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Ausgang offen

Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst ziehen sich bis in den Abend

Weit mehr als 30 Stunden Verhandlungen und kein Ende: Die Tarifgespräche für den öffentlichen Dienst liefen auch am Freitagabend weiter. Nach Gewerkschaftsangaben feilte die Spitzengruppe aus hochrangigen Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgebern, also Bund und Kommunen, an einem Gesamtpaket. Die Verdi-Bundestarifkommission hielt sich am Verhandlungsort in Potsdam bereit, um über das mögliche Angebot zu entscheiden. Alle Möglichkeiten waren noch offen: Einigung, Scheitern und Vertagung.

Von Philipp Heinz

Die Gewerkschaften rieten den angereisten Mitglieder ihrer Gremien , sich für alle Fälle um ein Hotelzimmer für die Nacht zu bemühen. Die Gespräche könnten möglicherweise bis Samstag dauern. Zuvor war aufseiten der Arbeitnehmer bereits der Frust über die zähen Verhandlungen gewachsen, die eigentlich schon am Donnerstag hätten beendet sein sollen. "Ich habe den Eindruck, dass die Arbeitgeber gar keine Einigung wollen", sagte der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, am Nachmittag.

Den Gewerkschaften zufolge gab es bis zum Abend trotz anderslautender Gerüchte aus dem Arbeitgeberlager offiziell kein verbessertes Angebot. Bislang hatten die Arbeitgeber 3,3 Prozent bei 24 Monaten Laufzeit geboten. Die Gewerkschaften ver.di und dbb Tarifunion hatten 6,5 Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr gefordert. Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske hatte zum Auftakt der Verhandlungen gesagt, dass ihm auch 3,3 Prozent bei einem Jahr Laufzeit zu wenig seien.

"Hopp oder topp"

Die Verhandlungen für die rund zwei Millionen Beschäftigten des Bundes und der Kommunen waren am Morgen entgegen der ursprünglichen Planung fortgeführt worden. "Wir führen weiter kontroverse Diskussionen", sagte Bsirske kurz vor Beginn der Gespräche. "Heute wird sich klären, ob hopp oder topp." Eigentlich waren die Verhandlungen nur bis Donnerstag angesetzt gewesen, doch sprachen beide Seiten von tiefen Differenzen.

Größter Knackpunkt waren nach Angaben aus Verhandlungskreisen einheitliche Steigerungen der Monatsgehälter um einen Sockelbetrag. Dies würde dazu führen, dass die Einkommen in den unteren Gehaltsgruppen besonders stark steigen und sich einander angleichen. Dies würde vor allem den Kommunen zu schaffen machen, die besonders viele Angestellte in den niedrigeren Lohngruppen haben und deshalb weit größere Lasten tragen müssten als der Bund.

Die Gewerkschaften waren nach zwei Warnstreikwellen mit hoher Beteiligung mit Rückenwind in die Verhandlungen gegangen. Als größtes Hindernis auf dem Weg zu einem Abschluss galten unter Beobachtern die weit auseinandergehenden Interessen der Kommunen und ihrer Betriebe. Ein Tarifabschluss hätte Auswirkungen auf viele sehr unterschiedliche Berufsgruppen, dazu zählt ein Friedhofsgärtner einer armen Gemeinde ebenso wie ein leitender Verwaltungsangestellter einer reichen Stadt.

(dapd )


 


 

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