Sie sind hier: Startseite Wirtschaft
Weitere Artikel
Energie

Verbrauchsdatenmessung und Verbrauchsabrechnung

Viele betriebliche Entscheider glauben immer noch, Zählerstandserfassung und Ablesung der Zähler seien allein Sache der Versorger. Was soll man auch mit Daten anfangen, die nur einmal im Jahr abgelesen werden? Schließlich hängen gerade in kleineren Betrieben oft die gleichen Zähler, wie sie auch in Privathaushalten zu finden sind: Auf zwei Millionen Gewerbe- und Industriezähler kommen in Deutschland 42 Millionen Haushalts- und Kleingewerbezähler.

Nur wenige wissen, daß es verschiedene Möglichkeiten der Verbrauchserfassung gibt und daß Stromzähler heute mehr können, als nur den Stromverbrauch zu erfassen. Dies gilt gerade für den gewerblichen Bereich. Hat ein Betrieb beispielsweise die Wahlmöglichkeit zwischen mehreren Arten der Leistungserfassung, dann kann ein solcher Kunde unter entsprechender Berücksichtigung seines charakteristischen Verbrauchsverhaltens die jeweils günstigste Variante wählen. Trifft der Verbraucher keine Wahl, wird der Versorger die Art der Leistungsermittlung bestimmen.

Als erster Schritt hin zur Einsparung von Energie und Kosten im betrieblichen Bereich empfiehlt sich also zunächst ein genauer Blick auf die unterschiedlichen Konzepte und Technologien zur Erfassung und Übermittlung der Verbrauchswerte an den Versorger. Neue Möglichkeiten in diesem Bereich hat nicht zuletzt die Liberalisierung des Meßwesens eröffnet. Die im Oktober 2008 in Kraft getretenen Messzugangsverordnung hat den Weg frei gemacht für neue Messdienstleister, die innovative Messkonzepte anbieten, wie beispielsweise die Auslesung von Gas- und Wasserverbräuchen oder die zeitnahe Bereitstellung und Visualisierung von Verbrauchsdaten als Grundlage zur Steigerung der Energieeffizienz.

Regelmäßige Zählerstandserfassungen im Rahmen der Turnusablesung dienen der jährlichen oder monatlichen Abrechnung der Kunden. Hierbei werden die Kunden in Tarifkunden- und Sonderkundenklassen unterteilt. Die Tarifkunden (Haushalte, kleinere Unternehmen) werden jährlich zu einem bestimmten Zeitpunkt abgerechnet. Bei den Sonderkunden (Industrieanlagen, Großabnehmer von Energie) findet die Abrechnung zum größten Teil monatlich statt. Hierbei werden die Zählerstände in kurzen Abständen erfasst und per Fernablesung an den Versorger übermittelt. Manche Versorger bieten ihren Großkunden auf der Basis der übermitteilten Daten auch eine Auswertung der Lastgangdaten an einschließlich des Zugriffs auf diese Daten über das Internet.

Auf der Basis des sogenannten Standardlastprofils scheren Versorger bei der Verbrauchsabrechnung alle Stromkunden mit einem relativ gleichförmigen Verbrauchsmuster über einen Kamm. Hierzu zählen Haushalte und kleine Betriebe. Große Abnehmer zahlen demgegenüber (z.B. für Strom) drei Komponenten:

  1. Leistung: Das ist die höchste je abgerufene Last in [kW]
  2. Arbeit: Das ist die Summe der abgerufenen Leistungen mal Zeit [kWh]
  3. Blindleistung: Das ist diejenige Leistung, die aufgrund der Eigenart bestimmter Verbraucher nutzlos zwischen Verbrauchsstelle und Kraftwerk hin- und herpendelt und unnötig die Netze belastet [kVar]

Während im Tarifkundenbereich sogenannte Drehstromzähler dominieren, werden bei Sonderkunden 96-Stunden-Leistungsmesser oder 1/4-Stunden-Leistungsmesser eingesetzt, die neben dem Stromverbrauch auch die Leistung messen. Etwa 85% der in Deutschland verbauten Stromzähler sind Drehstromzähler, der Rest Wechselstromzähler. Solche Wechselstromzähler werden u. a. als Zwischenzähler für die Verbrauchsermittlung von Maschinen und zur Stromabrechnung von Untermietern eingesetzt. Auch Drehstromzähler werden immer öfter als Unterzähler oder Subzähler im Haushalt und Gewerbe installiert. Mit solchen kleinen elektronischen Drehstromzählern in Unterverteilern kann der Verbrauch in einzelnen Wohnungen und Geschäften abgerechnet werden.

Für große Gewerbe- und Industriebetriebe haben die Mess- und Verrechnungspreise eine besondere Bedeutung. Bei Tarifkunden ohne Leistungs- bzw. Lastgangmessung entstehen Kosten für den Betrieb der Meßstelle, die eigentliche Messung und die Abrechnung, wobei diese Kosten bei einem Vollversorgungsvertrag gemeinsam mit der Stromlieferung auf der Jahresrechnung ausgewiesen werden. Während der Stromverbrauch von nicht leistungsgemessenen Kunden nach dem sogenannten Standardlastprofil (SLP) abgerechnet wird, rechnen Versorger für leistungsgemessene Kunden folgende Positionen ab:

  1. Zählung, umfasst den Einbau, Betrieb und die Wartung
  2. Messung, umfasst Zählwerterfassung und Datenweitergabe
  3. Abrechnung, umfasst die Abrechnung der Netznutzung

Der Energieversorger misst die Arbeit (kWh) je Messperiode und teilt diese durch die Zeit (1/4 Stunde). Dieser Leistungsmittelwert und nicht die Momentanleistung innerhalb der Messperiode ist für die Abrechnung relevant. Die Aneinanderreihung der Leistungsmittelwerte nennt man Lastprofil.

(Dirk Rohlfing)


 


 

Verbrauch
Manche Versorger
Drehstromzähler
Abrechnung
Betrieb
Leistung
Subzähler
Leistungsmittelwert
Verbrauchsabrechnung
Möglichkeiten
Stromverbrauch
Bereich

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Verbrauch" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: