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Presse-Querschnitt

Meinungen zur geplanten Räumung des Atomlagers Asse

Die Ankündigung, 126.000 Fässer mit radioaktivem Abfall aus dem einsturzgefährdeten Atommülllager Asse holen zu wollen, hat für Aufsehen gesorgt. Die Medienkommentatoren reagieren unterschiedlich: einerseits wird die klare Ansage von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) gelobt, andererseits gibt es auch Bedenkenträger. Die Räumung eines Atomlagers hat es schließlich bisher noch nicht gegeben.

Neue Osnabrücker Zeitung: Mutig und konsequent

Osnabrück. Die Entscheidung, die Asse, wenn eben möglich, vom Atommüll zu befreien, ist konsequent. In diese von Einsturz und Absaufen bedrohte Grube hätte der strahlende Unrat nie hineingedurft; wirklich bannen lässt sich die Gefahr hier nur, wenn die Giftfässer wiederherausgeholt und an sicherem Ort gelagert werden. Dass dies gelingt - und auch noch rechtzeitig -, ist allerdings noch längst nicht ausgemacht. Es handelt sich hier um ein weltweites Pilotprojekt, das mit großen Risiken und Unwägbarkeiten verbunden ist. Und dennoch: Es verdient Respekt, dass diese aufwendigste und wohl auch teuerste Variante in Angriff genommen werden soll. Der neue Bundesumweltminister Röttgen (CDU) setzt damit mutig einen Akzent, den ihm viele nicht zugetraut hätten. Denn eines ist auch klar: Für die Zukunft der Kernenergie dürfte eine spektakuläre Rückholaktion in der Asse zum Menetekel werden. Ständige Bilder von Menschen in dicker Schutzmontur, die mit Roboterhilfe gefährlichen Atomschrott bergen, werden aufwühlen und die Akzeptanz dieser Energieform weiter in den Keller treiben. Das Bergwerk einfach zuzuschütten wäre da manchem Lobbyisten wohl lieber gewesen. Eine Aufgabe indes bleibt: endlich qualifizierte Endlager auszuweisen. Ob Röttgen das auch so beherzt vorantreibt?

Neue Westfälische: Atommüllager Asse wird geräumt - Gefährliche Gebinde

Bielefeld. (Von Dirk Müller) Das ist schwer zu verstehen. Während eine Bundesbehörde gerade eine offizielle Bankrotterklärung für ein Standbein der deutschen Atommüll-Lagerung abgibt, geht die Regierung daran, für die weitere Anhäufung des Strahlenmülls zu sorgen. Während 126.000 radioaktive Giftfässer im einsturzgefährdeten Stollen Asse bei Wolfenbüttel beredt Zeugnis von der Unbeherrschbarkeit der Reste nuklearer Energieerzeugung geben, sind Kanzlerin Merkel und Umweltminister Röttgen dabei, die Atomkraft noch für Jahrzehnte zum festen Bestandteil des Energiemixes zu machen. Unverantwortlich. Die angekündigte Räumung der feuchten Asse birgt große Risiken, noch nie ist ein bestehendes Atommüllager wieder aufgelöst worden. Hinzu kommt: Was genau in den technisch liebevoll als "Gebinden" bezeichneten Fassbündeln enthalten ist, ist ungewiss - so genau nahmen es die Betreiber in den ausgehenden 60er Jahren mit der Deklarierung nicht. Welchen Gefahren die Räumungskräfte und die Region bei dem Vorhaben ausgesetzt sind, lässt sich vorstellen. Und dann, wohin mit dem Zeug? Vom avisierten, nahen Schacht Konrad raten umweltorientierte Experten dringend ab - hier stellten sich womöglich die gleichen Probleme wie im Bergwerk Asse. Und wer bezahlt das alles? Die Atomindustrie stellt sich in solchen Fragen gerne taub. Aber wer weiß, vielleicht lässt sich da mit großzügigen Laufzeiten für die Alt-Akw was machen. . .

Westdeutsche Allgemeine Zeitung: Der Asse-Skandal - Tickende Zeitbombe

Essen. (Christopher Onkelbach) Im Ergebnis macht es wenig Unterschied, ob die italienische Mafia Atommüll samt Frachter im Mittelmeer versenkt, oder ob Tausende Atomfässer in einer deutschen Salzgrube verschwinden, deren Eignung von Beginn an zweifelhaft war. Die billige und fahrlässige Entsorgung der strahlenden Hinterlassenschaften der Atomwirtschaft gefährdet heute die Umwelt und die Gesundheit der Menschen. Was angeblich für Jahrtausende verschwinden sollte, droht nur Jahrzehnte später ins Grundwasser zu sickern. Niemand hat sich in dieser Affäre mit Ruhm bekleckert. Weder Politik, noch Wirtschaft oder Wissenschaft. Das Helmholtz-Zentrum hat nicht nur seinen Ruf aufs Spiel gesetzt, es hat auch jene Politikferne und kritische Distanz vermissen lassen, die der Wissenschaft erst Glaubwürdigkeit verleiht. Der Umweltskandal um Asse wirft zwei Fragen auf: Wie steht es um die Endlagerung radioaktiven Mülls vor dem Hintergrund der Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, über die bereits verhandelt wird? Und: Muss die Einlagerung von hochradioaktivem Abfall in Gorleben - ebenfalls ein Salzstock - mit Blick auf die Zeitbombe Asse neu bewertet werden? Die Bürger haben ein Recht auf rasche Antworten.

Rhein-Neckar-Zeitung: Ausgeträumt - Kommentar zum Atommülllager Asse

Heidelberg. (Von Christian Altmeier) Der Traum der Atomwirtschaft, ihren strahlenden Müll für Jahrtausende einfach unter der Erde verschwinden zu lassen, ist - zumindest im Fall des Endlagers Asse - ausgeträumt. Dass in dem einstigen Salzstock auch noch andere die Möglichkeit genutzt haben, ihren hochgiftigen Sondermüll zu entsorgen, ist ein weiterer Aspekt dieses Skandals - der in erster Linie darin besteht, dass Politik, Wissenschaft und Wirtschaft 30 Jahre lang weggeschaut haben. Dabei hätte man viel früher wissen können, dass das marode Bergwerk als Endlager ungeeignet ist - und müsste es nun nicht im verzweifelten Rennen gegen die Zeit räumen. Dass sich Umweltminister Norbert Röttgen trotzdem für den teuersten und schwierigsten Weg der Abwicklung entschieden hat, um für die Zukunft alle Risiken auszuschließen, ist zu begrüßen. Es bleibt zu hoffen, dass er auch die Atomindustrie an den Kosten beteiligen wird. Zwar ist es für die Bundesbürger letztlich zweitrangig, ob sie über den Strompreis oder über die Steuern dafür aufkommen müssen. Angesichts der Debatte über eine Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke würde es aber auch den Stromkonzernen noch einmal vor Augen führen, dass das größte Problem der Kernkraft nicht gelöst ist: Wohin mit dem strahlenden Abfall?

(Redaktion)


 


 

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