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Kanzlerin unterbricht Urlaub

Aktienmärkte im Ausnahmezustand

An den Börsen regiert weltweit die Angst: Die Aktienmärkte haben ihren Abwärtstrend am Freitag fortgesetzt, selbst gute Arbeitsmarktzahlen aus den USA sorgten nur kurz für Beruhigung. Auslöser sind die Furcht vor einer Wachstumsdelle, einer Verschärfung der Eurokrise und einer Herabstufung der US-Bonität.

Von Claus-Peter Tiemann und Philipp Heinz

Der Dax gab nach einer Achterbahnfahrt 2,8 Prozent auf 6.236 Zähler ab. Damit hat der Index seit Anfang der Woche gut 1.000 Punkte verloren. Für den deutschen Leitindex ist es nach acht Verlusttagen zudem die längste Durststrecke in seiner Geschichte. Der MDax verlor 1,0 Prozent auf 9.135 Punkte, der TecDax 0,9 Prozent auf 718 Zähler.

Auch der Dow-Jones-Index, in dem die wichtigsten US-Industriewerte notiert sind, fiel nach einer kurzen Erholung ins Minus. Gegen 18:30 Uhr (MESZ) am Freitag notierte er 0,3 Prozent leichter bei 11.348 Punkten.

Die Kursverluste drücken aus, dass die Furcht vor einer starken Konjunkturabkühlung, begünstigt durch die Überschuldung in der Eurozone und in den USA, nicht vom Tisch ist. Am Freitag gab es überraschend schwache Zahlen zur Industrieproduktion in Italien, Spanien und auch in Deutschland.

"Die Schuldenkrise hat die Börsen fest im Griff", sagte ein New Yorker Händler. Viele Anleger hätten wegen der Geschwindigkeit des Abschwungs Verkäufe verpasst und warteten nur auf Erholungen. Deshalb würden Aufwärtsbewegungen schnell verkümmern. Am Markt kursierte zudem ein Gerücht, die Rating -Agentur Standard & Poor's werde nach Börsenschluss die USA herunterstufen. Die Rating-Agentur wollte auf Anfrage keine Stellung dazu nehmen.

Freundliche US-Arbeitsmarktdaten

Ein Gegengewicht waren die US-Arbeitsmarktdaten: Im Juli entstanden in den USA außerhalb der Landwirtschaft 117.000 Jobs. Volkswirte hatten einen Zuwachs um 75.000 erwartet. Die Arbeitslosenquote fiel von 9,2 auf 9,1 Prozent.

Stützend für die Einheitswährung erwiesen sich Gerüchte im Markt, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte schon bald mit Käufen italienischer und spanischer Anleihen beginnen. Auch hofften Anleger auf eine baldige Emission von Eurobonds.

Der Euro notierte etwas fester bei 1,4182 Dollar. Die EZB legte den Referenzkurs bei 1,4155 Dollar fest. Der Ölpreis lag bei 108 Dollar und damit so niedrig wie seit Wochen nicht.

Rehn schaltet sich ein

Für die zwischenzeitliche Erholung an der deutschen Börse sorgten Händlern zufolge auch Schnäppchenjäger sowie die von EU-Währungskommissar Olli Rehn genährte vage Hoffnung auf die Einführung von Eurobonds.

Rehn hatte in Brüssel eine Aufstockung des Euro-Rettungsfonds EFSF signalisiert. Man müsse gegebenenfalls Anpassungen beim Krisenmanagement vornehmen, um effektiver und glaubhafter zu sein, sagte er. Der EFSF gilt Kritikern als Einstieg in den Eurobonds durch die Hintertür, weil er Schuldenstaaten Hilfe gewährt, am Ende aber alle Euroländer für den Fonds geradestehen müssen.

Rehn sagte nichts dazu, um welche Summe der Fonds von jetzt 440 Milliarden Euro aufgestockt werden könnte. Rehn war nach Brüssel gereist, nachdem EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Vortag eine Neubewertung des EFSF gefordert hatte.

Sarkozy und Merkel telefonieren

Angesichts der Unruhe an den Börsen unterbrach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihren Urlaub für eine Telefonkonferenz. Merkel sprach nacheinander mit dem französischen Staatspräsidenten Nicholas Sarkozy, dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und dem britischen Premierminister David Cameron.

"Alle Gesprächspartner waren sich einig, dass die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 21. Juli schnell umgesetzt werden sollen", hieß es. Für den Abend war ein weiteres Telefonat mit dem US-Präsidenten Barack Obama geplant. Merkel macht derzeit Urlaub in Südtirol.

(dapd )


 


 

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