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Weidmann besorgt

Schuldenlast des Euro drückt auf die Bundesbank

Die Schuldenlast des Eurosystems drückt immer stärker auf die Bundesbank. Nun ist Bundesbank-Präsident Jens Weidmann offenbar über die Stabilität der Eurozone besorgt, wie es am Donnerstag in einem Zeitungsbericht hieß. Denn die Forderungen der Bundesbank gegenüber den Euro-Partnern sind in die Höhe geschossen: Sie stiegen binnen Jahresfrist um 65 Prozent auf nahezu eine halbe Billion Euro.

Von Roman Keßler

Damit ist die Bundesbank zur Gläubigerin der anderen 16 Zentralbanken des Eurosystems geworden. Deshalb schlage Weidmann jetzt Alarm, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Er kritisiere die Schuldenverteilung innerhalb des Eurosystems als gefährlich und verweise dabei auf die sogenannten Target-Salden. Die zeigen die überdurchschnittliche Last der Bundesbank im Verein der 17 nationalen Zentralbanken deutlich auf.

Weidmann soll deshalb dem Blatt zufolge dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, einen Brief geschrieben haben. Darin habe Weidmann für Deutschland bessere Sicherheiten gefordert. Das Ungleichgewicht sei nicht länger tragbar.

"Der Brief ist vertraulich", sagte eine Bundesbank-Sprecherin dazu. Ein EZB-Sprecher verwies auf ein früheres Statement Draghis, der Target-Ungleichgewichte in Krisenzeiten als nicht ungewöhnlich bezeichnet hatte.

Bundesbank wäre im Zweifelsfall gekniffen

Das Problem: Für die Bankenhilfen haften alle 17 Zentralbanken gemeinsam - aber vor allem die Banken südlicher Länder, Irlands und Frankreichs brauchen Hilfe. Sollte ein Land zusammenbrechen, wäre die Bundesbank gekniffen. Denn netto hat Deutschland mehr verliehen als bekommen.

Aus Sicht von Experten liegt das vor allem daran, dass die deutschen Banken kaum noch Geld an ihre Kollegen im Ausland verleihen. Immer mehr Geld fließt dagegen nach Deutschland, weil auch ausländische Investoren es für einen Hort der Sicherheit halten. Die Zentralbanken müssen das Verhältnis ausgleichen, damit überall genug Geld ist - zum Nachteil der Bundesbank, die dadurch die höchsten Risiken trägt.

Das ganze Geldwesen wäre aus Sicht von Experten bedroht

Die in die Höhe geschossenen Target-Forderungen würden bei einem Scheitern der Währungsunion die Bilanz der Bundesbank und damit das gesamte Geldwesen bedrohen, glaubt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. "Diese Risiken dürften die EZB zwingen, ihre Politik der indirekten Staatsfinanzierung viel länger durchzuhalten, als sich viele heute vorstellen."

Die EZB hatte den europäischen Banken am Mittwoch die größte Geldspritze ihrer Geschichte verpasst: Sie vergab Kredite in Höhe von nahezu 530 Milliarden Euro über einen Zeitraum von drei Jahren. Noch nie wurde in der Eurozone soviel Geld für so lange Zeit zu so niedrigen Zinsen verliehen - die Banken zahlen nur 1,00 Prozent Zinsen jährlich. Am (heutigen) Donnerstag sollte ihnen das Zentralbankgeld überwiesen werden, damit sie es an die Wirtschaft weitergeben können.

Aus Sicht Krämers wird die Geldflut anhalten: "Wir werden weitere Dreijahrestender sehen", welche ein Auseinanderbrechen der Eurozone verhindern sollen. Bisher sind diese nicht vorgesehen. Die Frage nach der Schuldenlast wird Draghi aber vermutlich in der monatlichen Pressekonferenz am kommenden Donnerstag erwarten. Das Thema könnte im EZB-Rat, der dann über den Leitzins entscheidet, heiß diskutiert werden, schreibt die "FAZ".

(dapd )


 


 

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