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Pkw bisher ohne Schäden

Deutsche Autofahrer machen immer noch einen weiten Bogen um Biosprit E10

Die auf Druck der Bundesregierung eingeführte Bio-Kraftstoffsorte E10 hat sich ein halbes Jahr nach der Premiere zu einem gigantischen Misserfolg entwickelt. Nur 20 bis 30 Prozent der Autofahrer entscheiden sich für E10, wenn sie die Möglichkeit dazu haben, wie der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) am Montag mitteile.

Von Claus-Peter Tiemann

Bei der Einführung im Februar hatte die Branche mit einem Absatz von 90 Prozent gerechnet und war vom Widerstand der Autofahrer kalt erwischt worden. Die Regierung will nichts weiter tun, um das Produkt beliebter zu machen.

Wenn der ganze deutsche Tankstellenmarkt betrachtet wird, sieht es noch schlechter aus für E10. Laut "Frankfurter Rundschau" haben im Juni nur 13,9 Prozent aller Autofahrer mit Otto-Motor den Biosprit getankt, im Einführungsmonat Februar seien es acht Prozent gewesen.

Allerdings hat auch erst gut die Hälfte der deutschen Tankstellen E10 eingeführt, viele Autofahrer können das Produkt also noch gar nicht tanken. Vor allem in Nord- und Westdeutschland fängt die Umstellung erst jetzt richtig an. Marktführer Aral will an allen 2.500 Tankstellen bis Jahresende E10 im Angebot haben.

Höherer Verbrauch

In Super E10 sind zehn Prozent Ethanol enthalten, das aus nachwachsenden Rohstoffen wie Weizen, Zuckerrüben oder Zuckerrohr hergestellt werden kann. Dadurch wird der Ausstoß am Treibhausgas CO2 eingedämmt. Die Bundesregierung droht den Ölkonzernen mit Strafgeldern, wenn sie nicht mehr klimafreundlichen Sprit verkaufen.

Die Konzerne hatten im Mai den Preisabstand zwischen klassischem Superbenzin und dem ungeliebten Biosprit verkleinert. Statt vorher fünf Cent nimmt die Branche seitdem nur noch drei Cent mehr für den Liter herkömmlichen Supers im Vergleich zum billigeren Super E10.

Die Autofahrer scheuen aus verschiedenen Gründen E10: Manche machen sich Sorgen, Biosprit E10 könne bei älteren Autos Schäden im Motor auslösen. Mehrere Autohersteller hatten nicht alle Baureihen für den modernen Sprit freigegeben. Laut Ölindustrie ist aber bisher kein Fall bekannt, wonach ein Fahrzeug wegen E10 stehenblieb.

Klar ist aber, dass E10 den Spritverbrauch leicht erhöht. Außerdem wir immer wieder Kritik laut, Nahrungsmittel würden knapp und teurer, wenn etwa Weizen statt zu Brot zu Benzin verarbeitet wird. Der Preis für Weizen war zuletzt stark gestiegen.

Strafen in Millionenhöhe

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass wegen der E10-Schwäche Strafen in Millionenhöhe auf die Industrie zukommen, weil die gesetzlich geregelten Absatzziele nicht mehr erreicht werden können. Jeder Liter E10, der nicht verkauft wird, zieht nach Schätzungen von Branchenkennern etwa zwei Cent Sonderabgabe an den Staat nach sich. Diese Kosten werden aber letztendlich auf den gesamten Benzinpreis umgelegt und vom Autofahrer bezahlt.

Damit wirkt die von der Bundesregierung durchgedrückte E10-Einführung wie eine Steuererhöhung. Aral-Chef Bernd Franke erklärte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Deutschland sei "bei den Biokraftstoffen in die eine oder andere Sackgasse geraten", man solle diese Strategie überdenken.

Das zuständige Bundesumweltministerium will dem offenbar nicht folgen: "Es ist Sache der Mineralölkonzerne, ihr Benzin zu verkaufen und dafür entsprechende Marketingmaßnahmen vorzunehmen. Aber die Zahl sieht zumindest nicht schlecht aus", sagte Sprecher Thomas Harbeck.

(dapd )


 


 

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