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Eine Ära geht zu Ende

Die OLT schließt das Kapitel Regionalflugverkehre

Die Ostfriesische Lufttransport GmbH (OLT) hat vor wenigen Tagen die Einstellung ihrer Regionalflugverkehre bekannt gegeben. Damit geht beim Regionalcarrier aus dem ostfriesischen Emden eine Ära zu Ende. Grund ist der Verlust eines wichtigen Kunden. business-on.de zeichnet die bislang steile Unternehmengeschichte nach.

Im Jahr 1958 wird das Unternehmen von Jan Jakob Janssen und Martin Decker als OHG gegründet. Als Geschäftszweck geben die beiden Unternehmer Anforderungsverkehr, Rund- und Reklameflüge sowie Schlepp-, Gesundheits- und Luftbildflüge zu Protokoll. Beim ersten Flugzeug handelt es sich um den Typ KZ VII Lerche von der Skandinavisk Aero Industri A/S (Dänemark). Als schnelle Alternative zu den Inselfähren verbinden die OLT-Flugzeuge Emden mit den Nordseeinseln Juist, Borkum, Norderney und Helgoland. 

Erstmals wird im Jahr 1961 ein Pilot und eine "Bodenstewardeß" fest eingestellt. Letztere ist laut interner Unterlagen zuständig für den Verkauf der Flugscheine, telefonische Buchungen und zur Begleitung der Passagiere vom/zum Flugzeug.

Die OLT gilt im Jahr 1968 als führende Regionalflugesellschaft dieser Zeit. Die Flotte hat sich inzwischen auf 5 Maschinen vergrößert.

Eine Umfirmierung erfolgt mit neuer Gesellschafterstruktur im Jahr 1970. Aus der OHG wird die Ostfriesische Lufttaxi GmbH. Im Jahr 1972 erfolgt schließlich mit erneut veränderter Gesellschafterstruktur die Umbenennung in Ostfriesische Lufttransport GmbH (OLT). Die OLT-Flieger verbinden viele große westdeutsche Zentren wie Hannover, Köln, Düsseldorf, Frankfurt/Main und Stuttgart.  Im Jahr 1974 wird das Unternehmen schließlich aufgespalten. Es entsteht der OLT-Seebäderflugdienst und die DLT, aus der später die Regionalfluggesellschaft Lufthansa City Line hervorgeht. Die heutige Eigentümerin, die Reederei AG Ems, erwirbt die OLT.

Anfang der 1990er Jahre kauft OLT die Bremer Regionalfluggesellschaft Roland Air (ROA) auf. Im selben Zug baut die Emder Fluggesellschaft einen wichtigen Stützpunkt mit Werft am Bremer Flughafen auf. Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1991 beginnt OLT schließlich mit der Ausweitung der Flugverkehre und verbindet Destinationen in Westdeutschland mit Zielen in den neuen Bundesländern. Der Wettbewerb mit anderen Regionalfluggesellschaften gewinnt zunehmend an Fahrt.

Seit dem Jahr 2000 bedient OLT den Werksverkehr für Airbus Deutschland auf den Strecken: Bremen - Toulouse, Bremen - Bristol und Hamburg - Bristol. Im Jahr 2007 kommt der Werksverkehr auf den Strecken Finkenwerder - Toulouse & Toulouse - Hamburg hinzu. OLT stellt hierfür im Jahr 2008 eigens zwei 100-sitzige Jetzs vom Typ Fokker 100 in Dienst. Sie sind am Flughafen Bremen stationiert. Seit November 2008 führt OLT auch Helikopter-Ambulanzflüge von Emden aus durch.

OLT beschäftigt inzwischen rund 140 Mitarbeiter und betreibt 5 größere Flugzeuge der Typen Saab 2000, Fokker 100 mit bis zu 100 Sitzplätzen sowie 6 Kleinflugzeuge mit bis zu 10 Sitzplätzen. Hinzu kommen drei Helikopter. Der Wettbewerb gewinnt durch steigende Betriebskosten, die Zunahme von Billigfliegern und durch Sonderaktionen der Deutschen Bahn im Laufe der Jahre immer mehr an Härte. Insbesondere die Billigflieger können mit ihren großen und modernen Passagiermaschinen höhere Renditen pro Sitz erzielen und infolgedessen bessere Preise kalkulieren. Sie gewinnen immer mehr an Marktmacht. Im Jahr 2011 gibt es auf dem deutschen Markt so gut wie keine Mitbewerber im Segment der Regionalfluggesellschaften mehr. Es verbleiben im Wesentlichen OLT und die viel größere Lufthansa City Line.

Im Jahr 2011 verliert OLT den wichtigen Airbus-Auftrag an den Mitbewerber Germania, der die Werksverkehre zwischen Hamburg, Bremen und Toulouse mit zwei Flugzeugen vom Typ Airbus A 319 abwickeln will. OLT kündigt daraufhin an, den Regionalflugverkehr Ende Oktober 2011 einzustellen. Der Flugbetrieb soll für die Dauer des laufenden Airbus-Auftrags noch bis zum 31. Oktober 2011 aufrecht erhalten werden. Zum 1. November droht zahlreichen OLT-Mitarbeitern in Bremen und Hamburg Arbeitslosigkeit oder im besten Fall eine Weiterbeschäftigung bei einem Mitbewerber.

OLT kündigt im August 2011 an, die beiden Maschinen vom Typ Fokker zurückgeben zu wollen, da diese nach dem Verlust des Airbus-Auftrags nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben seien. Die Hauptgesellschafterin AG Ems will Insolvenz der OLT durch eine Kapitalspritze von 1,5 Mio. Euro abwenden. Der Flugplan des Carriers soll bis Ende Oktober vollständig aufrecht erhalten werden.

Der Inselflugverkehr der OLT soll ab Ende 2011 mit einer auf rund 20 Mitarbeiter verkleinerten Mannschaft fortgeführt werden. Zum Streckennetz sollen neben der Luftfrachtlogistik u.a. auch die Flugstrecken von Bremerhaven und Heide/Büsum nach Helgoland sowie zwischen Emden und Borkum gehören. Der Standort Bremen wird aufgegeben.

(Red. / oy)


 


 

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