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Deutsche-Bank-Chef Ackermann

Exzellent vernetzter Spitzenbanker - Ehrgeizige Ziele, umstrittene Gesten

Manchmal strahlt Deutschlands mächtigster Banker eine nahezu unerträgliche Arroganz aus: In Erinnerung bleibt das Victory-Zeichen im Mannesmann-Prozess oder die Entlassung tausender Mitarbeiter im gleichen Atemzug mit einem Rekordgewinn. Andererseits ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ohne Zweifel höchst erfolgreich: Er führte die Deutsche Bank vergleichsweise glimpflich durch die Krise. Seine Aussage, er würde sich schämen, staatliche Hilfe anzunehmen, wurde ihm freilich schon wieder als Arroganz ausgelegt.

Von Joachim Sondermann

Für das laufende Jahr hat Ackermann ein Rekordziel ausgegeben: Der Vorsteuergewinn der operativen Geschäftseinheiten soll von 7,2 Milliarden Euro auf 10 Milliarden Euro steigen. Der 63-Jährige gilt vielen als Buhmann und Musterbeispiel des ausschließlich auf Gewinnmaximierung bedachten Kapitalisten. Ihm wird aber auch analytischer Weitblick, ausgeprägtes Gespür für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge, ausgleichendes Wirken sowie eine herausragende kommunikative Begabung - schlicht: Charme - nachgesagt. Ackermann ist exzellent vernetzt in Wirtschaft und Politik.

Das dürfte auch so bleiben, wenn der Schweizer aus dem Kanton St. Gallen den Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank abgegeben hat. Die Bundesregierung fragt nach seiner Einschätzung. Sie zieht ihn unmittelbar bei Entscheidungen zu Rate, wie zuletzt in der Euro-Krise um Griechenland. Die Bundeskanzlerin gab zu seinem 60. Geburtstag ein Abendessen im Kanzleramt.

Eigentlich sollte 2010 schon Schluss sein

Eigentlich hatte Ackermann den Vorstandsvorsitz im Jahr 2010 aufgeben wollen. Doch Anfang 2009 entschloss er sich, bis 2013 zu bleiben. "Der Wunsch des Aufsichtsrats und vieler Mitarbeiter haben dazu geführt, dass ich sage, ich sehe mich in der Pflicht und stelle meine persönliche Lebensplanung zurück", sagte der damals 61-Jährige. Manche vermuten, er habe auch verhindern wollen, dass Aufsichtsratschef Clemens Börsig seine Nachfolge anträte.

Ackermann ist der Sohn eines Schweizer Landarztes. In den Führungsgremien der Deutschen Bank ist der Doktor der Wirtschaftswissenschaften seit Herbst 1996 vertreten. Im Mai 2002 stieg er zum Vorstandssprecher auf. Dem Unternehmen verordnete er bald ehrgeizige Ziele: vor allem eine deutliche Steigerung der Rendite , Ziel 25 Prozent. Damit sollte der im internationalen Vergleich niedrige Börsenwert erhöht werden, um das Haus vor einer feindlichen Übernahme zu schützen.

Ackermann war über viele Jahre einer der Spitzenverdiener unter den Vorstandschefs der im Deutschen Aktienindex DAX notierten Unternehmen. Im eigenen Haus freilich übertraf ihn zuletzt Anshu Jain, der Chef des Investmentbankings, das im Jahr 2010 allein 86 Prozent des Vorsteuergewinns der Bank einbrachte.

Ackermann ist mit einer Finnin verheiratet und hat eine Tochter. Er gilt als exzellenter Hobbymusiker in klassischem Gesang und Klavierspiel sowie als Opernfan.

(dapd )


 


 

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