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"Das Röhren unserer Motoren"

Clint Eastwood löst mit patriotischem Werbspot für Chrysler Streit in den USA aus

Im Film "Gran Torino" von 2008 stirbt Clint Eastwood als todesmutiger Kriegsveteran und Ex-Autoarbeiter im Kugelhagel einer Jugendgang in Detroit. Jetzt ist der 81 Jahre alte Hollywoodstar zurück in der US-Autometropole.


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 Claus-Peter Tiemann

"Es ist Halbzeit in Amerika" heißt ein Werbespot des US-Autokonzerns Chrysler mit Eastwood in der Hauptrolle. Und Eastwood wirbelt mit dem zwei Minuten langen Film mächtig viel Staub auf - heimliche Wahlhilfe für Präsident Barack Obama und den Verrat früherer Standpunkte werfen Republikaner Eastwood vor. Ziemlich einig sind sich aber Kritiker und Befürworter: Der Spot berührt viele Amerikaner in einer Zeit der Krise zutiefst.

Zum ersten Mal gezeigt wurde die Werbung am Sonntag zur Halbzeit des US-Footballendspiels Super Bowl vor mehr als 100 Millionen TV-Zuschauern: Eastwood kommt aus einem Tunnel im Stadion und sagt mit heiserer Stimme "Es ist Halbzeit in Amerika". Er meint aber nicht nur die Sport-Halbzeit. Der "Dirty Harry"-Darsteller spricht zu Bildern von einfachen Bürgern über die Arbeitslosigkeit in den USA, über Familien in Sorge. "Die Leute aus Detroit kennen sich damit aus. Sie hätten fast alles verloren. Aber wir haben alle an einem Seil gezogen. Jetzt kämpft die Motor City wieder", sagt er.

Autostadt am Abgrund

Motor City, so wird in den USA Detroit genannt, die Heimat der drei Giganten General Motors, Ford und Chrysler. Detroit hatte nach dem Niedergang der US-Autoindustrie einen üblen Ruf: hohe Arbeitslosigkeit, viel Kriminalität, aufgegebene Innenstadt.

In der Autokrise 2009 standen die US-Autokonzerne endgültig am Abgrund. Sie waren zu groß, hatten keine zeitgemäßen Modelle und ihnen fehlte Geld. GM und Chrysler überlebten nur durch staatliche Milliardenhilfen und Insolvenzverfahren. Nach überstandener Insolvenz sind die Konzerne aber stark wie seit Jahren nicht und verdienen wieder Geld.

Der Spot geht weiter: Eastwood macht seinen Landleuten zu Bildern von Familen, Feuerwehrleuten und Fabriken Mut für die Zukunft: "Das ist es was wir machen: Wir finden einen Weg durch harte Zeiten und wenn wir das nicht können, dann schaffen wir uns einen." Jetzt komme es auf die Zukunft an, "Wie können wir gewinnen?", fragt der alte Haudegen.

Detroit, sagt er, Detroit habe gezeigt, wie man zurückkomme, und das sei wahr "für uns alle". In den letzten Sekunden ist Eastwoods faltiges Gesicht groß auf dem Bildschirm: "Dieses Land kann nichts umhauen. Wir stehen wieder auf und wenn wird das tun, wird die Welt das Röhren unserer Motoren hören."

Sofort nach der Ausstrahlung hagelte es Kritik für Eastwood und den Spot: Der Republikaner-Stratege Karl Rove verdammte den Film als Unterstützung der staatlichen Auto-Rettungsaktion des demokratischen Präsidenten Obama. Bei GM hält der Staat immer noch Anteile.

Das Intellektuellenmagazin "New Yorker" nannte den Film dagegen bereits "den erwachsensten Spot der Saison". Auch andere Firmen wie Volkswagen oder M&M nutzen den Super Bowl, aber der Chrysler-Film sticht heraus. VWs Werbung etwa über einen verfetteten Hund wirkt niedlich, aber kindisch neben Eastwood.

6 Millionen Klicks auf Youtube

Auf Youtube wurde der Film bisher fast 6 Millionen Mal aufgerufen. Die Kommentare überschlagen sich: "Macht mich stolz", schreibt "Andy The Minstrel". Andere berichten über eigene Rückschläge wie den Verlust der Wohnung und wie die Eastwood-Werbung sie wieder aufgerichtet habe. Andere ärgern sich wie "Meaweemonster": "Röhren unserer Motoren aus Mexiko. Lügen, Lügen und Lügen." Die US-Autoindustrie hatte Werke ins billigere Mexiko verlegt.

Der Spot endet mit dem Anfang: "Ja, es ist Halbzeit in Amerika. Und die zweite Halbzeit fängt jetzt erst an", sagt Eastwood und geht ab ins Stadion. Viele Republikaner werten die Aussage als Obama-Unterstützung. Obama strebt bei der Wahl im November eine zweite Amtszeit an.

Eastwood, selbst Republikaner seit Jahren, weist die Sichtweise zurück: "Er sei "politisch sicher nicht verbunden" mit Obama, sagte er dem Sender Fox. Die Botschaft des Films gehe um "Jobwachstum und den amerikanischen Geist". Autos von Chrysler tauchen in dem Film nur wenige Sekunden auf. Das Honorar spendete der Schauspieler und Regisseur nach Angaben seines Managers für soziale Zwecke.

Zuschauer in Deutschland müssen auf Filme wie die mit Eastwood verzichten: "Pathos wird vom deutschen Konsumenten nicht geschätzt", sagt Filmexperte Dominik Thesing von der Werbeagentur Scholz & Friends. Außerdem gebe es kein deutsches Fernsehevent, das ähnlich nationale Dimensionen hat wie der Super Bowl, wo 30 Sekunden Werbezeit mehr als 3 Millionen Dollar kosten.

(dapd )


 


 

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1 Kommentar

von P5-2010
21.03.12 14:35 Uhr
Sehr interessante Themen!

die Seite zeichnet sich, mit immer wieder interessanten Berichten, aus. Gut zu lesen. Weiter so !!!

 

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