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Ackermann beklagt Ablenkungsmanöver

Asmussen verlangt von Bankern "anständige Grundgesinnung"

Hochrangige Bankenvertreter haben am Montag heftige Kritik einstecken müssen. Der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Jörg Asmussen forderte die Banker auf, zu einer "anständigen Grundgesinnung" zurückzukehren. "Ich glaube, was die Menschen eint: Sie trauen Ihnen nicht mehr", sagte Asmussen in einer Rede vor Bankern zu Beginn der Euro-Finanzwoche in Frankfurt. "Überrascht Sie das? Mich nur teilweise. Schließlich vertrauen sich die Banken gegenseitig auch nicht mehr", sagte er weiter.


Von Roman Keßler

Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann, der wegen Protestdemonstranten vor der Tür den Hintereingang wählen musste, bezeichnete dagegen die Diskussion um die Macht der Banken als Ablenkungsmanöver. Sie lenke nur von den Schwächen im Krisenmanagement der Regierungen und der Abhängigkeit von den Kapitalmärkten ab.

Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank, die als Zentrale der Genossenschaftsbanken agiert, äußerte Verständnis für die Protestbewegung. Der Kern des Vorwurfs sei nicht, dass die Banken Gewinne machten, sondern, dass sie Gewinne zulasten Dritter gemacht hätten. Solche "Gier gehört aber nicht zur sozialen Marktwirtschaft" in Deutschland, sagte Kirsch weiter.

Asmussen spielte mit seiner Bemerkung zum Vertrauen darauf an, dass Kreditinstitute mit hohen Bareinlagen weniger an andere Banken ausleihen. Sie lagern das Geld stattdessen bei der Zentralbank, wie aus Zahlen der Europäischen Zentralbank ( EZB ) hervorgeht. "Märkte ohne Regeln werden immer zum Irrationalen, zu Übertreibungen neigen", sagte Asmussen, der am 1. Januar Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) wird.

Europas Banken brauchen in den kommenden Monaten insgesamt 100 Milliarden Euro, um ein Eigenkapital von neun Prozent zu erreichen. Das soll die Banken widerstandsfähiger machen. Außerdem sollen Finanzwetten nicht mehr telefonisch am Schreibtisch, sondern über die Börse gehandelt werden. Dabei geht es um einen Billionen-Euro-Markt, von dem zurzeit nur 15 Prozent reguliert werden könnten, wie Reto Francioni mitteilte, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse.

Auch soll das Drittel der Banken, die sich laut Asmussen als "Schattenbanken" ganz dem Zugriff entzieht, zur Transparenz gezwungen werden.

Verbandsvertreter und Bankenchefs machen sich nun Sorgen, weil die Stimmung gegen ihre Institutionen immer schlechter wird. Am Montag begrüßten Aktivisten der Gruppe attac die Konferenzteilnehmer mit Sprechchören gegen die Banken und Trillerpfeifen. "Wenn sich die Euro-Krise zuspitzt, laufen die größten, system-relevanten Banken Gefahr in fünf Jahren allesamt verstaatlicht zu sein", sagte der Präsident der Volksbanken und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, der Nachrichtenagentur dapd. Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht "habe dann, was sie wolle".

(dapd )


 


 

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