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Bürgerrechte-Demo

Berliner Prügel-Polizisten produzieren eigenes "Wahlkampfvideo"

Berliner Polizeibeamte haben keinen guten Ruf. Diesen zweifelhaften Ruhm pflegten sie nun ausgerechnet bei einer Demonstration unter dem Motto "Freiheit statt Angst". Dabei hatte Berlins Innensenator Erhart Körting (SPD) in der Vergangenheit immer wieder Reformen bei der maroden Großbehörde angestoßen. Auch der NRW-Import des Polizeipräsidenten Dieter Glietsch sollte einen anderen Geist in die Truppe bringen. Anfang 2009 verbot dieser beispielsweise den Hauptstadt-Fahndern, in Szene-Kleidung der rechten Szene Dienst zu versehen. Unmittelbar vor der Bundestagswahl macht ein ungeplantes "Wahlkampfvideo" solche Bemühungen mal wieder zunichte.


Das Abspielsymbol anklicken, um das Video zu starten:

Das Vorgehen von Polizeibeamten am Rande einer Demonstration in Berlin schlägt derzeit hohe Wellen. In einem auf der Videoplattform Youtube eingestellten Videoausschnitt sind augescheinlich unweit des Potsdamer Platzes Beamte der Berliner Polizei zu sehen, die nach einer Diskussion ohne erkennbaren Grund auf einen Mann mit einem blauen Hemd und weitere Passanten einprügeln.

Hintergrund der Demonstration unter dem Motto "Freiheit statt Angst" war ein Aufruf verschiedener Parteien, Bündnisse und Initiativen gegen die Überwachungspläne der Bundesregierung. Im Kölner Stadt-Anzeiger missbilligte der Berliner Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele (B90/Die Grünen) zwischenzeitlich das Vorgehen der Polizeibeamten. Er sagte: "Die Demo war absolut friedlich, wie es friedlicher nicht hätte sein können." Er habe über mehrere Stunden den Demonstrationszug begleitet, "ohne dass es irgendeine Aggression gegebene hätte". Auch von der Prügelszene hatte er nichts mitbekommen.

Polizist rief "Jetzt reicht´s!"

Nach unbestätigten Angaben soll der Mann versucht haben, Anzeige gegen einen Polizisten zu stellen. In dem Video holt der Mann Stift und Papier aus seinem Rucksack und legt das Blatt auf den Sattel seines mitgeführten Fahrrads. Daraufhin wird er mehrfach von einem Beamten mit entsprechenden Handbewegungen in eine bestimmte Richtung geschickt. Nach den hörbaren Worten "Sie verlassen jetzt die Straße - rechts, links!"  geht er schließlich  mit seinem Fahrrad weg. Allerdings in die entgegengesetzte Richtung der Handbewegung des Polizisten. 

Der Beamte verfolgt ihn nicht, jedoch kommt im Folgenden ein weiterer Polizist ins Bild. Es fallen die Worte "Jetzt reicht´s!" Der Polizist versucht zunächst vergeblich nach dem Fahrrad des Mannes zu greifen und reißt dann an dessen Hemd. Kurz darauf prügelt ein Polizist mehrfach auf das Gesicht des Mannes und das eines hinzukommenden Passanten ein. Andere Personen werden wiederum von den Beamten weggedrängt . Hinzukommende Beamte versuchen routinemäßig die Szenerie abzuschirmen, schlagen aber ihrerseits nicht zu. 

Mehrfach Schläge ins Gesicht

Der zuvor schlagende Beamte mit der Rückennnummer 2212 lässt daraufhin zu Gunsten seiner Kollegen ab und macht in Richtung der Kamera eine Schlagbewegung in die Luft. Im Hintergrund ist derweil zu sehen, wie ein weiterer Beamter auf das Gesicht des Mannes einschlägt.

Wieder versucht der zuerst schlagende Beamte ohne ersichtlichen Grund in die Nähe des mittlerweile am Boden liegenden Mannes vorzudringen. Aufgrund der immer größer werdenden Menschenansammlung ziehen sich die Polizisten mit dem Mann in einen Polizeibus zurück, Ihnen folgen zu diesem Zeitpunkt dunkel gekleidete Personen mit Kapuzenpullovern. Der Polizeibus fährt davon.

+++Ergänzung+++

Die Berliner Polizei hat aufgrund des Internet-Videos inzwischen ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt gegen die an der Festnahme beteiligten Beamten eingeleitet. Wie ein Polizeisprecher am Sonntag betonte, werden die diesbezüglichen Ermittlungen beim Berliner Landeskriminalamt derzeit "mit Vorrang" geführt.

Aktualisiert: 14.9.2009

(Redaktion)


 


 

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