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NDR-Bericht

Vermeintliches DDR-Grenzopfer lebt

René Seiptius ist angeblich seit 31 Jahren tot. So steht es auf der bis heute maßgeblichen Liste zu den Todesopfern an der innerdeutschen Grenze. Demnach ist er im Alter von 17 Jahren bei einem Fluchtversuch aus der DDR in die Bundesrepublik im Harz mit seinem gleichaltrigen Freund André Bauer ums Leben gekommen - durch eine an der Grenze montierte Selbstschussanlage der DDR. Aber nach Informationen des NDR (Online-Ausgabe) lebt Seiptius

René Seiptius ist heute 48 Jahre alt und wohnt in Ingelheim in der Nähe von Mainz. Er hat NDR.de seinen gescheiterten Fluchtversuch geschildert und wird offensichtlich irrtümlich auf der Liste geführt.

Immer noch ist unklar, wie viele Menschen bis 1989 an der "grünen Grenze" zwischen der Bundesrepublik und der DDR ums Leben gekommen sind. Eine Liste mit Todesopfern führt die "Arbeitsgemeinschaft 13. August" am Mauermuseum in Berlin. Auf dieser Liste steht bis heute der Name René Seiptius. Die Nachricht, dass Seiptius nicht umgekommen ist, kam für die Direktorin des Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, überraschend. "Wir freuen uns, dass Herr Seiptius lebt", sagte sie im Gespräch mit dem NDR Weshalb sein Name irrtümlich in der Todesopfer-Liste geführt werde, will Hildebrandt nicht erklären. "Wir haben unsere Quellen, aber die geben wir nicht preis."

Die Opfer-Liste will Hildebrandt erst nach eingehender Prüfung korrigieren. "Das kann aber noch einige Zeit dauern." Am kommenden Montag veröffentlicht das Mauermuseum die aktuelle Version ihrer Opfer-Liste - wie jedes Jahr am 13. August, dem Jahrestag des Mauerbaus. Fachleute kritisieren die Liste bereits seit längerem. "Viele Fälle wurden nur vom Hörensagen aufgenommen, beispielsweise wenn Bewohner nahe der Grenze oder Verwandte von Fluchtversuchen berichteten", sagt Jochen Staadt vom Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin. Der Experte für DDR-Geschichte geht davon aus, dass noch weitere Namen auf der Todesopfer-Liste stehen, die dort nicht hingehören.

Fall kam nur zufällig ans Licht

Ein groß angelegtes Projekt von Bund und Ländern soll nun Klarheit bringen. Ziel ist, die Zahl der Opfer des DDR-Regimes an der innerdeutschen Grenze genau zu bestimmen. Staadt ist einer der beiden Projektleiter. "Es geht nicht nur darum, eine möglichst korrekte Liste aufzustellen, vielmehr geht es auch darum, die Schicksale der Menschen zu beleuchten."

Der Fall von René Seiptius ist zufällig ans Licht gekommen: Seine ehemalige Frau hatte im NDR-Internetangebot einen Artikel von über die Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze gelesen. Dort ist auch die Liste der "Arbeitsgemeinschaft 13. August" erwähnt, auf der der Name René Seiptius zu finden ist. Daraufhin wandte sich Patricia Seiptius an den NDR mit der Bitte, die Angabe zu korrigieren. Ihr Ex-Mann habe den Fluchtversuch schwer verletzt überlebt.

(Redaktion)


 


 

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