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Fiktives Interview

Ich sprach mit ... der Verunsicherung

In fiktiven Interviews spricht Richard Clever mit Gefühlen, Tugenden und Werten von im Marketing handelnden Menschen. Heute: Interview mit der Verunsicherung.

Richard Clever: Ich bin jetzt selbst ein wenig verunsichert: Ich hatte erwartet ...

Verunsicherung: ... dass hier jemand mit zitternden Knien sitzt?

Richard Clever: Irgendwie schon.

Verunsicherung: Damit kann ich nicht dienen.

Richard Clever: Heute nicht? Oder nie?

Verunsicherung: Ich zittere eigentlich nie in mit den Knien.

Richard Clever: Hm, wie kann ich Sie denn sonst erkennen?

Verunsicherung: Das ist Ihr Problem!

Richard Clever: Gutes Stichwort! Ich bin nämlich der Überzeugung, dass Sie letztlich Probleme produzieren. Und diese beginnen bereits, wenn Sie sich noch im Nebel verstecken – und nicht für jedermann erkennbar sind.

Verunsicherung: Meinen Sie ...

Richard Clever: Ich meine auch zu wissen.

Verunsicherung: Dann will ich Ihnen mal was erzählen: Ich war kürzlich bei einem Marketingleiter in einem mittelständischen Familienunternehmen. Der Inhaber war der Meinung, dass der Auftritt des Unternehmens eine, na, sagen wir mal: ’Frischzellenkur’ benötigt.

Richard Clever: Und dann ...?

Verunsicherung: ... saß ich bereits beim Marketingleiter auf dem Schoß!

Richard Clever: Wie das?

Verunsicherung: Ich war einfach da, zack, von jetzt auf gleich. Hierzu müssen Sie wissen, dass der gute Mann schon seit vielen Jahren das Marketing des Unternehmens verantwortete. Alles, was in den letzten Jahren getan und gemacht wurde, lag in seiner Verantwortung – und eigentlich hatte auch nie irgendjemand gesagt, dass das alles schlecht wäre. Das Unternehmen hatte auch nicht mit Absatz- oder sonstigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Es war einfach nur etwas verstaubt.

Richard Clever: Aber warum waren Sie denn auf einmal da? Zackig, wie Sie sagen.

Verunsicherung: Ich glaube, das ist eine Typfrage. Der Mann war einfach einer von denen, ...

Richard Clever: ... die sich leicht verunsichern – und damit aus dem Konzept bringen lassen?

Verunsicherung: Ja, weil auf einmal alles anders sein sollte.

Richard Clever: Was ist denn schlimm daran?

Verunsicherung: Eigentlich nichts. Aber: Der Schuß könnte ja nach hinten losgehen ...

Richard Clever: ... und dann nimmt man dem verantwortlichen Schützen das Gewehr weg!

Verunsicherung: Genau dieser Gedanke saß im Hinterkopf und führte ...

Richard Clever: ... zu Ihnen!

Verunsicherung: Exakt!

Richard Clever: Jetzt bin ich per se der Meinung, dass sowas ’kein Zustand’ ist. Darum frage ich: Wie kommt man denn da raus aus so einem Schlamassel?

Verunsicherung: Das fragen Sie mich?!

Richard Clever: Mehr als fragen kann man nicht ...

Verunsicherung (denkt kurz nach): Hm, obwohl es nicht meine Aufgabe ist ... ich würde sagen, in dem man sich jemandem anvertraut. Also Rat und Betreuung von jemandem sucht, der entspannt ist und weiß, wo´s langgeht – ganz souverän.

Richard Clever: Ich nehme an, diese Bestärkung hat in diesem Fall funktioniert – sonst wären Sie jetzt nicht hier.

Verunsicherung: So ist es.

Richard Clever: Nach meiner Erfahrung gibt es noch weitere Formen der Verunsicherung.

Verunsicherung: Ja, die Unterschiede liegen aber in den Gründen – nicht im Wirken.

Richard Clever: Ich denke gerade an die Verunsicherung aufgrund mangelnder Kenntnis.

Verunsicherung: Blöde Sache ...

Richard Clever: Ja, aber man erlebt es immer wieder. Da sitzt dir jemand gegenüber, der es wissen müsste – aber es kommt nichts. Und du spürst auf einmal: Hey, der weiß ja gar nicht, worum´s geht und was los ist – und darum kommen wir hier und jetzt auch keinen Zentimeter voran.

Verunsicherung: Worauf wollen Sie hinaus?

Richard Clever: Dass die Probleme, die Sie produzieren, am Ende des Tages ganz enorm sein können: Stillstand.

Verunsicherung: Ich mache nur meinen Job.

Richard Clever: Aber am falschen Ort.

Verunsicherung: Sie scheinen nicht die beste Meinung von mir zu haben.

Richard Clever: Das würde ich so nicht sagen. Ich sehe Sie eigentlich ’wertfrei’. Ihren Tipp mit dem ’Rat suchen’ fand ich sehr gut. Für mich sind Sie halt immer wieder mal da – weswegen auch immer. Das bedeutet dann letztlich auch immer wieder: Darauf eingehen, verstehen – und mit Klarheit entgegenwirken. So wie Sie es ja selber als Ratschlag gesagt haben.

Verunsicherung: Genau ...

Richard Clever: Ich kenne noch eine andere Form der Verunsicherung: eine, die von außen kommt.

Verunsicherung: Da bin ich unschuldig!

Richard Clever: Ich weiß.

Verunsicherung: Manchmal führt einfach der Lauf der Welt dazu, dass ich plötzlich ganz nah bei den Menschen bin.

Richard Clever: Zum Beispiel?

Verunsicherung: Wenn zum Beispiel ein neues Gesetz in Kraft tritt, wonach man im öffentlichen Raum nicht mehr für Tabak werben darf. Oder die ’neuen Medien’, die klassische Medien in Frage stellen. Dann bin ich halt zur Stelle. „Hilfe, was sollen wir tun?“

Richard Clever: Schön, dass man mit Ihnen über alles sprechen kann.

(Richard Clever)


 


 

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