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Die VW-Affäre

Die Volkswagen-Affäre erschütterte im Jahr 2005 den größten europäischen Autohersteller und beendete dort viele Karrieren abrupt. Der Inhalt klingt nach Krimi: Korruption, Bereicherung, Sexpartys und Verflechtungen mit der Politik. Tatsächlich bestand der Komplex VW-Affäre aus mindesten fünf verschiedenen Punkten, die alle eines miteinander gemeinsam haben: Überall waren VW-Betriebsräte oder -Mitarbeiter dabei. Ein Überblick:


Von Claus-Peter Tiemann

1. Punkt: Sonderboni

Der damalige Betriebsratschef Klaus Volkert erhielt von VW Bonuszahlungen. Die Summe von zwei Millionen Euro wurde zusätzlich zu seinem Gehalt gezahlt. Die Überweisungen waren ungerechtfertigt, wie das Landgericht Braunschweig im Urteil gegen den früheren VW-Personalvorstand Peter Hartz feststellte. Hartz hatte die Gelder abgenickt. Er wurde dafür zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

2. Punkt: Sexpartys und Spesen

Über den später fristlos entlassenen Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer ließ Hartz Reisen, Spesen und Vergnügungen von Volkert und anderen Betriebsräten praktisch ohne Kontrolle finanzieren. Gebauer sagte in Interviews, er habe Kosten für Luxusreisen, Frauen und edle Geschenke mit selbst verfassten Quittungen über ein besonderes Spesenkonto abgerechnet. Der Schaden betrug mindestens 1,25 Millionen Euro. Gebauer wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

3. Punkt: Geliebte von Volkert

Volkert sorgte dafür, dass seine brasilianische Geliebte Adriana Barros mit Aufträgen von VW versorgt wurde, etwa für TV-Filme, die sie drehte. Auch Geschenke an sie und ihre Teilnahme an teuren Reisen von Volkert wurden auf Veranlassung des damaligen Betriebsratschefs von VW bezahlt. Hier soll der Schaden mehr als 350.000 Euro betragen. Barros steht jetzt als letzte Beteiligte vor Gericht.

4. Punkt: Betrugsversuch Schuster/Gebauer

Dieser Punkt war der eigentliche Auslöser des Skandals und der Ermittlungen: Im Juni 2005 musste Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster wegen Betrugsvorwürfen seinen Posten räumen. Er soll versucht haben, Geld von VW über ein Firmengeflecht in die eigene Tasche umzuleiten. Kurz danach trat Volkert überraschend zurück. Gebauer wurde entlassen und packte daraufhin tief enttäuscht in Interviews aus. Erst damit wurden die pikanten Einzelheiten des Skandals deutlich. Schuster wurde Jahre später zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

5. Punkt: Betriebsräte in Parlamenten

Schon Ende 2004 kam heraus, dass mehrere VW-Mitarbeiter, darunter Betriebsräte, bei laufenden Bezügen in Landesparlamenten oder dem Bundestag saßen. Nach den damaligen VW-Richtlinien mussten sie keine Arbeitsleistung dafür erbringen. Diese Abgeordneten kamen unter Druck. Aber auch VW war Vorwürfen ausgesetzt, so möglicherweise Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen. In Niedersachsen forderte der Landtag immer hohe Beträge zurück, weil die Abgeordneten Zahlungen von VW geheim gehalten hatten. Inzwischen sind die damaligen Abgeordneten ihre Mandate los.

(dapd )


 


 

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