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Schieflage durch Continental-Übernahme

"Listige Witwe" Schaeffler wird 70 Jahre alt

Es war ein spektakulärer Coup, der für das traditionsreiche Familienunternehmen Schaeffler beinahe in der Katastrophe endete. 2008 machte der ungleich kleinere Autozulieferer aus dem fränkischen Herzogenaurach ein feindliches Übernahmeangebot für den Reifenhersteller Continental. Dann kam die Finanzkrise, und beide Unternehmen gerieten in deren Sog. Die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler wurde zur Krisenmanagerin, die stets gut gekleidet war, aber nicht immer die beste Figur machte. Am Mittwoch wird sie 70 Jahre alt.


Von Matthias Jekosch

Als die Not nach dem Übernahmeangebot immer größer wurde, musste sie in Berlin um finanzielle Hilfen bitten. Letztendlich wurde vom Bund kein Geld in Anspruch genommen. Ein Bild aber blieb hängen: Die reiche Unternehmerwitwe Schaeffler, die sich in Kitzbühel im Pelzmantel fotografieren ließ und gleichzeitig beim Steuerzahler bettelte. Das führte zu einem Aufschrei in der Öffentlichkeit, schließlich wurde die Familie lange Zeit auf der Liste der reichsten Deutschen geführt.

Dabei hatte Maria-Elisabeth Schaeffler die Geschäfte der Firma geschickt geführt. Nach dem Tod ihres Mannes Georg wurde sie 1996 zusammen mit ihrem Sohn Alleingesellschafterin des weltweit agierenden Spezialisten für Wälzlager. Das operative Geschäft übernahm sie. Sie lenkte Schaeffler über den Firmenbeirat, Vorsitzender der Geschäftsführung wurde Jürgen Geißinger.
Schaeffler erarbeitete sich Ruf als "listige Witwe"

Die 1941 in Prag geborene Schaeffler hatte bis dato nur ein abgebrochenes Medizinstudium vorzuweisen. Plötzlich war sie Unternehmerin. Unter ihrer Führung stiegen die Umsätze. Die Firma verleibte sich kleinere Betriebe ein, und Maria-Elisabeth Schaeffler selbst erarbeitete sich einen Ruf als "listige Witwe".

Für die finanzielle Not nach der Continental-Übernahme machte sie hauptsächlich die Finanz- und Wirtschaftskrise verantwortlich. Das sahen auch die Mitarbeiter so. Sie stellten sich auf Kundgebungen demonstrativ hinter die Unternehmenschefin, was diese öffentlich zu Tränen rührte. Mit einem auffälligen roten Schal bekleidet suchte sie den Schulterschluss mit der IG Metall und räumte den Mitarbeitern Mitbestimmungsrechte ein.

Inzwischen ist das Unternehmen wieder sehr erfolgreich. Es fuhr 2010 einen Nettogewinn von 63 Millionen Euro ein, nach einem Verlust von 1,2 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Die Nettoverschuldung der Schaeffler GmbH reduzierte sich 2010 um 6,1 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Nach dem Verkauf von 15 Prozent der Continental-Aktien halten die Franken immer noch 60 Prozent an dem Reifenhersteller.

Und Maria-Elisabeth Schaeffler feiert als stellvertretende Vorsitzende des 2010 gegründeten Aufsichtsrats ihren Geburtstag. Ihr Vermögen schmolz aber dahin. Das "manager-magazin" veröffentlichte im Oktober 2009 eine Liste der reichsten Deutschen, danach verlor Maria-Elisabeth Schaeffler 92,4 Prozent ihres Vermögens und fiel im Ranking vom 15. auf Platz 260 zurück.

(dapd )


 


 

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