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Unternehmensnachfolge

„Grenzen, wer was bis wann und wo macht“

IHK beleuchtet Praxis-Erfahrungen zu Unternehmensnachfolgen

Siegen. Erfahrungen im Umgang mit der Unternehmensnachfolge und Einblicke in die erforderlichen Unternehmensentscheidungen sowie das Verhältnis zu Familie und Mitarbeitern bot die Veranstaltung „Nachfolge zielgerichtet planen – Wie Unternehmen den Übergang meistern“ in der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK). Henrik Enders (Maiworm Mode KG), Peter W. Schauerte (ARIANE Aluminium-Systeme GmbH & Co. KG) und Teresa Mason-Hermann (KRAH Unternehmensgruppe) berichteten den mehr als 30 Gästen unter der Moderation von IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener über ihre persönlichen Erfahrungen. 

Der Einstieg in das Familienunternehmen Maiworm Mode KG hatte für Henrik Enders zu Beginn seiner Berufslaufbahn absolut keine Priorität. In der Wahl des Berufes konnte er frei entscheiden. Die Eltern sagten nur: „Mach, was du möchtest.“ Henrik Enders durchlief eine Ausbildung zum Energieelektroniker und plante, Elektroingenieurwesen zu studieren. Dann kam eine Umorientierung. Nach einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Modekonzern folgte ein duales Studium an der Textilfachschule in Nagold. Durch die anschließende Tätigkeit in einem großen mittelständischen Modehaus konnte er hautnah erleben, wie ein Familienunternehmen mit mehreren Filialen tickt. 2004 startete Henrik Enders dann bei Maiworm Mode. „Positiv war, dass ich vor dem Eintritt viel gesehen und viele Erfahrungen gemacht habe. Beim Start in Olpe haben wir gemeinsam besprochen, dass wir expandieren wollten“, berichtete Henrik Enders. So wurden noch 2004 je eine Filiale in Attendorn und Plettenberg eröffnet, weitere Filialen in der Region folgten. Mit seinen Eltern pflegt der Junior einen fairen, respektvollen und authentischen Umgang. Alle ziehen an einem Strang: „Wenn es irgendwo hakt, hilft es nur, miteinander zu reden. Wir haben die Aufgaben so verteilt, dass wir uns möglichst wenig ins Gehege kommen. Das ist unser Erfolg.“ Weiter führte Henrik Enders aus: „Es war gut, dass mein Vater frühzeitig das Thema Nachfolge angesprochen hat. Ich bin sehr schnell geschäftsführender Gesellschafter geworden, und wir haben gemeinsam mit Beratern die schrittweise Übernahme eingeleitet. In den letzten Jahren hat sich mein Vater schon teilweise zurückgezogen. In den Sommermonaten ist er regelmäßig länger zum Segeln unterwegs, und er engagiert sich im Stadtmarketing sowie im Vereinsleben.“ 

Peter W. Schauerte trug den Wunsch der Selbstständigkeit schon lange in sich. Der Sauerländer stammt aus einer Unternehmerfamilie. Die Bedeutung einer Selbstständigkeit war ihm also bewusst. Er streute sein Anliegen auf mehreren Kanälen – IHK, Banken, Unternehmensberater usw. – und fand so vor über zwei Jahren eher per Zufall ein passendes Unternehmen, die ARIANE Aluminium-Systeme GmbH & Co. KG aus Lennestadt. Mit einer „sauerländisch klaren Formulierung“ haben die (geheimen) Verhandlungen mit dem bisherigen Inhaber etwa ein halbes Jahr gedauert. „Wir waren uns beide einig, dass wir einen klaren Schnitt des Übergangs vereinbaren. Wir haben Grenzen gezogen, wer was bis wann und wo macht. Formell hat sich unsere Tätigkeit lediglich ein paar Wochen überschnitten“, so Schauerte. Auch in puncto Kaufbetrag waren sich beide Parteien schnell einig – einmal wurde nachjustiert. Peter W. Schauerte ist sehr dankbar für die vielen Unterstützer in dieser Zeit. Neben dem Austausch mit der Familie und guten Freunden haben die Banken, aber auch Juristen und Steuerberater geholfen. Die 20 Mitarbeiter haben zwar auf die Bekanntgabe der Nachfolgeregelung überrascht und zunächst etwas verunsichert reagiert. Durch einen vertrauensvollen Umgang miteinander sowie Verlässlichkeit konnte diese erste Reaktion schnell ad acta gelegt werden. Auch für den Notfall ist Peter W. Schauerte gewappnet: „Ich habe bereits alles geregelt, wie es mit dem Unternehmen und privat weitergehen soll, wenn mir etwas passieren sollte. Das macht frei!“ 

