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Negativpreis für Produktpiraterie

Auf der Frankfurter "Ambiente" ist wieder Plagiarius-Zeit

Am Freitag ist auf der Konsumgütermesse "Ambiente" in Frankfurt am Main wieder der Negativpreis Plagiarius für besonders dreiste Produktfälschungen vergeben worden. Auf den ersten Blick lässt sich der Unterschied zwischen Original und Plagiat meist kaum erkennen.

Nachahmer kopieren in der Regel plump 1:1 das fertige Endprodukt. Zuweilen teure Vorleistungen für Forschung & Entwicklung, für Design sowie für das Marketing entfallen dabei. Mithilfe modernster Techniken und zunehmender Erfahrung sind die Nachahmer mittlerweile bereits in der Lage, Plagiate der unterschiedlichsten Preis- und Qualitätsabstufungen herzustellen - je nach Auftrag und Zielausrichtung.

Eine Vielzahl von Billigimitaten zeichne sich aber nach wie vor durch minderwertige Materialien, schlechte Verarbeitung sowie fehlende Qualitäts- und Sicherheitskontrollen aus, so die Aktion Plagiarius am Freitag bei ihrer Pressekonferenz auf der Frankfurter "Ambiente". Hinzu komme, dass Billigkopien vielfach unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt würden. Ob Sicherheits-, Gesundheits- oder arbeitsrechtliche Mindesstandards eingehalten würden, bleibe ungewiss. 

Den Plagiarius gibt es bereits seit 35 Jahren

Bereits seit 1977 vergibt die Aktion Plagiarius e.V. den gefürchtete Negativpreis an Hersteller und Händler besonders dreister Nachahmungen. Als Trophäe dient ein schwarzer Zwerg mit einer  goldenen Nase' – symbolisch steht diese für jene, die sich die Trittbrettfahrer un­lauter auf Kosten innovativer Unternehmen verdienen. "Die Auszeichnung mit dem 'Plagiarius' sagt nichts darüber aus, ob die jeweilige Nachahmung im juristischen Sinne erlaubt ist oder nicht. [...] Wir können aber auf Unrecht aufmerksam machen und als ‚Sprachrohr' der vielen von Nachahmungen betroffenen Unternehmen agieren", so der Ideengeber des bekannten Preises, Prof. Rido Busse. 

Zoll : Zahl der Sicherstellungen wächst

Der wirtschaftliche Schaden durch Plagiate und Fälschungen ist immens: Allein im Jahr 2010 haben europäische Zollbeamte an den EU-Außengrenzen mehr als 103 Millionen schutzrechtsverletzende Waren beschlagnahmt. Der Wert der sichergestellten Produktfälschungen wird auf über 1 Milliarde Euro geschätzt.

Neben den klassischen Funden auf Transportwegen hat sich auch im Postverkehr durch die wachsende Zahl der Online-Händler die Anzahl der Aufgriffe mehr als verdreifacht. Ob aus Lust am vermeintlichen Schnäppchen, aus Bequemlichkeit oder aus Scham - immer häufiger bestellen europäische Verbraucher Kosmetika, Medikamente und Lifestyle-Präparate aus aller Welt über das Internet. Die Zahl der unseriösen Online-Anbieter, die darauf setzen, sei groß, so die Aktion Plagiarius am Freitag in Frankfurt.

Knapp 85 Prozent der Plagiate haben ihren Ursprung in China. Indien ist Spitzenreiter bei gefälschten Medikamenten, die Türkei bei Lebensmitteln und Getränken. Plagiate und Fälschungen werden aber nachweislich auch in Europa und anderen Industrienationen in großen Mengen hergestellt, von Billig-Discountern importiert oder sogar gezielt in Auftrag gegeben.

Plagiate können existenzbedrohend sein

Für kleine und mittelständische Firmen kann Produktpiraterie zuweilen sogar existenzgefährdend: Neben Umsatzrückgängen finden die Orginalhersteller nach Angaben der 'Aktion Plagiarius' zuweilen auch unberechtigte Produkthaftungsklagen in ihren Briefkästen. Ist das Unternehmen erst einmal ins Gerede gekommen, verschmähen die Verbraucher das Produkt im Regal.

Standard-Belastungs-Tests beim TÜV Nord ergaben beispielsweise beim diesjährigen ersten Preisträger, dass die gefälschten Leichtbau-Felgen bereits nach kurzer Zeit Risse aufwiesen und  auseinander brachen. Beim Wettbewerb 2012 war auch wieder ein "alter Bekannter" mit dabei: das Küchenschneidegerät "Swizzz Prozzz" war bereits im Jahr 2011 unter den Preisträgern - damals kopiert von einem anderen Hersteller. Inzwischen wird es allerdings von einem anderen Unternehmen aus China plagiiert. Das Bremer Unternehmen Fun Factory war nach zwei Jahren in Folge diesmal nicht im Wettbewerbsfeld vertreten. Die hochwertigen Designs des Bremer Herstellers für Erotikspielzeug waren mehrfach von Unternehmen aus Fernost kopiert worden.

(Redaktion)


 


 

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