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Bremen

Die Stadt als Filmmotiv - Über einen Locationscout in der Hansestadt

Zu Kay Schellacks Job gehört seit 20 Jahren, mit wachem Blick durch die Stadt zu gehen. Er ist Locationscout für Film und Fernsehen und hat auch die Motive für den neuen Bremer „Tatort“ gesucht.

Kay Schellack steht am Rande des Bremer Domshofs und blickt sich um. „Der Neptunbrunnen“, sagt der 57-Jährige und zeigt auf ein Wasserkunstwerk, „ist ein schönes Motiv.“ Er würde sich durchaus als Motiv für eine Szene im Bremer „Tatort“ eignen, ist aber derzeit wegen einer Langzeitbaustelle am Domshof tabu. Solche Veränderungen im Blick zu haben, gehört zu Schellacks Job. „Man guckt natürlich immer, was in der Stadt passiert, weil alles potenzielles Motiv sein kann“, sagt Schellack über seine Berufsausübung. Seit 20 Jahren ist er im Filmgeschäft, hat für das Hamburger „Großstadtrevier“ ebenso Motive gesucht wie für den Bremer und den Niedersachsen-„Tatort“. Er weiß: Orte verändern sich, Gebäude verschwinden und andere entstehen. Auch die Zeit des Neptunbrunnens wird wieder kommen, wenn die Bauzäune verschwunden sind.

Viele Kriterien muss eine „Location“ erfüllen

Mit jedem Drehbuch, mit jeder Geschichte sind Motive und Drehorte gefragt: „Die Anforderungen an das, was eine ‚Location’ können muss, sind ganz unterschiedlich“, erklärt Schellack. Wichtig sei: „Erst mal muss sie der Kunst genügen.“ Locationscouts zählen zu den ersten, die ein Drehbuch lesen, das verfilmt werden soll. Ihre Arbeit besteht darin, es in Einzelmotive aufzudröseln – und sich dann auf die Suche nach Drehorten zu machen. Mit dem Filmausstatter gibt es erste Gespräche, es folgen Motivbesichtigungen mit Regie, Kamera und Redaktion, die letztlich über die Auswahl entscheiden. Ausschlaggebend ist dabei nicht allein die Optik, sondern auch: Ermöglicht der Drehort eine Aufnahme in der Totale? Sind Drehgenehmigungen zu bekommen? Und bei Innenaufnahmen muss gewährleistet sein, dass ein großes Filmteam dort agieren kann. „Man braucht mehr Platz als gezeigt wird.“

36. Bremer Tatort-Fall

An welche Orte das Bremer Kommissaren-Duo Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) ihr 36. Fall am Pfingstsonntag führt, darf Schellack vorab leider nicht verraten. Zur Geschichte von „Der hundertste Affe“ (Regie: Florian Baxmeyer) ist bekannt: Erpresser fordern die Freilassung eines inhaftierten Biochemikers, der an gentechnisch verändertem Saatgut ge-forscht hat, und schrecken vor nichts zurück. Das Bremer Publikum wird, soviel ist seit den Dreharbeiten klar, das Stadionbad neben dem Weser-Stadion erkennen, und auch in der Innenstadt wurde Schellack bei der Motivsuche wieder fündig.

Vier bis sechs Wochen hat er dafür in der Regel Zeit. Dabei geht es auch in die Stadtteile, schließlich sollen Protagonisten Menschen von nebenan sein. Wenn ihm Privathäuser oder Wohnungen als Drehort interessant erscheinen, klingelt er. „Ich habe kein Problem zu fragen. Es bedeutet ja auch, dass jemand Nein sagen kann“, sagt Schellack. „Es gehört zu meinem Job, den Leuten zu erklären, ihr Tafelgeschirr am besten wegzuschließen und dass am Drehtag 30-40 Leute dort sind und arbeiten.“ So wie viele Locationscouts ist er auch als Motivaufnahmeleiter tätig. Das heißt, dass er während der Aufnahmen für die Logistik rund um die Drehorte zuständig ist.

„Nicht gefunden gibt’s nicht“

Über 20 Jahre auf der Suche: Gab es auch Motive, die sich schlicht nicht fanden? „Nicht gefunden gibt’s nicht“, sagt Schellack. Aber es gebe bei jedem Film ein, zwei Motive, nach denen er länger suchen müsse. Zum Beispiel, wenn das Einfamilienhaus der Protagonisten in Flammen aufgehen soll. In dem Fall wurde eine leer stehende Scheune gefunden, für die der Eigentümer keine Verwendung mehr hatte. „Es wurde geklärt, dass wir nachher den Schutt wegräumen.“

Bei der Frage, ob es noch einen Ort gibt, den er gern mal in einem Film unterbringen würde, muss er überlegen. Einen einsam an der Weser stehenden Molenturm hat er vor einiger Zeit endlich in der Vorabendserie „Unter Gaunern“ unterbringen können. Ein Ort für ein konspiratives Treffen war gesucht worden, der Turm passte als Bildmotiv perfekt. „Aber logistisch war es eine Katastrophe“, erinnert sich Schellack lachend. Zuerst muss ein Motiv eben der Kunst genügen.

(Redaktion)


 


 

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