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469. Schaffermahlzeit

Bremerinnen gingen kostümiert voran

Eigentlich übernehmen zur Karnevalszeit Frauen symbolisch die Macht in den Rathäusern der Republik. In diesem Jahr fiel die 469. Schaffermahlzeit in Bremen ausgerechnet in diese Zeit. Manchem in Bremen ist das ein Dorn im Auge.

Von Onur Yamac

Einst diente die die Schaffermahlzeit den Kaufleuten und Seeleuten am zweiten Freitag eines jeden Jahres dazu, um bei Speis und Trank azurechnen und Kontakte zu pflegen. Danach fuhren die Seeleute wieder mit ihren Schiffen zur See und waren monatelang unterwegs.

Die Traditionsveranstaltung von 1545 zu Gunsten der Stiftung Haus Seefahrt gibt es noch heute. Das Haus Seefahrt ist das älteste Sozialwerk für Seeleute weltweit. Die Schaffermahlzeit hat sich im Laufe der Jahre zu einem Aushängeschild der bremischen Wirtschaft entwickelt, da der Teilnehmerkreis sehr exklusiv ist: jeder der 100 teilnehmenden Gäste darf nur ein einziges Mal in seinem Leben an dem Festmahl mit 5 genau festgelegten Gängen im Bremer Rathaus teilnehmen. Zu exklusiv, wie Bremens Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe findet.

Auch schon Maischberger ins Spiel gebracht

Haufe trommelte daher verbal dafür, dass auch Frauen zum Brudermahl zugelassen werden. Schließlich dürfe sich die versammelte deutsche Wirtschaftsprominenz nicht treffen und so tun, als gebe es keine Frauen in der Wirtschaft, so die Begründung der Frauenrechtlerin.

Beim Haus Seefahrt wird man seit einigen Jahren in unregelmäßigen Abständen mit dem Thema konfrontiert. Ex-Beluga Shipping Reeder Niels Stolberg hatte vor einigen Jahren TV-Talkerin Sandra Maischberger als Gast ins Spiel gebracht. Dazu kam es nicht. Nach dem Aus für Stolbergs Reederei war das Thema Frauen mehr oder weniger vom Tisch. Auch in der Generalversammlung der Stiftung Haus Seefahrt, dem die kaufmännischen und seemännischen Teilnehmer der Schafermahlzeit angehören, hat es nach Angaben des verwaltenden Schaffers, Kapitän zur See a.D. Holger Janssen, bislang keine entsprechenden Anträge gegeben. 

Erste Kapitänin nahm 2004 teil

Im Jahr 2004 nahm immerhin mit Kapitänin zur See Barbara Massig die erste Frau  als seemännisches Mitglied der Stiftung Haus Seefahrt  an der Schaffermahlzeit teil. Im Jahr 2007 folgte ihr Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als erster weiblicher Ehrengast. Auch Ehrengast Christian Wulff (CDU) von 2010  hat sich trotz aller Querelen um sein Amt als Bundespräsident in seiner Beziehung stets erkennbar modern gegeben.

Von der Fürsorge des ältesten Sozialwerks der Seeeleute profitieren darüber hinaus Seemänner und ihre Gattinen bzw. Witwen gleichermaßen. U.a. bietet das Haus Seefahrt in begrenztem Umfang mietfreies Wohnen für bedürftige Mitglieder auf dem Seefahrtshof im Bremer Stadtteil Grohn an, wo mehrere Mehrfamilienhäuser bewirtschaftet werden. Nur bei der Schaffermahlzeit hat sich seit Jahrhunderten nichts geändert. Das Rathaus ist am zweiten Freitag im Februar - Weiberfastnacht und Karneval hin oder her - fest in Männerhand.

Auch Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) positionierte sich in diesem Jahr in der Debatte um Frauen bei der Schaffermahlzeit. Die Schaffermahlzeit sei das gesellschaftliche Ereignis, bei dem früher Kontaktpflege und heute Networking betrieben würde, so der Hausherr über das Rathaus. Weiter schrieb Böhrnsen in einem Brief: "Wer Rang hat oder Einfluss, wer für Bremen gewonnen werden soll, gehört als Gast zur Schaffermahlzeit. [...] Das waren früher Männer, das sind heute Männer und Frauen gleichermaßen. Deshalb müssen Frauen Gäste sein können auf der Schaffermahlzeit."

Frauen nähern sich dem Bremer Rathaus

Wäre Bremen eine Karnevalshochburg am Rhein und würden beispielsweise Kölnerinnen vor dem Rathaus stehen, dann müsste man schauen, wie viele Schaffer es bis zur Schaffermahlzeit schaffen. Aber Bremen ist nun mal keine Karnevalshochburg; an der Weser wird alternativer Samba-Karneval gefeiert.

Aber einige hundert Frauen aus der Hansestadt versammelten sich diesmal immerhin schon einmal vor der Tür des Unesco-Weltkulturerbes und bildeten ein Spalier. Als die prominenten Teilnehmer der Schaffermahlzeit vom Haus Schütting, dem Sitz der Handelskammer, zum gegenüber liegenden Rathaus schritten, gingen einige Bremerinnen schon einmal kostümiert voran.

(Red. / oy)


 


 

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