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Mega-Ereignis Varusschlacht

Das Ende jeder Vernunft

Krieg ist eine blutige Sache, daran hat sich auch 2.000 Jahre nach der Varusschlacht im Teutoburger Wald nichts geändert. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus beschreibt die Szenerie auf dem Schlachtfeld im Jahr 9 nach Christus so: "Mitten auf dem Felde lagen bleichende Knochen, zerstreut oder in Haufen, je nachdem ob sie von Flüchtigen oder von einer noch Widerstand leistenden Truppe stammen. Daneben lagen zerbrochene Waffen und Pferdegerippe, an Baumstämmen waren Schädel befestigt."

Dieses blutige Gesicht des Krieges wird uns im Varusjahr in vielfältiger Form wiederbegegnen. In Kunstwerken, durch archäologische Ausgrabungsstücke, Theateraufführungen, Vorträge und in vielen anderen Veranstaltungen wird das historische Ereignis so ausführlich aufgearbeitet wie nie zuvor. Die Ausstellungsmacher werden zeigen, dass es absolut keinen Grund gibt, die historische Niederlage Roms im fernen Germanien ideologisch zu überhöhen, auch wenn sie als Ausgangspunkt zur Entwicklung einer deutschen nationalen und kulturellen Identität angesehen wird.

Rechtsradikale Szene will Varusjahr für ihre Zwecke ausschlachten

Ideenreich machen die Organisatoren an den drei Veranstaltungsorten Detmold, Haltern am See und Kalkriese auf das völkerverbindende Element des historischen Geschehens aufmerksam. Jugendliche aus vielen Ländern Europas werden zu archäologischen Lehrgängen an Originalschauplätzen eingeladen, internationale Theaterworkshops finden statt. Menschen unterschiedlicher Nationalitäten werden sich symbolträchtig im Schatten des Hermannsdenkmals in Detmold das Jawort geben. Eine wunderbare Antwort auf Bestrebungen der rechtsradikalen Szene, das Varusjahr für ihre Zwecke auszuschlachten. Krieg fängt im Kopf an.

Hobbyhistoriker: Strafanzeige gegen Ausstellungsmacher in Kalkriese

Das gilt auch für die geistige Auseinandersetzung um die Frage, ob die Varusschlacht tatsächlich bei Detmold stattgefunden hat oder doch auf dem erst seit gut 20 Jahren archäologisch untersuchten Gelände bei Kalkriese. Mit harten Bandagen und übersteigertem Lokalpatriotismus kämpfen vor allem Hobbyhistoriker darum, den Mythos Varusschlacht für ihr Sprengel zu retten, und schrecken dabei auch vor Strafanzeigen gegen die Ausstellungsmacher in Kalkriese nicht zurück. Von diesen Attacken unbeeindruckt, arbeiten seriöse Historiker ortsübergreifend zusammen an der akribischen Auswertung aller Spuren, die das mehrtägige Gemetzel hinterlassen hat. Der Osnabrücker Archäologe Achim Rost schreibt im neuen Ausstellungsband von Kalkriese: "Die Frage der Identifizierung des Fundortes Kalkriese mit der Varusschlacht steht dabei jedoch keineswegs im Vordergrund." Die Antwort auf diese Frage sei zwar verständlich, jedoch zugleich "oberflächlich und vordergründig". Ein Alleinvertretungsanspruch Kalkrieses als Ort der Varusschlacht sieht, unabhängig von einer offensiven Vermarktung des Schauplatzes, anders aus. Dies sollten auch die Scharfmacher unter den Hobbyarchäologen zur Kenntnis nehmen. Krieg ist vor allem eins: das Ende jeder Vernunft

Autor: Matthias Bungeroth

(ots / Neue Westfälische)


 


 

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