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Bertelsmann

Medienkonzern denkt über Börsengang nach

Kurswechsel bei Bertelsmann: Europas größter Medienkonzern will sich nach jahrelanger Stagnation mit Hochdruck neue Wachstumsmärkte erschließen und denkt deshalb sogar über einen Börsengang nach.

Von Erich Reimann

Der neue Konzernchef Thomas Rabe kündigte am Mittwoch in Berlin an, das Unternehmen werde künftig vor allem in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien investieren. Bislang macht der Konzern noch 80 Prozent seiner Umsätze in den wachstumsschwachen Märkten Europas. Außerdem will er mit Angeboten zur Erwachsenenbildung einen neuen Geschäftsbereich aufbauen.

Um zusätzlichen finanziellen Spielraum für den auf fünf bis zehn Jahre angesetzten Konzernumbau zu bekommen, erwägt Bertelsmann sogar den Bruch mit einem Tabu. Ein Börsengang des Gütersloher Familienunternehmens scheint nicht mehr ausgeschlossen. Rabe kündigte an, der Konzern werde dazu bis Ende Juni von einer Aktiengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umgewandelt.

Die neue Rechtsform, die auch von DAX-Konzernen wie Henkel oder Fresenius genutzt wird, erlaube die Aufnahme neuer Gesellschafter oder sogar einen Börsengang, ohne den Einfluss der Familie Mohn oder der Bertelsmann- Stiftung auf die Konzernlenkung zu verwässern, sagte Rabe. Damit biete sich dem Unternehmen die Möglichkeit bei Bedarf auf diesem Weg auch größere Übernahmen zu stemmen. "Vorrangiges Ziel ist es, das Unternehmen wachstumsstärker, digitaler und internationaler aufzustellen", sagte der 46-jährige Manager.

Gewinneinbruch im Geschäftsjahr 2011

Als Vorbild für die geplanten Zukunftsinitiativen gilt das von Rabe schon als Bertelsmann-Finanzvorstand aufgebaute Musikrechte-Geschäft des Konzerns. Die zusammen mit dem Finanzinvestor KKR seit 2008 aufgebaute Konzerntochter ist inzwischen die Nummer vier im weltweiten Musikrechte-Markt und verfügt über einen Musikrechte-Katalog mit mehr als einer Million Titel. Nach Konzernangaben erwirtschaftet sie ein "komfortables Ergebnis".

Einen ähnlichen Coup hält der Konzern auch auf dem weltweiten Bildungsmarkt für möglich. Aufgrund sinkender öffentlicher Budgets eröffnen sich hier nach Überzeugung des Konzern zurzeit im Bereich der beruflichen Bildung und des Online-Hochschulstudiums große Chancen für private Anbieter.

Für den Umbau ist es höchste Zeit. Denn traditionelle Gewinnbringer des Konzerns wie die Druckereien, die CD- und DVD-Werke oder die Buchclubs haben sich in den vergangenen Jahren zu Sorgenkindern entwickelt. Und auch die florierende TV-Sparte und das Buchgeschäft stehen vor großen Herausforderungen durch die Digitalisierung.

Im vergangenen Jahr musste Bertelsmann einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen. Das Konzernergebnis verringerte sich um 6,7 Prozent auf 612 Millionen Euro. Ausschlaggebend dafür waren nach Angaben des Managers vor allem Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen im Druckbereich, bei der Herstellung von CDs und DVDs sowie im Direktmarketing. Der Umsatz des Konzerns aus fortgeführten Aktivitäten stieg dagegen um 1,2 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem moderaten Umsatzanstieg und einem höheren Konzernergebnis.

(dapd )


 


 

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