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Boni-Bremse trifft Londons City

Großbritannien befürchtet Abwanderung von Banken

Großbritannien fürchtet um seinen Finanzplatz, die Londoner City. Bis zuletzt kämpfte der britische Schatzkanzler George Osborne in Brüssel gegen die EU-weite Begrenzung von Boni für Banker an, doch am Ende musste er sich geschlagen geben.

Von Elisa Elschner

Das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten einigten sich auf die Begrenzung von Bonuszahlungen bei Banken in der EU. Ab 2014 dürfen Sonderzahlungen für Banker nur noch so hoch ausfallen wie ihr festes Grundgehalt .

Alternativ können Aktionäre zwar auf einer Hauptversammlung für eine höhere Vergütung stimmen. Doch selbst dann darf der Bonus nur doppelt so hoch sein wie das Grundgehalt. Derzeit erhalten Spitzen-Banker Boni im Wert von mehr als dem Zehnfachen ihres Festgehaltes. Zwar müssen das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten der neuen Gesetzgebung noch offiziell zustimmen, doch wird dies allgemein nur als Formalität betrachtet.

Camerons Kampagne trug keine Früchte

Für Großbritannien ist die neue Regelung ein harter Schlag. Das Königreich hütet Londons City, Europas größten Finanzplatz, wie seinen Augapfel. Der Finanzsektor ist der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes, das seit fünf Jahren mit Stagnation zu kämpfen hat. Doch die verzweifelten Versuche des britischen Premiers David Cameron und seines Finanzministers Osborne, eine Koalition gegen die Deckelung aufzubauen, schlugen fehl.

Auch die Hoffnung, dass Zweigstellen von Banken aus dem nichteuropäischen Ausland von der Boni-Regelung ausgenommen werden, wurde vom Europäischen Parlament im Keim erstickt. Denn die neuen Vorschriften sollen auch für die Tochterfirmen amerikanischer und asiatischer Banken innerhalb der EU gelten.

Kritiker befürchtet Abwanderung

Dennoch sehen britische Banker in einer Ausnahmeregelung einen schwachen Hoffnungsschimmer. Demnach dürfen Boni auch das Doppelte des Festgehaltes übersteigen, wenn ihre Auszahlung über mindestens fünf Jahre gestreckt wird. Die genauen Konditionen müssen aber noch von der Europäischen Bankenaufsicht ausgearbeitet werden.

London sieht sich als größter Verlierer des Abkommens. Großbritanniens Finanzinstitute warnten, die Regelung werde Talente vertreiben und das Wirtschaftswachstum im Finanzsektor drosseln. Joe Rundle, Ressortleiter Handel bei ETX Capital in London, sagte der BBC: "Wir erwarten, dass durch die neue Regelung Fixgehälter in die Höhe schießen werden. Unternehmen, die nicht innerhalb der Europäischen Union sein müssen, werden ihren Standort wechseln, und Banken werden zukünftig nicht mehr in Geschäftszweige innerhalb der EU investieren."

Großbritannien überstimmt

Der Druck auf Schatzkanzler George Osborne ist nun so hoch wie nie zuvor. In den kommenden Tagen muss er entscheiden, ob er beim Treffen der europäischen Finanzminister nächste Woche eine neue Diskussion oder eine formale Abstimmung über die Boni-Bremse erzwingen will. Dabei hat die Debatte um die Banker-Boni nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Dimensionen angenommen.

Denn das Abkommen ist ein Zeichen für Großbritanniens Isolation innerhalb der EU. Zum ersten Mal wurde das Königreich in Fragen der Finanzbranche überstimmt. Mit diesem Schritt stürzten die EU-Mitgliedstaaten eine ihrer ungeschriebenen Vereinbarungen: Ein Mitgliedstaat wird nicht überstimmt in Gesetzen zu seinem wichtigsten Wirtschaftssektor. Vor diesem Hintergrund wirft die neue Boni-Regelung wichtige Fragen zum Machtverhältnis in der EU auf.

(dapd)


 


 

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