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Wilhelmshaven

Conoco Phillips will Raffinerie in Tanklager umwandeln - 400 Mitarbeiter sollen gehen

Immer deutlicher wurde in der vergangenen Zeit, dass es hinter den Kulissen der Wilhelmshavener Raffineriegesellschaft (WRG) rumort. Seit einem Jahr ruht dort bereits der Raffineriebetrieb. Nach dem Kauf im Jahr 2005, versprach die texanische Conoco Phillips-Gruppe noch Milliardeninvestitionen am Standort. Am Montag bei einer Betriebsversammlung dann die Ernüchterung. die Mitarbeiter wurden über die Schließung informiert.

Nachdem die Anlage ab Herbst 2009 und über den harten Winter 2009/2010 den Raffineriebetrieb eingestellt hatte, wurden bei ihrem Wiederanfahren Anfang Mai 2010 bei einem Brand wichtige Anlagen zerstört. Die Feuerwehr brachte den Brand damals unter Kontrolle, der Raffineriebetrieb konnte seitdem aber nicht mehr aufgenommen werden. Im Juli folgte schließlich nach 5 Jahren des Wartens die Ankündigung des US-Konzerns Conoco Phillips, dass man Überlegungen für eine Milliardeninvestition an der Jade verworfen habe. Die Anlage vor Ort wolle man entweder verkaufen oder als Tanklager fortführen. Der Inhalt der Tanks käme dann nicht mehr aus Wilhelmshaven, sondern von anderen Raffinerien. Infolge der Stilllegung im Jahr 2009 ist die angelieferten Rohölmenge in Wilhelmshaven bereits um bis zu 12 Prozent gesunken. Während des laufenden Betriebs werden am Standort sonst 16 Millionen Tonnen Rohöl im Jahr verarbeitet.

Nur ein Bruchteil der Mitarbeiter soll bleiben

Bereits Anfang August hatte der CDU-Politiker Jan Felbier aus Wilhelmshaven darauf aufmerksam gemacht, dass im Falle der Umwandlung der Raffinerie in ein reines Tanklager, der Weiterbetrieb mit maximal 60 Mitarbeitern zu bewerkstelligen sei. Die Betriebsversammlung vom Montag machte nun deutlich, dass eben jenes Zukunftsszenario den Wilhelmshavenern droht. Von den 430 bisherigen Mitarbeitern sollen allerdings nur 30 weiterbeschäftigt werden, wie am Montag bekannt wurde. Bis Ende des Jahres 2010 soll gemeinsam mit den Mitarbeitern ein Sozialplan erarbeitet werden, im Dezember werden die meisten Mitarbeiter ihre Kündigung im Briefkasten haben.

Mitarbeiter: Hoffen auf die Investoren-Lösung

Entsprechend reserviert ist man bei den Mitarbeitern und der Wilhelmshavener Politik gegenüber den Ankündigungen der Texaner. Lieber sähe man einen finanzsstarken Investor, der die Modernisierung und den Weiterbetrieb der Raffinerie sichert. Schließlich handelte es sich bis zum Brand im Mai um eine der beiden größten Anlagen ihrer Art im Bundesgebiet. Die Landesregierung hatte noch im August ihre Unterstützung zugesagt - sie hatte sich bereits bei mehreren Brandherden im Land, darunter der insolvente Autobauer Karmann in Osnabrück und die Emder Nordseewerke, erfolgreich für Lösungen stark gemacht.

Seit geraumer Zeit schwebt daher auch eine Investoren-Lösung im Raum, die sich allerdings bislang noch nicht konkretisiert hat. Als potenzielle Partner werden Russen oder Araber genannt. In Wilhelmshaven gibt man sich trotz des drohenden Arbeitsplatzverlustes hunderter Menschen daher kämpferisch und drängt auf den Verkauf der Raffinerie. Am Dienstagabend wird in Jever (Landkreis Friesland) eine außerordentliche Mitarbeiterversammlung stattfinden. Gemeinsam will man sich dort für die Zukunft des Standortes stark machen. Bislang hat Conoco Phillips noch keine öffentliche Stellungnahme zum Sachverhalt abgegeben.

Großprojekte: Was bleibt, ist der Jade-Weser-Port

Für Wilhelmshaven geht die Ankündigung von Conoco Phillips mit einer Reihe von Rückschlägen für die Stadt einher, obwohl man dort bis vor kurzem noch auf die Milliardeninvestitionen der Texaner und auch des INEOS-Konzerns gehofft hatte. Letzterer wollte in der Hafenstadt ein Flüssiggasterminal bauen. Beide Großvorhaben zerschlugen sich letztlich ebenso, wie im April 2010 ein angekündigtes hochmodernes Eon-Kohlekraftwerk. Wie inzwischen bekannt wurde, will auch die Marine im Rahmen der geplanten Bundeswehrreform Mitarbeiter in Wilhelmshaven reduzieren.

Wilhelmshavens Oberbürgermeister Eberhard Menzel (SPD) erklärte bereits im September, dass sich die Stadtverwaltung "nichts vorzuwerfen" habe. Zugleich bestätigte er auch, dass es ausreichend Unterstützung vom Land Niedersachsen gegeben habe. Zweistellige Millionenbeträge seien über die Jahre in die Planungen für die - letztlich abgesagten - Großinvestitionen geflossen. Mit der Folge, dass die Stadt durch die Schließung der Raffinerie nun um ihre Gewerbesteuereinnahmen fürchten muss. Auch um Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen, den Jade-Weser-Port, hatte es zuletzt ein heftiges Ringen gegeben. Dieses verlief jedoch erfolgreich für die Jade-Stadt: Im August 2012 soll das Großprojekt in Betrieb gehen.

(Onur Yamac)


 


 

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