Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
  • 11.03.2013, 18:04 Uhr
  • |
  • Backnang/Berlin/Oldenburg
  • |
  • 0 Kommentare
Brand in Backnang

Türkischer Botschafter sieht bislang keine Indizien für rassistisches Motiv

Bei einem Brand in den frühen Morgenstunden des 10. März 2013 sind in einem Mehrfamilienhaus in Backnang (Baden-Württemberg) mehrere Menschen ums Leben gekommen. In dem Haus starben acht türkischstämmige Bewohner, davon sieben Kinder. In der türkischen Gemeinschaft Deutschlands herrscht seit dem Brand Unruhe.

Von Onur Yamac

Nach der Aufdeckung der Terrorzelle NSU im Jahr 2011 schließen in Deutschland lebende Türken auch Brandanschlägen wie Anfang der 1990er Jahre nicht wieder aus. Damals war es u.a. in den Städten Mölln und Solingen zu tödlichen Brandanschlägen auf von Türken bewohnten Einfamilienhäusern gekommen. In der Folge randalierten zehntausende angereiste Türken die Solinger Innenstadt und lieferten sich schwere Auseinandersetzungen mit Polizei-Hundertschaften. Nur wenige Monate zuvor hatten Rechtsextremisten in Rostock-Lichtenhagen die Zentrale Aufnahmestelle (ZASt) für Flüchtlinge in Brandgesteckt. Die Polizei hatte die Lage tagelang nicht unter Kontrolle bringen können, Vorgesetzte - u.a. aus Bremen - waren von den Beamten ignoriert worden.

Beim Brand eines von Türken bewohnten Hauses in Ludwigshafen am Rhein (Rheinland-Pfalz) am 3. Februar 2008 war zunächst auch ein fremdenfeindlicher Brandanschlag und ein Versagen der Feuerwehr vermutet worden. In der Folgezeit war es daraufhin außerhalb und während des Dienstes zu verbalen und tätlichen Angriffen auf Einsatzkräfte gekommen. Erst ein Besuch des Ministerpräsidenten der Türkei, Tayip Erdogan, führte zu einer Beruhigung der Lage. Auch türkische Ermittler wurden eingeflogen. Ein Brandanschlag wurde letztlich ausgeschlossen. Immer noch halten sich nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau allerdings unbewiesene Gerüchte, dass es Verbindungen zur Rechtsterror-Zelle NSU geben könnte. 

Deutsche Feuerwehren reagieren nach den Vorfällen in Ludwigshafen 2088 und der Aufdeckung der Rechtsterrorzelle inzwischen abhängig von der Region teils panisch auf Brände mit möglichem fremdenfeindlichen Hintergrund. Mancher Disponent in einer Feuerwehr-Leitstelle zieht zuweilen - ohne ersichtlichen Grund - alle Freiwiligen Feuerwehren aus dem Umland zusammen. Wohl besser als später womöglich aus der eigenen Leitstelle evakuiert werden zu müssen.

Botschafter der Türkei reiste nach Backnang

Auch im konkreten Fall entsandte Ankara den eigenen Botschafter in Berlin, Hüseyin Avni Karslıoğlu, nach Backnang. Er traf mit dem Ministerpräsidenten von Baden Württemberg und Opferangehörigen zusammen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Der türkische Generalkonsul in Stuttgart hält während der Ermittlungen, in die auch das Landeskriminalamt eingebunden ist, fortlaufend Kontakt zur Landesregierung und der Polizei. 

Botschafter Karslıoğlu warb derweil im konkreten Fall in Backnang um Vertrauen in die deutschen Ermittler. Bei dem Brand gebe es bislang keine Hinweise auf ein rassistisches Motiv. Die Einbindung von Brandermittlern aus der Türkei wurde nach einigem Hin und Her inzwischen von der Landespolizei Baden-Württemberg zwar angeboten, der bisherige Ermittlungsstand spricht aber nicht dafür, dass die Türkei von dem Angebot Gebrauch machen wird. Ein technischer Defekt oder Fahrlässigkeit gelten als wahrscheinliche Brandursache des verheerenden Brandes, der acht Menschen das Leben kostete. Als Brandthese wird u.a. ein Brandausbruch im Bereich des Ofens in der Wohnung verfolgt. Die genaue Brandursache steht aber noch nicht fest.

Drei Hausbewohner hatten sich nach Ausbruch des Brandes ins Freie retten können. Zwei davon waren mit Verletzungen in ein Krankenhaus zur stationären Behandlung eingeliefert worden. Eine weitere Frau, die Oma der Kinder, kam zwar auch ins Krankenhaus, wurde dort jedoch nach Polizeiangaben nur ambulant behandelt. Bei dem Brand kamen eine 40 Jahre alte Frau und sieben ihrer insgesamt 10 Kinder im Alter von 6 Monaten bis 16 Jahren ums Leben.

Unabhängig von der Brandursache offenbart der Fall in Backnang allerdings ein tiefes Zerwürfnis zwischen deutschen Behörden und der türkischsstämmigen Bevölkerung.

(Red. / oy)


 


 

Brandanschlag
Brand
Backnang
Baden-Württemberg
Ermittler
Leben
Brandthese
Rechtsterror-Zelle NSU
deutsche Behörden
Botschafter
berlin
Stuttgart
LKA

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Türkei" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: