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Mehdorn steht künftig an der Spitze

Firmengründer Hunold zieht sich überraschend bei Air Berlin zurück

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin wird künftig von Hartmut Mehdorn geführt. Der Verwaltungsrat der nach britischem Recht organisierten Aktiengesellschaft nahm am Donnerstag den überraschend präsentierten Personalvorschlag des Gründers und langjährigen Vorstandschefs Joachim Hunold an, wie Air Berlin mitteilte.

Von Thomas Rietig

Vor seinem Rücktritt hatte Hunold drastische Sparmaßnahmen nach einem schwachen zweiten Quartal angekündigt. Das Unternehmen teilte aber mit, dass zunächst keine Auswirkungen auf den Personalbestand von rund 9.000 Mitarbeitern erwartet würden.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Mehdorn, ist seit 1. Juli 2009 Mitglied des Verwaltungsrats (Board of Directors) von Air Berlin. Bis Mitte der 90er-Jahre war er in verschiedenen Führungspositionen der Luftfahrtbranche tätig. Er soll sein neues Amt am 1. September antreten. Hunold werde der Gesellschaft als Verwaltungsratsmitglied verbunden bleiben, meldete das Unternehmen.

Am Morgen hatte das Unternehmen Sparmaßnahmen angekündigt. So soll die Kapazität im zweiten Halbjahr 2011 um mehr als eine Million Sitze verringert werden. Damit verbunden sei die Reduzierung der Flotte um 8 der bisher 168 Flugzeuge. Weiter sehe das Programm die Streichung unrentabler Strecken, den teilweisen Rückzug von Regionalflughäfen, darunter Erfurt, sowie die Konzentration auf die Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Palma de

Eine der Strecken, die gestrichen werden, ist die Verbindung Hamburg-Frankfurt, eine Lufthansa-Paradestrecke. In den vergangenen Wochen war mehrfach der schärfer werdende Wettbewerb zwischen beiden Gesellschaften angesichts der sich eintrübenden Weltkonjunktur thematisiert worden.

Im zweiten Quartal stieg der Betriebsverlust den Angaben zufolge von 28,2 Millionen auf 32,2 Millionen Euro. Schuld daran ist Air Berlin zufolge zum großen Teil die Luftverkehrssteuer.

"Die geplanten Maßnahmen werden möglicherweise nicht ausreichen, um ein positives operatives Ergebnis zum Jahresende zu erreichen, weil einige der Einspareffekte erst im kommenden Jahr wirksam werden", erklärte Hunold selbst zu dem Ergebnis.

Die Reaktionen auf die Personalie fielen unterschiedlich aus. Die Air-Berlin-Aktie notierte am Nachmittag in einem extrem schwachen Gesamtmarkt 1,5 Prozent im Minus. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierte indirekt den autokratischen Führungsstil Hunolds. Die Probleme von Air Berlin seien "stark geprägt durch die Abhängigkeit von der Unternehmerpersönlichkeit Hunold. Unser Ratschlag war und ist, das Management der Airline auf eine breitere Basis zu stellen".

Die Branche, etwa der Flughafenverband ADV, lobte vor allem die "großartige Aufbauleistung" Hunolds. Er hatte mit zunächst zwei Flugzeugen Anfang der 90er-Jahre Air Berlin gegründet. Die Lufthansa gab dagegen keine Stellungnahme zu der Personalie ab.

(dapd )


 


 

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