In die KRAH Unternehmensgruppe aus Drolshagen sind drei Gesellschafterfamilien eingebunden. So sind im Unternehmen auch drei verschiedene Varianten der Übergabe Realität: Von den drei Gründern schied einer gesundheitsbedingt aus. Der Zweite übergab seinen Aufgabenbereich an eine familienexterne Person, und der Dritte ist nach wie vor im Unternehmen aktiv. Das Thema Nachfolge sei facettenreich und anspruchsvoll, unterstrich Teresa Mason-Hermann, Gesellschafterin und Personalleiterin der KRAH Unternehmensgruppe. In jedem Fall sei es ratsam, umfangreiche Gespräche mit Steuerberatern, Rechtsanwälten und Unternehmensberatern zu führen, um den Gesamtkomplex Nachfolge für alle Beteiligten adäquat zu regeln. Aktuell sind bei der KRAH Unternehmensgruppe vier, zukünftig fünf Personen der zweiten Generation in verschiedenen Positionen im Unternehmen tätig. „Wir verstehen uns gut, kennen die Stärken und Schwächen des anderen. Wir sind ja gemeinsam und mit dem Unternehmen aufgewachsen. Unsere Eltern haben uns vorgelebt, wie erfolgreiche Kooperation in Familie und Unternehmen funktionieren kann. Und: Wir haben ja nahezu jeden Tag in der Mittagspause Gesellschafterversammlung“, beschrieb Teresa Mason-Hermann die Situation der Gesellschafterfamilien augenzwinkernd. Zusätzlich zu diesem täglichen Treffen stimme sich die zweite Generation wöchentlich zu relevanten Themen ab. Allen Beteiligten legt Teresa Mason-Hermann ans Herz, sich frühzeitig mit der Unternehmensnachfolge zu beschäftigen und immer in der Kommunikation zwischen den Generationen zu bleiben. Die Rolle „Kind“ oder „Geschwisterteil“ sei eine andere als „Geschäftspartner“. Hier müsse man sich neu annähern. Auch Aspekte wie eine Notfallplanung für das Unternehmen und privat sowie ein Ehevertrag seien mit viel Arbeit verbunden, aber unerlässlich, wenn das Projekt „Nachfolge“ zum Erfolg führen soll. 

Hilfreiche Impulsvorträge begleiteten die Praxisbeispiele. Tobias Schmidt (Tobias Schmidt Steuerberatungsgesellschaft mbH) gab wichtige Tipps, die er als Steuerberater und Rechtsanwalt bei Beratungen von familieninternen Nachfolgen und Planungen für Notfallsituationen, z. B. verursacht durch einen schweren Unfall des Firmeninhabers, in der Praxis einsetzt. Hans-Georg Mertens, Mentor der IHK Siegen, stellte das IHK-Mentorenprogramm und die Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten vor: Die ehrenamtlichen Berater, allesamt ehemalige Unternehmer/-innen oder Führungskräfte, geben praktische Hilfestellungen und Einschätzungen aus ihrer Erfahrung und helfen bei der Suche nach Lösungsansätzen – auch bei Fragen zur Unternehmensnachfolge.

(Redaktion)


 


 

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