Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Bremen

Nach Insolvenzantrag: Gewerkschaft kritisiert Parkhotel-Geschäftsführung

Das weit über die Grenzen Bremens bekannte Parkhotel Bremen hat am Donnerstag insolvenz angemeldet. Der Eingang wurde unter dem Aktenzeichen 517 IN 3/13 beim zuständigen Insolvenzgericht in Bremen für Punkt 12:45 Uhr vermerkt. Kritik an der amtierenden Geschäftsführung üben derweil Gewerkschafter.

Von Onur Yamac

Eigentlich ist Bremens Parkhotel die erste Adresse in der Hansestadt, wenn es um eine Bleibe für die Nacht geht und der Gast gehobene Ansprüche hat. Auch wenn einige prominente Gäste bekannt sind: Verschwiegenheit ist Programm. Das altehrwürdige 5-Sterne-Hotel befindet sich mehr oder weniger in der Nachbarschaft der ÖVB-Arena inmitten der idyllischen Atmosphäre des Bürgerparks direkt an einem kleinen See gelegen, der den Luxus-Habitus des um einen ovalen Kuppelbau arrangierten Baus nochmals stadtplanerisch unterstreicht.

Auch kulinarisch hat das Haus Spitzenqualitäten aufzubieten: der renommierte Gourmetführer Guide Michelin zeichnete das Restaurant "La Terasse" im Bremer Parkhotel mit einem seiner begehrten Sterne aus.

Gewerkschaft: Insolvenz kam nicht überraschend

Doch am Donnerstagmittag das plötzliche Aus am Holler See: Insolvenz! Nach Angaben der Gewerkschaft NGG hatte es bereits seit geraumer Zeit Anzeichen für Zahlungsschwierigkeiten gegeben. Die Insolvenz sei daher für viele der insgesamt über 150 Mitarbeiter nicht überraschend gekommen, so die Gewerkschaft weiter.

Zuletzt soll die Zahlungsunfähigkeit demzufolge immer wieder auf Kosten der Beschäftigten abgewendet worden sein. Die Rede ist von unbezahlten Überstunden "in erheblichen Umfang" oder die Umgehung der Tarifvereinbarungen. "Beschäftigte, die ihre Ansprüche einforderten, wurden umgehend von der Geschäftsführung gekündigt,“ bilanziert NGG-Gewerkschaftssekretärin Iris Höppner die letzten Entwicklungen im traditionsreichen Haus.

Durch die Auszahlung des Insolvenzgeldes durch die Bundesagentur für Arbeit ist der Fortbetrieb des Hauses bis einschließlich April 2013 gesichert. Als Insolvenzverwalter setzte das Gericht den Bremer Insolvenz-Fachmann und Rechtsanwalt Detlef-Helmut Stürmann ein.

Wie es für das Luxushotel in einem hart umkämpften Hotellerie-Markt an der Weser weiter geht, ist noch unklar. Die Gewerkschaft NGG fordert nach der Vorkommnissen der vergangenen Zeit eine Ablösung des aktuellen geschäftsführenden Gesellschafters und den Verkauf des traditionsreichen Hauses an einen seriösen Investor, "wenn nicht in zwei Jahren die nächste Insolvenz drohen soll."

Bremen ist hart umkämpfter Hotelmarkt

In Bremen ist das Parkhotel eines der wenigen 5-Sterne-Häuser, aber dennoch ein Unikum. Der Hotelkomplex von 1954 ist nach den Plänen des Architekten Herbert Anker erbaut worden, nachdem der Vorgängerbau von 1913 im 2. Weltkrieg zerstört worden war. Ein moderner Anbau mit Suiten wurde zuletzt im Jahr 2004 angefügt. Während der Fußball-WM 2006 in Deutschland war das Hotel die Quartier der schwedischen Nationalmannschaft. Im Parkhotel fand bis ins Jahr 2009 hinein mit prominenten Gästen wie Sarah Connor und Verona Pooth eine Gala zu Gunsten des Kinderhilfswerks Unicef statt. Die Preisspanne für ein Zimmer oder eine Suite bewegt sich hier zwischen 139,- Euro und 1.500 Euro pro Nacht.

Doch eine Recherche im Buchungsportal des Kölner Anbieters Hotel Reservation Service (HRS) zeigt, dass an der Weser auch viele andere Hotels im gehobenen Segment mit Preisen von im Schnitt zwischen 72,- und 140,- Euro pro Zimmer und Nacht mitmischen: in unmittelbarer Nähe beispielsweise das Hotel Munte (4 Sterne), das Hotel Atlantic am Universum (4 Sterne), das Intercity Hotel (3 Sterne) und nicht zuletzt das Hilton (4 Sterne) in der Böttchergasse sowie das moderne Swisshôtel (5 Sterne) am Hillmannplatz. Letztere in sehr zentraler Lage. Große Konzerne in Bremen wie Kraft, EADS, Kelloggs oder AB Inbev, aber auch Großveranstaltungen und Reiseunternehmen spülen regelmäßig Kundschaft in die Bremer Hotelbetten.

Aufgabe von Insolvenzverwalter Detlef-Helmut Stürmann ist es nun, das Haus mit über 30 Auszubildenden (Hamburger Abendblatt) neu im Markt zu positionieren. Auch der Bremer Politik dürfte es gelegen kommen, wenn das Luxushotel am Bürgerpark nicht ab April 2013 leer steht. Grund: die periphere Lage hinter einem See engt die Optionen für eine sinnvolle Nachnutzung ein. Doch die Würfel sind am Holler See noch nicht endgültig gefallen. Nun ist erst einmal der Insolvenzverwalter am Zug.
 

(Red. / oy)


 


 

Parkhotel
Bremen
Bürgerpark
Gewerkschaft NGG
Insolvenzverwalter
Donnerstag
Swisshôtel
Hilton
Munte
Atlantic
Beschäftigte
Ansprüche
Aktenzeichen
Detlef-Helmut Stürmann

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Parkhotel" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: