - Schameder - Landesgrenze Hessen (mit Fortführung in Hessen bis Frankenberg/Eder):  „Raum- bzw. Infrastrukturplanung für nationale Wirtschaftsräume dürfen an innerdeutschen Landesgrenzen nicht Halt machen. Effektivität, Flexibilität und Netzwerke machten die Industriebetriebe in der Region stark. Dafür sei eine gute Verkehrsanbindung notwendig. Die Bedeutung der Straßen würde in Zukunft weiter steigen.“

Ein ebenfalls großes Augenmerk legt der Landrat des Kreises Olpe, Frank Beckehoff, auf den Verkehrsträger Schiene: „Auf der Ruhr-Sieg-Strecke  (Hagen - Siegen - Gießen) gab es in den letzten Jahrzehnten keine nennenswerten Neuinvestitionen in die Strecke, um deren Leistungsfähigkeit auszubauen. Grundsätzlich ist die Ruhr-Sieg-Strecke für Güterverkehre gut geeignet, allerdings bestehen Einschränkungen für den Transport mit modernen Containern, zahlreiche Tunnel lassen diesen Verkehr nicht zu. Weiter sind Hochpunkte der Strecke, wie der bei Welschen Ennest, heute in der Regel nur mit der hohen Antriebsleistung moderner Lokomotiven zu bewältigen.

Die beiden Landräte Breuer und Beckehoff sowie IHK-Vertreter Droege sind sich einig: „Wir dürfen nicht aufhören, die Missstände und unsere Forderungen in den Bundes- und Landesregierungen  deutlich vorzutragen. Nur so können wir die Ziele erreichen.“

Den beiden Kreisen und der Kammer geht es bei der Benennung der Problemstellen an den Landkreistag insbesondere um die folgenden Projekte:

  • A 45 Landesgrenze Hessen - Autobahnkreuz Hagen, sechsstreifiger Ausbau mit Brückeninstandsetzungen und -ausbau
    Die Sauerlandlinie, die Autobahn A 45 zwischen Dortmund und Aschaffenburg, ist in die Jahre gekommen. Viele Brücken auf der Strecke insbesondere auf dem Abschnitt Hagen – Siegen – Giesen müssen dringend saniert oder sogar ersetzt werden. Gleichzeitig nimmt der Verkehr insbesondere der Güterverkehr auf dieser wichtigen Nord-Süd-Verbindung kontinuierlich zu. Eine Erweiterung der Autobahn ist unausweichlich. Für Schwerlastverkehr ist die Strecke nicht mehr nutzbar. Eine Unternehmensinitiative zum Ausbau der A 45 verdeutlicht das vitale Interesse der Wirtschaftsregion am Ausbau.
  • Generell bestehen „Schwertransportprobleme“ auf dem hierfür nur noch bedingt geeigneten Straßennetz in Siegen-Wittgenstein und Olpe. Lange Umwege und die stärkere zeitliche Inanspruchnahme kosten die Unternehmen Ressourcen, die auf Dauer finanziell nicht zu tragen sind. Eine Projektgruppe "Schwertransporte" ist im Verkehrsministerium NRW initiiert worden.
  • Ortsumgehungskette B 508/B 62 von Kreuztal bis Erndtebrück, „Route 57“
    Die vorhandene Verkehrsinfrastruktur erzeugt massive Fahrtzeitprobleme, sowohl innerhalb der Streckenführungen aber auch hinaus in Ballungsgebiete, wie in das Ruhrgebiet, Frankfurter Raum, Rheinschiene. Dies wirkt sich nachteilig für zeitsensible Transporte von Industrie, Tourismus und Gesundheitsindustrie aus. Der Verein „Route 57 e.V.“, eine Initiative von Unternehmen und Arbeitnehmern, setzt sich für die bessere Verkehrsanbindung zwischen dem Siegerland und Wittgenstein ein.
  •  B 508n Erndtebrück - Schameder - Landesgrenze Hessen (mit Fortführung in Hessen bis Frankenberg/Eder)
    Vertreter der Wirtschaft und der Kommunalpolitik  beiderseits der Landesgrenze setzen sich bereits seit vielen Jahren für die zügige Realisierung einer leistungsfähigen Bundesfernstraße ein.
  • B 62 OU Netphen-Dreis-Tiefenbach
    Massive Verkehrsbelastung in Teilbereichen der Ortsdurchfahrt mit 23.000 Kfz/Tag mit erheblichem Anteil an Schwerlastverkehr. Die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs kann kaum noch gewährleistet werden (Unfallhäufigungslinie).
  • B 62 Ortsumgehung Bad Laasphe
    Für den Raum Bad Laasphe ist die B62 neben der L 719 die einzige Verbindung mit dem Siegerland und zur A45 Richtung Norden sowie zur A4 Richtung Westen. Massive Beeinträchtigung der Kur- und Erholungsstadt.  Die Kernstadt ist mit rund 15.500 Kfz pro Tag belastet.
  • B 54n Krombacher Höhe (A4) - Olpe-Neuenwald (B55/K18)
    Dringende Verbesserungsbedürftigkeit der regionalen Verkehrsinfrastruktur im Raum Lennestadt/Kirchhundem, da ein unmittelbarer Zugang zum überregionalen Straßen- und Fernstraßenverkehr fehlt. Nachhaltige Forderung der Wirtschaft im betroffenen Raum.
  • B 55: Ortsumgehung Lennestadt/Bilstein und Lennestadt/Kirchveischede sowie B55/B236: Querspange von Lennestadt/Bonzelerhammer bis zur B 236 Lennestadt/Maumke
    Zunächst Entlastung der betroffenen Ortslagen. Mit zahlreichen Teilmaßnahmen im gesamten Verlauf der B 55 würde mittel- bis langfristig die verkehrsfunktionale Bedeutung der B55 als Querspange zwischen A 45 und B1/A2/A44 nachdrücklich unterstrichen. Das ist insgesamt für die Wirtschaftsregion Südwestfalen von grundsätzlicher Bedeutung und führt zur Entlastung der betroffenen Ortslagen.


Beim Verkehrsträger Schiene sind für den Kreis Siegen-Wittgenstein und teils für den Kreis Olpe  insbesondere  die „Ruhr-Sieg-Strecke“ Richtung Hagen und Gießen sowie die „Siegstrecke“ in Richtung Köln von überregionaler Bedeutung.

  •  Ausbaustrecke Hagen - Siegen - Gießen (Ruhr-Sieg-Strecke- RSS)
    Für Güterverkehr und Personenverkehr ist die RSS von herausgehobener Bedeutung. Sie dient als Transportstrecke im Seehafenhinterlandverkehr. Problemstellen: Tunnelprofile, Anstiege zu Hochpunkten. Die Streckenkapazitäten sind nicht ausgeschöpft. Durch den Bau des Container Terminals in Kreuztal wird die RSS an Bedeutung gewinnen.
  •  Ausbaustrecke Siegen - Köln (Siegstrecke)
    Einschränkungen in der Streckenkapazität und Probleme in der Betriebsführung ergeben sich insbesondere durch eingleisige Abschnitte und eingeschränkte Tunnelprofile. Der Anteil des Güterverkehrs ist seit Jahren steigend. Die Streckenkapazitäten sind nicht ausgeschöpft.

(Redaktion)


 


 

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