Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Betrug mit gefälschten Bio-Produkten

Unternehmen in Niedersachsen, Meck-Pomm und NRW wurden beliefert

Nachdem die italienische Finanzpolizei Guardia di Finanza im Winter einen groß angelegten Betrug mit gefälschten Bioprodukten aufgedeckt hatte, fehlten den deutschen Behörden bislang noch vollständige Informationen über die deutschen Abnehmer. Inzwischen stehen acht Unternehmen als Abnehmer fest. Dort und bei deren Abnehmern bleibt Verdachtsware bis auf Weiteres gesperrt.

Die aus Rom übermittelten Informationen ließen nach Angaben des Berliner Bundeslandwirtschaftsministeriums erste Rückschlüsse auf acht deutsche Unternehmen mit Sitz in Niedersachsen,  Mecklenburg-Vorpommern und NRW zu, die demzufolge direkt mit gefälschter Bio-Ware aus Italien beliefert worden waren.

Als Komplizen dienten den Tätern offenkundig Mitarbeiter von Öko-Kontrollstellen in Italien, die die entsprechenden Zertifikate ausstellten, durch die die Ware erst mit dem begehrten Bio-Siegel deklariert werden konnte. Erst dieses Siegel ermöglichte höhere Margen für die landwirtschaftliche Produkte. Sie waren allerdings nie nach den einschlägigen EU-Standards für biologische Landwirtschaft erzeugt worden, sondern stammten aus konventioneller Landwirtschaft.

Zwar handelte es sich nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums um unbedenkliche Ware, allerdings zahlt der Kunde für Bio-Produkte meist mehr Geld und verlässt sich am Supermarktregal ganz auf das Bio-Siegel. Der groß angelegte Betrug mit falschen Bio-Zertifikaten bedeutet daher auch einen Imageschaden für das Bio-Label, das heiligste der Branche.

Bonner Bundesamt informierte die Länder

In Deutschland hatte nach dem Bekanntwerden des Betrugsfalls die zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn Kontakt zum italienischen Landwirtschaftsministerium aufgenommen. Dort wurden auch die zuständigen Behörden der Bundesländer über den Vorfall informiert, in deren Zuständigkeitsbereich die Lebensmittelsicherheit fällt.

Nach Angaben der italienischen Behörden sollen rund 550 Tonnen gefälschte Bio-Waren, vorwiegend Futtermittel, nach Deutschland exportiert worden sein. Bei der verdächtigen Ware soll es sich überwiegend um Futtermittel aus Sojabohnen, Sojakuchen und Rapskuchen gehandelt haben.

Verdachtswaren bleiben gesperrt

Wie das Berliner Bundeslandwirtschaftsministeriums mitteilt, sind die nach Bonn übermittelten Abnehmerlisten  wegen laufenden Ermittlungsverfahrens in Italien aber offenbar noch nicht ganz vollständig. Das italienische Landwirtschaftsministerium hat demzufolge weitere Informationen nach Freigabe durch die Ermittlungsbehörden zugesagt.

Zurzeit sind in Deutschland wie auch in einigen anderen Mitgliedstaaten der EU auf der Grundlage der EU-Öko-Verordnung Verdachtswaren für eine Ökovermarktung gesperrt. Auf diese Weise will die Politik den Imageschaden für das Bio-Siegel offenbar möglichst  halten. Auch auf europäischer Ebene haben sich die EU-Mitgliedstaaten darauf verständigt, die Sperrfrist bis auf weiteres auf drei Monate auszuweiten. In dieser Zeit soll die Frage geklärt werden, ob sich für gesperrte Ware der Verdacht bestätigt oder ob er ausgeräumt werden kann. Üblicherweise betrage die Sperrfrist bei Verdachtsfällen vier Wochen, so eine Sprecherin des Ministeriums. Ohne die Verlängerung auf drei Monate würde die Sperrfrist sonst in Kürze ablaufen und die Ware in den Handel gelangen.

Öko-Kontrollstellen: Neue Auflagen geplant

Als Reaktion auf den Vorfall in Italien hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner inzwischen eine neue Öko-Kontrollstellen-Zulassungsverordnung an den Bundesrat übermittelt (business-on.de berichtete). Wenn die Länderkammer zustimmt, könnte diese mit verschärften Auflagen für Betreiber von Öko-Kontrollstellen bereits Ende Februar 2012 in Kraft treten.

(Red. / oy)


 


 

Berliner Bundeslandwirtschaftsministeriums
Bio-Siegel
Italien
Ware
Bonner Bundesamt
Deutschland
Bio-Produkte
Angaben

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Berliner Bundeslandwirtschaftsministeriums" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: