Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Presse-Querschnitt

Meinungen zum Großen Zapfenstreich für Christian Wulff

Der zurückgetretene Bundespräsident bewegt weiter die Gemüter. Zeitweilig erschien auch die ehrenvolle Verabschiedung des 52-Jährigen Christian Wulff gefährdet. Unmittelbar vor dem Großen Zapfenstreich am Donnerstagabend beschäftigen sich daher eine Reihe von Medien mit der Art und Weise des Umgangs mit dem ehemaligen Staatsoberhaupt.

"Geht es noch?" fragt die in Leutkirch erscheinende Schwäbische Zeitung angesichts der "mit Spießerinstinkt" gezählten Anzahl der Lieder, die sich Wulff für den Großen Zapfenstreich gewünscht habe. Das Ergebnis laute: "Böse, böse, er möchte eines mehr als seine Vorgänger." Das sei wiederum solle als skandalöser Beweis für seine angebliche Raffgier herhalten. Das Verhalten der Boulevardmedien im Fall Wulff sei daher inakzeptabel. Weiter schreibt die Zeitung, dass Politiker häufig als manische Egoisten dargestellt würden, die nur die eigenen Interessen im Blick zu haben schienen. Der ganz großen Mehrheit der Politiker hierzulande werde damit aber Unrecht getan bilanziert die Zeitung weiter - ganz gleich welcher politischen Farbe, ob im Bund, im Land oder in der eigenen Kommune. 

Die  in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung hebt in ihrer Ausgabe vom Donnerstag hervor, dass sich ein Politiker von niemandem abhängig machen dürfe. Dem Amt des Bundespräsidenten habe die "Affäre Wulff" allerdings nicht geschadet. Der politischen Kultur Deutschlands ebenso wenig. Lange sei öffentlich wie privat nicht so intensiv über politische Moral diskutiert worden, bilanziert man bei der Zeitung - um gleich darauf zu ergänzen: Allerdings auch auch nicht über Grenzen wie Übertreibungen journalistischer Kritik.

Die Berliner Zeitung stellt fest, dass sich die politische Kultur eines Landes auch daran bemisst, wie es mit Gestolperten umgeht. Man müsse den Zapfenstreich daher in Würde gestalten. Jenen Alt-Bundespräsidenten, die ohne echten Grund dem Zapfenstreich fernblieben, konstantiert die Zeitung ein erhöhtes Maß an Eitelkeit. Sich auch von diesem Staatsoberhaupt ordentlich zu verabschieden, gebietee der Respekt vor der Demokratie und ihren Ämtern, so die Berliner Zeitung.

Auch die in Düsseldorf erscheinende Westdeutsche Zeitung kritisiert den Umgang mit Wulff. Die Wut des Steuerzahlers wegen einer horrenden - aber eben vereinbarten und rechtmäßigen - Versorgung des noch jungen Ex-Präsidenten sei verständlich. Ihr Ausmaß und die Form ihrer Äußerung aber seien es nicht. Diese seien unverhältnismäßig, so die Feststellung der Zeitung. Die Debatte sei geprägt von Häme und Hass. Auch ein ehemaliger Bundespräsident habe ein Recht auf Würde, wie auch ein Recht auf eine rechtsstaatliche Untersuchung seiner Fehlbarkeit. Im christlichsten Sinne, führt die Zeitung weiter aus: "Es ist genug."

Die in Wulffs Heimatstadt erscheinende Neue Osnabrücker Zeitung geht am Donnerstag auf den Schwenk der öffentlichen Meinung in Bezug auf Christian Wulff ein: als Ministerpräsident sei Wulff  in Umfragen zeitweise einer der beliebtesten Politiker Deutschlands gewesen, inzwischen sei er zur unerwünschten Person degradiert worden mit der sich kaum jemand öffentlich blicken lassen wolle. Eine Entwicklung vom "Hosianna" zum "Kreuzige ihn", umschreibt die Zeitung den Status Quo und nennt Stichworte wie Neid, Spott, Hass und Häme. Klüger wäre es gewesen, wenn Wulff auf den Zapfenstreich zumindest so lange verzichtet hätte, wie Staatsanwälte gegen ihn ermittelten, so die Zeitung, um sogleich wieder zu relativieren: Wenn jetzt sogenannte frühere Freunde und Weggefährten dem Zapfenstreich fernblieben, handelten sie unanständig. Gerade jene, die Wulff hofiert hätten, solange er noch ein begehrter Gesprächspartner war. Nun werde Wulff gemieden, als sei er ein Serienmörder. Dort schließt der Kommentar mit den Worten:  "Bei allen Fehlern, das hat er nicht verdient."

(FN)


 


 

Großer
Zapfenstreich
Zeitung
Würde
Christian Wulff
Politiker
Bundespräsident
Donnerstag
Osnabrück
Fehler
Schloss Bellevue

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Großer" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

2 Kommentare

von charly2
08.03.12 18:53 Uhr
Wer soll Wulff bezahlen?

Die BRD GmbH hat nur ca. 26.000€ Stammkapital. Schulden ohne Ende, wo soll das Geld herkommen? Steuern? Wieso erhält diese GmbH für Ihre Interessenfinanzierung Steuergelder?

von Elster
09.03.12 09:49 Uhr
[...]

Der WULFF kommt sich noch vor wie ein unschuldiges Lamm !!!
Er wählt sich statt der drei Titel beim Zapfenstreich noch einen vierten hinzu. Will er damit der Bevölkerung zumuten ( 90 % gegen WULFF), dass sie sein scheinheiliges Gesicht noch länger ertragen soll? Man sollte für den Lügner und Schnorrer statt des Zapfenstreiches lieber ein Überfallkommando bereitstellen, um ihn für immer in die Wüste zu jagen, zusammen mit seinen 199,-T€.

[Titel editiert, die Red]

 

Entdecken Sie business-on.de: