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Buchholz verlässt selbst das Sonnendeck

Chef von Gruner + Jahr tritt kurz nach Zerwürfnis mit Bertelsmann ab

Es hat nur eine Woche gedauert: Am 29. August legte der Chef des Zeitschriftenriesen Gruner + Jahr Bernd Buchholz sein Zusatz-Amt als Vorstandsmitglied der Muttergesellschaft Bertelsmann fristlos nieder und zeigte damit öffentlich ein Signal seiner Unzufriedenheit. Am Donnerstag räumte er wenig überraschend seinen Hauptjob.

Claus-Peter Tiemann

Buchholz scheidet "einvernehmlich aus dem Unternehmen aus", wie der Verlag mitteilte. Eine wohl teure Entscheidung für Bertelsmann, denn Buchholz Vertrag wäre noch bis 2016 gelaufen.

Der gebürtige Berliner ist die Schlagzeilen gewohnt. Nach dem Jura-Studium in Kiel stürzte er sich in die Politik - für die FDP. Noch keine 30 Jahre alt, zog er in den Landtag ein und wurde weit über Kiel hinaus bekannt als beinharter Aufklärer im "Schubladen-Ausschuss", der die Lügenmärchen mancher SPD-Politiker im Zusammenhang mit der Barschel-Affäre untersuchte.

Doch Buchholz nutzte seine Popularität nicht für eine Polit-Karriere, sondern wechselte in die Geschäftswelt: Der damalige Gruner + Jahr-Chef Gerd Schulte-Hillen holte den jungen Juristen 1996 nach Hamburg in den Verlag. Buchholz machte schnell Karriere: vom Vorstandsassistenten zum Geschäftsführer der Lokalzeitung "Morgenpost", zum Verlagsleiter des "Stern", zum Geschäftsführer der "Stern/Geo"-Gruppe.

2004 zog er in den Vorstand ein. Als sich der Vorsitzende Bernd Kundrun 2009 mit Bertelsmann überwarf, schlug die Stunde von Buchholz - er wurde der Chef.

Gemischte Bilanz nach drei Jahren

Seine Bilanz der drei Jahre am Ruder ist gemischt: Der Umsatz stagniert, die Auflagen fallen, der große Konkurrent Axel Springer zog davon, das US-Druckgeschäft kommt nicht in Schwung.

Andererseits hob er mit einem scharfen Sanierungskurs, der auch Jobs kostete, die Rendite wieder zeitweilig in den zweistelligen Bereich, er schob zahlreiche neue Titel mit an, darunter Erfolge wie "Neon" oder "View" und Pleiten wie "Park Avenue" oder "Emotion". Zuletzt musste Buchholz aber einen scharfen Gewinnrückgang nach Gütersloh melden, denn in der Krise bleiben die Anzeigen weg.

Der Belegschaft bleibt er wohl in Erinnerung mit Sprüchen wie dem von "den Leuten auf dem Sonnendeck", denen man in einer Krise sagen müsse, "dass sie ihre Liegestühle und Drinks beiseite stellen" - die Aussage war gemünzt auf gut verdienende G+J-Journalisten, denen in den guten Zeiten ein Hang zur Businessklasse und großen Mietwagen nachgesagt wurde.

Buchholz selbst sagte über sich in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Ich spiele in der Verlegerszene eine handfeste, meinungsbildende Rolle, zum Beispiel wenn es um den Presse-Vertrieb oder um E-Publishing geht."

Buchholz ist verheiratet und hat zwei Kinder.

(Redaktion)


 


 

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