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Meinungen zu befristeten Arbeitsverträgen

Die jüngst vom Statistischen Bundesamt herausgegebenen Zahlen zur Anzahl von befristeten Arbeitsverhältnisse haben auch in den Medien Wiederhall gefunden. Dort wird die Thematik eingehend aufgegriffen und auf die Problematik hingewiesen, dass Betroffene ständig auf gepackten Koffern sitzen.

Westfalen-Blatt: Zu befristeten Arbeitsverträgen

Bielefeld. Fast jeder zweite Arbeitsvertrag , der in Deutschland abgeschlossen wird, ist befristet. Ist diese Zahl besorgniserregend? Sie zeigt erst einmal ganz nüchtern betrachtet: Die Arbeitswelt wandelt sich. Früher war es für viele Menschen selbstverständlich, dass sie den Anfang und das Ende ihres Berufslebens in ein und demselben Unternehmen verbringen. Heute gehen davon nur noch wenige junge Menschen aus. Für Schulabgänger und Hochschulabsolventen ist es fast schon normal, dass sie einen befristeten Vertrag unterschreiben müssen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Viele haben keine Wahl: Entweder unterschreiben sie einen Vertrag, der zumindest über einen gewissen Zeitraum Sicherheit bietet, oder sie suchen weiter. Sie suchen und suchen und bleiben letztlich nur bei einem Praktikumsplatz hängen. Sofern die Firmen ihre Einstellungspraxis nicht überdenken, wovon nicht auszugehen ist, bleibt allen Bewerbern nur eins übrig: statt auf Sicherheit vorerst auf Optimismus und das Ende der Krise zu setzen. Immerhin werden die meisten befristeten Verträge irgendwann in unbefristete umgewandelt

Braunschweiger Zeitung: Zu befristeten Arbeitsverträgen

Braunschweig. "Befristete Arbeistverträge treffen nicht nur den Einzelnen, auch wirtschaftlich gesehen richten sie Schaden an. Wer investiert in ein Haus, in eine Wohnung oder in ein Auto, wenn der Arbeitsplatz prekär ist? Und auch den sozialen Zusammenhalt schwächen befristete Arbeitsverhältnisse. Warum sollte jemand, der ständig auf gepackten Koffern sitzt, sich engagieren, einem Verein beitreten oder Kontakte aufbauen, wenn er nicht weiß, wie lange er noch an seinem Arbeitsort wohnt? Selbst Firmen kommen nicht ungeschoren davon, denn eine Befristung kann demotivierend auf den Mitarbeiter wirken."

Westdeutsche Zeitung: Zeitarbeitsverträge

Düsseldorf. (Von Martin Vogler) - Schon kursiert - im Anklang an die "Generation Praktikum" - der Begriff "Generation Probezeit". Dieser benennt das Phänomen, dass zunehmend Firmen mit Hilfe von befristeten Verträgen die ansonst maximal halbjährige Probezeit ausdehnen. Sie testen so die Möchtegern-Langzeitbeschäftigen oft jahrelang auf Herz und Nieren. Die rasante Zunahme dieser befristeten Jobs ist für Arbeitnehmer, Gesellschaft und sogar Wirtschaft eher nachteilig. Denn den Menschen fehlt ein Stück Sicherheit in ihrer Lebensplanung. Neben der mentalen Belastung kann das bedeuten, dass sie ihren Kinderwunsch zurückstellen - und das in einer Gesellschaft, die sowieso unter Nachwuchsmangel leidet. Aus Angst vor schlechteren Zeiten üben sie Konsumzurückhaltung. Der schicke Anzug bleibt im Laden hängen, den Urlaub verbringt man auf dem Balkon. Und das alte Auto muss es weiter tun. An den Kauf einer Immobilie wagen Menschen mit Zeitverträgen sowieso kaum zu denken. Von ihnen sind folglich kaum Impulse für die Konjunktur zu erwarten. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die Schuld für diese Entwicklung allein bei den Arbeitgebern zu suchen, wäre zu einfach. Denn auch für diese sind die Zeiten unsicherer geworden. Ein Unternehmen, das nicht weiß, ob die momentan gute Auftragslage auch in zwei Jahren anhält, schreckt vor unbefristeten Einstellungen zurück. Denn im Gegensatz zu den Mitarbeitern hat es wegen des Kündigungsschutzes nur bedingt die Chance, eine Trennung herbeizuführen. Unter dem Aspekt, dass der Arbeitnehmer als schwächerer Partner einen besonderen Schutz verdient hat, ist das durchaus sinnvoll. Doch wenn wir in der jetzigen Form am Kündigungsschutz festhalten wollen, müssen wir die Nachteile kennen. Denn das Gesetz führt auch dazu, dass neue Jobs nicht entstehen, beziehungsweise die Unternehmen lieber externe Subunternehmer beschäftigen, statt selbst jemanden einzustellen. Insofern könnten sogar Arbeitnehmer - je nach Lebenssituation - von einer Lockerung des Kündigungsschutzes profitieren. Und auch für Zeitarbeitsverträge gilt: Sie haben klare Nachteile, doch sie können ebenfalls eine Chance sein. Denn immerhin für die Hälfte gibt es ein Happy-End mit einem unbefristeten Vertrag.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung: Ein Leben in Fristen

Essen. (Von Martin Korfmann) - Was sagt man einem, der einen Arbeitsvertrag bekommt? Zunächst: Herzlichen Glückwunsch! Gleich danach könnte die Frage stehen: Wie lange denn? Ein Job ist heute wohl eher ein Lebensabschnittsbegleiter als ein Partner fürs Leben. Das hat selten was mit bösen Personalern zu tun, die gerne heuern und feuern. Hinter der Inflation der befristeten Arbeitsverträge steht nicht allein ein wachsendes Misstrauen gegenüber den Arbeitnehmern. Nein, es ist auch ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Entwicklung von Märkten. Unternehmen hängen mehr denn je an der Nabelschnur der Konjunktur. Und Krisen machen vorsichtig. Was sich heute toll verkauft, ist morgen schon ein Flop. Da gehen viele auf Nummer sicher und schließen Verträge mit kurzer Laufzeit. Das aber hat schlimme Folgen. Für die befristet Beschäftigten sowieso. Wer sich von Vertrag zu Vertrag hangeln muss, ist zur Ruhelosigkeit gezwungen. Der wird vielleicht auf Kinder, aufs Eigenheim und auf einen Partner fürs Leben verzichten. Die eigene Zukunft wird dann zum Fragezeichen. Fatal ist dieser Trend auch für Arbeitgeber. Denn Leute, die man erst ein bisschen anfüttert und dann fallen lässt, sind selten diejenigen, die für die Firma durch dick und dünn gehen. Wer nicht viel gibt, der kann auch nicht viel erwarten.

(Redaktion)


 


 

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