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Zollhunde

Bodos Nase entgeht nichts

Ob Drogen oder anderes illegales Schmuggelgut: Den Spürnasen am größten deutschen Flughafen entgeht nichts. Mit 34 Diensthunden verfügt der Airport über die meisten Schnüffler bundesweit. Neuerdings gibt es unter ihnen auch zwei Artenschutzhunde, die illegal Eingeführtes wie Schlangenledertaschen oder Papageien aufspüren.

In der Vorweihnachtszeit hat Bodo besonders viel zu schnüffeln. Denn in den Wochen vor Weihnachten, so der Zollhundelehrwart Dieter Keller, werde am größten deutschen Flughafen noch mehr als sonst geschmuggelt. Mancher versucht, die illegale Ware als Weihnachtspäckchen getarnt durch den Zoll zu bringen. Doch wo sich das Auge vielleicht noch durch eine hübsche Verpackung täuschen lässt, ist die Nase eines Zollhundes nicht zu überlisten. Drogen in Pralinen oder Geldscheine in Schokoladentafeln: Die Hunde riechen es und schlagen Alarm. Aber auch außerhalb der päckchenreichen Weihnachtszeit lassen sich die Schmuggler einiges einfallen: Kokain beispielsweise wird mit Kunststoff oder Ölfarbe gemischt und soll so als Koffermaterial oder Gemälde getarnt den Zoll passieren. Doch auch hier gilt: Der Nase eines Zollhundes entgeht nichts.

Die Supernasen sind auf Drogen spezialisiert
Am Frankfurter Flughafen gibt es die meisten Zollhunde bundesweit. 34 Diensthunde mit unterschiedlicher Spezialisierung sind zurzeit hier im Einsatz. Immerhin werden jährlich mehr als 50 Millionen Passagiere samt Gepäck und mehr als zwei Millionen Tonnen Luftfracht durch den Frankfurter Airport geschleust. Die Supernasen erschnüffeln, womit andere Geschäfte machen möchten: Drogen, Geld und neuerdings geschützte Tierarten. Der achtjährige Schäferhund Bodo ist auf Drogen spezialisiert. Sein Einsatzort am Flughafen: eine Halle zwischen Landebahn und Flughafengebäude. Etwa zwei oder drei Minuten braucht er, um die rund 120 Koffer einer aus Südamerika kommenden Maschine abzuschnüffeln, bevor sie auf das Gepäckband kommen. Da kein Koffer verdächtig riecht, wird ein zuvor präparierter Koffer mit Drogen eigens für ihn aufgestellt, denn Bodo darf nach getaner Arbeit nicht frustriert zurückbleiben. Also wird Bodo mit dem präparierten Koffer etwas ausgetrickst, und tatsächlich, er schlägt Alarm. Sein Hundeführer nimmt den fingierten Fund aus dem Koffer und spielt damit mit dem Hund. Denn der Spieltrieb soll bleiben, er ist ebenso wichtig wie die feine Nase. Da er nicht bei allen Hunden gleich ausgeprägt ist, entscheidet er mit darüber, ob ein Hund den Job bekommt oder nicht.

Andra hat die Probezeit bestanden
Die Hunde scheinen ideale Arbeitnehmer zu sein. Sie sind flexibel, brauchen keine geregelten Arbeitszeiten und stellen sich ohne weiteres von einer Schicht auf eine andere um. Sie reagieren zudem stark auf das Prinzip Belohnung für Leistung. Und, so der Zollhundelehrwart Keller: "Ein Hund will unbedingt Untertan und gefällig sein. Ist der Hundeführer glücklich, ist es der Hund auch." Mit vollem Magen arbeitet es sich allerdings schlechter, daher müssen die Hunde ungefüttert zum Dienst erscheinen. Nach etwa 300 Koffern oder etwa zehn bis 15 Minuten Schnüffeln braucht ein Hund eine Pause. Andra, zwei Jahre, hat soeben ihre Probezeit überstanden. Diese dauert mindestens vier Wochen, denn nicht jeder Hund eignet sich für den Job zwischen Rollbahn und Gepäckband. Es riecht etwas nach Kerosin, und ruhig ist der Arbeitsplatz auch nicht. Und, so Keller, "die Teamfähigkeit muss absolut gewährleistet sein." Das heißt: Hundeführer und Hund müssen einen Draht zueinander haben. Denn auch wenn Hund und Hundeführer Dienstschluss haben, gehen sie nicht getrennte Wege. Der Hund lebt in der Familie des Hundesführers wie ein "normales" Haustier - inklusive Ferien.

Die Erfahrung wächst mit dem Alter
Mindestens ein Jahr, maximal zweieinhalb Jahre alt müssen die Hunde für die Probezeit sein. Mit einem eigens präparierten Spielzeug werden sie auf Drogen, Geld oder inzwischen auch geschützte Tierarten abgerichtet. Ihre Erfahrung wächst mit dem Alter: "Die älteren Profis riechen aus 300 Koffern sofort genau den einen Koffer heraus, der Schmuggelware enthält", so Keller. Schlägt ein Hund Alarm, wird der Koffer geöffnet und nachgeschaut. In der Regel lässt man den Besitzer des Koffers erstmal weiterziehen - es sei denn, es handelt sich um einen Transitreisenden, der mit Drogen in ein Land reist, in dem auf Drogenhandel die Todesstrafe steht. Ansonsten aber soll der Schmuggler nicht erfahren, dass in der Halle zwischen Rollfeld und Gepäcklaufband die Schmuggelware entdeckt wurde, damit die Hintermänner über den Schmuggler ausfindig gemacht und gestellt werden können.

Eine Nase für Schlangenleder, Kaviar und Felle
Seit diesem Jahr gibt es auf eine Initiative des WWF und in Kooperation mit dem Frankfurter Zoo auch zwei Artenschutzhunde am Frankfurter Flughafen. So wie die Drogenhunde auf diverse Drogen abgerichtet werden, macht man die Artenschutzhunde mit diversen Gerüchen von Tieren zum Beispiel mit Schlangenhäuten, Papageienfedern, Vogeleiern oder Elfenbein vertraut. Laut Interpol werden mit dem Schmuggeln von Tieren und Pflanzen weltweit jährlich 20 Mrd. Dollar "verdient". Und der Statistik des Hauptzollamts Frankfurt am Main-Flughafen zufolge wurden am Flughafen im Jahr 2007 allein 561 Artenschmuggler aufgegriffen, die 111.838 "Exemplare" im Gepäck hatten. "Exemplare" meint lebende wie tote Tiere, aber auch Taschen aus Schlangenleder, Kaviar oder Felle. Unter die Artenschmuggler fallen jedoch nicht nur professionell organisierte und schmuggelnde Banden, die beispielsweise Papageien unter Bedingungen, die diese kaum überleben, schmuggeln, sondern auch Urlauber, die illegal Erinnerungen an ihren letzten Urlaub mitbringen möchten: Da findet sich schon mal eine kleine Schildkröte im Kulturbeutel oder Papageieneier in der Unterhose.

Quelle: Stadt Frankfurt

(Redaktion)


 


 

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