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Tourismus

„Wir können nur die Marke Sauerland als Ganzes vermarkten“

Kreisgebiet Olpe / Hochsauerland. Schwere Zeiten im Tourismus: Nachdem Väterchen Frost in diesem Winter schwächelte und das Orkantief „Kyrill“ tiefe Schneisen in die Sauerländer Wälder schlug, hat auch der Tourismus Probleme: Fehlende Wintersportmöglichkeiten und das Waldbetretungsverbot, das Wanderurlaub fast unmöglich macht, beuteln die heimischen Beherbergungsbetriebe.

Schwier und Melcher appellieren an gemeinsame Sache

Und seit Gründung von Sauerland-Tourismus im Mai 2003 gibt es auch immer wieder intern den ein oder anderen kritischen Ton: Da der Verband das gesamte Sauerland betreut, fühlen sich einige Sauerländer vernachlässigt. Vor allem im Kreis Olpe mehren sich die Stimmen, die aufgrund der touristischen Segnungen wie Wintersportarena, Mountainbike-Arena und Rothaarsteig neidvoll fragen: „Und was haben wir davon?“
Diese und viele andere Themen standen im Mittelpunkt, als die Geschäftsführerin von Sauerland-Tourismus, Samone Schwier, und Vorsitzender Theo Melcher im Rahmen der Serie „Das ist Stadtgespräch“ die Redaktion von Business-on.de in Lennestadt besuchten.
Die Botschaft des touristischen „Doppelpacks“ war eindeutig: Die Marke heißt ohne wenn und aber „Sauerland“, nicht einzelne Orte, sondern nur die gesamte Region kann vermarktet werden. Schwier und Melcher forderten während des zweieinhalbstündigen Interviews eine Abkehr vom bisherigen Kirchturmdenken, „Zum Wohle der gesamten Region“:
Business-on.de: Das Sturmtief Kyrill hat eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Wintersportgäste, die trotz der derzeitigen Schneearmut angereist sind, treffen auf zerstörte Landschaften. Wandern ist zur Zeit aufgrund des Waldbetretungsverbotes auch nicht das zentrale Thema. Ein herber Schlag für den heimischen Tourismus?
Schwier: Sicher, zur Zeit haben die Betriebe in unserer Region mit Stornierungen zu kämpfen. Da der Februar in normalen Wintern mit zu den schneereichsten Monaten gehört, hoffen wir, dass da noch etwas drin ist. Wir stehen natürlich auch mit den Forstämtern in Verbindung, hoffen, dass die Hauptwanderwege so schnell wie möglich wieder betretbar sind. Nach außen werden wir das Positive herausstellen und die Werbetrommel für die Gebiete rühren, wo das Waldbetretungsverbot aufgehoben wurde und in den man wieder wandern kann.
Business-on.de: Und welche Auswirkungen hat Kyrill für die kommende Saison?
Melcher: Die Prioritäten der Forstwirtschaft bestehen erst einmal darin, den Schaden zu minimieren, das gefallene Holz so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Dort, wo es passt, versuchen wir natürlich, auch unseren Interessen Gehör zu verschaffen. Das Ereignis selbst und seine Auswirkungen sind zeitlich begrenzt, vergleichbar etwa mit einer Quallenplage an der Adriaküste. Das wird zwar sicherlich für die kommende Saison Auswirkungen haben, aber schon im Jahr danach wird Tourismusarbeit wieder funktionieren.
Business-on.de: Winterflaute und Kyrill - gibt es schon Zahlen?
Schwier: Nein, wir haben sicherlich Stornierungen von Gästen, die wirklich Winterurlaub machen wollten. Wir erkennen diese auch an, schließlich wollen wir, dass die Gäste wiederkommen.
Business-on.de: Im HSK hört man bereits von Führungen ins so genannte Katastrophengebiet - was halten sie davon?
Schwier: So schlimm das alles für die Forstwirtschaft sein mag, auf der anderen Seite ist es sehr spannend zu sehen, was derartige Naturgewalten anrichten können. Es sind skurrile Landschaften entstanden, die Menschen haben ein Bedürfnis, sich das anzuschauen. Dann aber doch lieber unter fachkundiger Führung, als auf eigene Faust.
