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Umsatzgarant Kind

Das Geschäft mit dem Nachwuchs

Für die Kinder nur das Beste. Ambitionierte Eltern ziehen alle Register, um dem Nachwuchs zu unterstützen. Ob das Kind von wirklich allen Maßnahmen profitiert, sei dahingestellt. Sichere Nutznießer des Förderbooms sind aber die zahlreichen Unternehmen, die aus der elterlichen Sorge längst eine Geschäftsidee entwickelt haben, die sich als äußerst lukrativ erweist.

Bereits im Mutterleib werden für den künftigen Nachwuchs weder Kosten noch Mühen gescheut, um dem Ungeborenen die perfekten Bedingungen fürs Leben zu geben. Kaum hält das hoffnungsvolle Paar den positiven Schwangerschaftstest in den Händen, wird auf Babymodus umgeschaltet. Die Ernährung wird in Frage gestellt und mit speziellen Zusatzpräperaten optimiert sowie das gesamte Umfeld auf Kindertauglichkeit getestet. Mit den Möbeln für das Kinderzimmer folgt auch schnell der Familienwagen. Und noch bevor das zweite Trisemester vorüber ist, steht von der ersten Garderobe bis zum Kinderwagen alles für den wichtigsten Menschen der Welt bereit. Wer dabei denkt, der Wert des Wunschkindes sei nicht zu beziffern, der irrt. Denn in punkto Kind gilt: Nur das Beste ist gut genug.

Wenn es um den Nachwuchs geht, ist Geiz völlig fehl am Platz. Das hat auch die Wirtschaft erkannt und ködert die wohlwollenden Eltern mit unzähligen Produkten, deren Preise sowohl Wert als auch Notwendigkeit vermitteln wollen.

Während Biobaumwolle nicht nur der Haut des Babys gut tut, sondern auch eine Frage des ökologischen Gewissens ist, und in punkto Lebensmittel sowieso keine Kompromisse eingegangen werden, sind Produkte wie Kinderwagen, Autositz oder auch das Kinderbett Ausdruck der Liebe zum Nachwuchs. „Sie müssen selbst wissen, wie viel ihnen ihr Kind wert ist“; wer beim Kinderzimmer ratlos zwischen zwei Preiskategorien schwankt wird nicht selten moralisch in die Ecke gedrängt.

Volkswagen oder Luxuskarosserie: Was fährt ihr Kind so?

Und auch die Wahl des Kinderwagens offenbart viel mehr als die Nutzungsgewohnheiten. Wichtiger als Fahrverhalten, Gewicht und Größe des Mini-Mobils sind das Design und – ja - die Marke geworden. Ob die Luxusmarke Bugaboo, das Mittelklassemodell Teutonia oder der Kleinwagen Hartan oder gar ABC-Design… mit dem Kinderwagen wird ein Status präsentiert, der weitaus wichtiger geworden ist, als die Frage, ob Mama mit dem Kinderwagen in der Stadt unterwegs ist oder unebene Feldwege für den Spaziergang favorisiert.

Ähnlich snobistisch sieht es bei der Kleiderwahl der Kinder aus. Wer gibt schon gerne zu, seinen Stammhalter mit Kleidung vom Wühltisch einzudecken? Fair-Trade muss es sein und die Baumwolle aus nachhaltigem Anbau. Mit der gewählten Kleidermarke für die Kids drücken Eltern ihren eigenen Lifestyle aus. Gut, dass die Kinder erst später einen eigenen Geschmack entwickeln.

So wie die Nachfrage nach Artikeln im hochpreisigen Segment zunimmt, so mehren sich auch Secondhand-Läden und Flohmärkte, die auf vermeintlich hochwertige Produkte spezialisiert sind. Wo das Shirt herkommt ist zum Glück zweitrangig, so lange das Label noch gut erkenntlich ist.

Mandelmus im Brei zur Förderung der Gehirnreifung?

Der Wunsch nach Qualität zieht sich weiter in die Lebensmittelbranche. Insbesondere Zusatzpräperate sowie Medikamente sind im Kommen – das Kind soll eben gut versorgt sein. Bereits in Krabbelgruppen wird darüber diskutiert, wann mit der Fütterung von Mandelmus begonnen werden sollte, um die Gehirnreifung des Kindes bestmöglich zu fördern. Was die Ernährung nicht mehr schafft, wird durch spezielle Fördergruppen aufgefangen. So haben Angebote an musikalischer Früherziehung, mehrsprachige Kindergärten und Nachmittagsgruppen sowie mathematische Spielkreise momentan einen fragwürdigen Höhepunkt erreicht.

Psychologen und Soziologen erklären die Entwicklung mit dem zeitgleichen Trend der bewussten Familienplanung. Niemals schien es so einfach, den perfekten Zeitpunkt für den Nachwuchs zu planen. Die Entscheidung für ein Kind fällt nicht mehr intuitiv, sondern wird geflissentlich kalkuliert und fällt meist mit dem Erreichen der eigenen ambitionierten Ziele zusammen. Erst wird das eigene Ego versorgt, dann mit einem Kind gekrönt. Eine solche exakte Planung klappt nicht immer. Immer öfters muss dem Elternglück nachgeholfen werden. Kinderwunschkliniken sind in den vergangenen Jahren aus dem Boden geschossen wie Pilze und auch das Angebot an frei käuflichen Hormonmittelchen wie diverse Tees zur Optimierung des Scheidensekrets, Eiweißshakes zur Förderung des Eisprungs sowie Hilfsmittel zu dessen exakter Berechnung hat stark zugenommen.
Das Business mit dem Nachwuchs ist äußerst lukrativ. Und auch die Wirtschaftsprognosen für den neuen Geschäftszweig sehen rosig aus; denn im Falle der Geburtenrate ist das Angebot ungleich der Nachfrage. Wenn Paul zu Hause keine Geschwister als direkte Konkurrenten hat, dann wird der Vergleich von den Eltern beim Spaziergang im Park gesucht.

(Katharina Loof)


 


 

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