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Finanzkrise frisst Allianz-Gewinn

Einbruch um 80 Prozent im dritten Quartal - Aber Jahresprognose bekräftigt

Abschreibungen auf Aktien und Staatsanleihen haben Europas größtem Versicherer Allianz die Bilanz verhagelt. Der Gewinn im dritten Quartal brach überraschend um eine Milliarde auf nur noch 258 Millionen Euro ein. Das operative Geschäft dagegen lief robuster als erwartet, und die Jahresprognose wurde bekräftigt. Die Anleger reagierten erfreut: Die Aktie wurde am Freitag zum Zugpferd des Dax.

Von Roland Losch

Finanzvorstand Oliver Bäte sagte in München: "Das Quartalsergebnis wurde erheblich belastet durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten." Vor allem der Einbruch der Börsenkurse und der Verfall der griechischen Staatsanleihen zwang die Allianz SE, den aktuellen Marktwert ihrer Kapitalanlagen um 931 Millionen Euro nach unten zu korrigieren.

"Griechenland bleibt schwierig", sagte Bäte. Obwohl der Versicherungskonzern seine griechischen Staatsanleihen inzwischen auf eine halbe Milliarde Euro und damit auf unter 39 Prozent des Nennwerts abgeschrieben hat, könnten im laufenden vierten Quartal noch weitere Belastungen kommen. Bei italienischen Anleihen dagegen, in die die Allianz gut 26 Milliarden Euro investiert hat, seien "die Marktreaktionen total übertrieben", sagte der Finanzchef. Die Allianz habe hier keine Abschreibungen vorgenommen, und sie werde den Bestand auch nicht reduzieren. Mit einer neuen Regierung werde sich die grundsätzlich starke Volkswirtschaft bald fangen. Italien sei für die Allianz neben Deutschland "unser zweiter Heimatmarkt".

"Operativ auf Kurs"

Der Umsatz der Allianz sank im dritten Quartal leicht um zwei Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Ein Hauptgrund: Nach dem Tsunami in Japan habe die Allianz ihr Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft dort geschlossen, denn "wir können in diesem Umfeld kein Geld mehr verdienen", erklärte Bäte. Das operative Konzernergebnis fiel um 7 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro und damit weniger als von Analysten befürchtet. "Alle operativen Segmente sind auf Kurs", sagte der Finanzvorstand und bekräftigte den Ausblick: Die Allianz strebe weiterhin ein operatives Jahresergebnis von mindestens 7,5 Milliarden Euro an. Nach den ersten neun Monaten hat sie 5,9 Milliarden Euro eingefahren.

Robust zeigte sich die Schaden-Unfall-Versicherung, die mit Abstand wichtigste Säule der Allianz: Der Umsatz stieg leicht, der Betriebsgewinn sank trotz hoher Sturmschäden nur um ein Prozent auf 1,1 Milliarden Euro - verglichen mit der Konkurrenz ein hervorragendes Ergebnis, wie Bäte betonte. Der Ausblick sei "vorsichtig optimistisch". Wie stark die Überschwemmungen in Thailand die Versicherung belasten werden, sei erst Ende November abzuschätzen.

Fondssparte überholt Leben-Kranken-Versicherung

Die Leben-Kranken-Versicherung machte wegen der Aufgabe des Japan-Geschäfts weniger Umsatz, und wegen des Einbruchs beim Anlageergebnis fiel der Betriebsgewinn um 21 Prozent auf 520 Millionen Euro. Die weiter stark wachsende dritte Säule, das Asset Management mit dem Fondsgeschäft, überholte die Leben-Kranken-Sparte mit einem operativen Ergebnis von 537 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von drei Prozent.

Für die Aktionäre hatte Bäte noch eine tröstliche Botschaft: Die Ausschüttungsquote werde in diesem Jahr höher sein als die üblichen 40 Prozent vom Überschuss. Angesichts der soliden Kapitalausstattung und des guten operativen Geschäfts könne die Allianz das verkraften. Nach neun Monaten hat die Allianz unterm Strich erst 2,4 Milliarden Euro verdient, nach 4,0 Milliarden im Vorjahreszeitraum.

Der Aktienkurs der Allianz legte bis Freitagmittag um über drei Prozent zu und stand damit an der Spitze des Dax.

(dapd )


 


 

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