Business-on.de: Wie reagieren unsere nordöstlichen Nachbarn, die Holländer, auf den Schneemangel? Kommen die trotzdem und rutschen über die Wiesen, oder ist da eher Zurückhaltung angesagt?
Schwier: Zu Beginn des Winters auf jeden Fall mit Zurückhaltung. Doch seit etwa zwei Wochen drehen sich die Lifte ja zum Teil. Die Investition in Beschneiungsanlagen hat sich auf jeden Fall gelohnt. Im vergangenen Jahr hatten wir sage und schreibe 100 Tage Liftbetrieb - das ist sehr viel. Zur Zeit rechnen wir vor allem mit kurzfristigen Buchungen und haben uns in unserem Servicecenter mit mehr Personal und erweiterten Öffnungszeiten darauf eingestellt. Selbst von der Autobahn kommen Anrufe: „Ich bin zur Zeit unterwegs nach Winterberg, haben Sie ein Zimmer für mich?“
Business-on.de: Im Kreis Olpe wird die Arbeit von Sauerland-Tourismus nicht nur positiv gesehen, wird immer wieder Kritik laut, fühlen sich die Betriebe nicht gebührend vertreten. Woran liegt das?
Melcher: Viellicht ist noch nicht überall Verständnis für die gemeinsame Sache vorhanden. Seien Sie einmal ehrlich: Ob Schwarzwald oder Allgäu, fast jeder kennt die Regionen, aber nicht die einzelnen Orte dort. Unsere Marke heißt nicht Winterberg, Arnsberg, Olpe oder Lennestadt - wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir das ganze Sauerland vermarkten. Und mit seinem doch recht großen Einzugsbereich kann Sauerland-Tourismus sicherlich nicht die Arbeit vor Ort erledigen. Wir vermarkten Produkte - und das geht nur, wenn diese zuvor an der Basis mit viel Fantasie kreiert wurden. Und eines steht für mich fest: Der Sauerland-Tourismus e.V. als Kreation der Kreise Olpe, des Hochsauerlandkreises sowie unter Beteiligung von Märkischem Kreis, dem Kreis Soest und dem hessischen Willingen ist bisher eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Unsere Prämisse, „eine touristische Organisation für eine touristische Region“ war genau richtig. Wir haben unsere Schlagkraft erhöht und mehr Professionalität in die ganze Sache rein gebracht. Jetzt brauchen wir die Unterstützung der Basis - auch im Kreis Olpe. Denn wir können nicht einzelne Destinationen wie Märkisches-, Süd-, Hoch- oder Schmallenberger Sauerland vermarkten, sondern nur die Region als Ganzes. Markenbildung braucht Klarheit - und unsere Marke heißt Sauerland. Eines steht für mich ebenfalls fest: Es gab noch nie so viele Marketingaktivitäten in der Region wie seit Gründung von Sauerland-Tourismus.
Business-on.de: Frau Schwier, Sie haben Kritik, auch an Ihrer Person, einstecken müssen. Haben Sie die Schwierigkeiten erwartet?
Schwier: Das habe ich so nicht erwartet, aber ich kann mit Kritik leben, so sie nicht hintenrum ist. Auf der anderen Seite gab es auch viel Positives. Ich kenne keine Region, die sich so schnell entwickelt hat. Das Allgäu etwa ist nicht weiter als das Sauerland.
Melcher: Wir sind die stärkste Tourismus-Destination in NRW. Ein Zeichen nach außen könnte auch der geplante Naturpark Sauerland/Rothaargebirge sein. Naturpark - und kein Nationalpark, wie die BILD-Zeitung geschrieben hat.
Business-on.de: Angenommen, Sie haben einen Wunsch frei! Was wünschen Sie sich vom Kreis Olpe?
Schwier: Das ist schwer. Ich wünsche mir von den Betrieben, dass sie marktfähige kreative Produkte entwickeln. Gerade hier sehe ich noch ein riesiges Potential.
Melcher: Nur gemeinsam kann das was werden. Im Sinnen des Sauerlandes müssen wir an einem Strang ziehen.
Business-on.de: Frau Schwier, Herr Melcher, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Text: Torsten Erik Sendler / Gregor Breise
Foto: Marita Sapp

(Redaktion)


 


 

Samone Schwier
Marke Sauerland
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