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Stiftung-Warentest-Bericht

Deutsche Bahn verteidigt Pünktlichkeitsquote

Die Deutsche Bahn hält trotz eines aktuellen Berichts der Stiftung Warentest an ihrer Pünktlichkeitsquote von mehr als 90 Prozent im Personenverkehr fest. Einem Testbericht zufolge war jeder dritte Fernzug zwischen Anfang Juli 2010 und Ende Februar 2011 verspätet am Bahnhof eingetroffen. "Die Stiftung Warentest hat Durchschnittswerte für Pünktlichkeit ermittelt", sagte ein Sprecher der Bahn am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Dabei seien die Streiktage und der harte Winter 2010 völlig außer Acht gelassen worden.

Von Anna Mertens

Die Studie verkenne, dass an den meisten Tagen die Pünktlichkeit wesentlich besser gewesen sei. Stiftung Warentest hatte die Verspätung über die Zugauskunft auf der Webseite der Deutschen Bahn ermittelt. Solche Einzelbetrachtungen erweckten aber einen falschen Eindruck, sagte der Unternehmenssprecher. Die Pünktlichkeit unterläge großen saisonalen und regionalen Schwankungen. "Wir betrachten daher die Jahreswerte. Diese liegen in den vergangenen Jahren konstant bei über 90 Prozent im Personenverkehr." Eine kurzfristigere Betrachtung sei nicht aussagekräftig.

Verspätungen könnten noch schlimmer sein

Indes hält Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, den Bericht der Stiftung Warentest für repräsentativ. "Gefühlt ist das Ergebnis richtig", sagte Naumann. Es gebe ständig Fehler bei der Elektronik, Züge seien veraltet und die Infrastruktur mangelhaft. Alle Probleme zusammen würden die hohe Verspätungsquote ausmachen. "Wenn es an der einen Ecke hakt, dann potenziert sich das am Ende", sagte Naumann.

Wahrscheinlich müsse man die Zahlen sogar weiter nach oben korrigieren. "Die Verspätungen auf der Internetseite der Bahn werden oft geringer ausgewiesen, als sie in Wirklichkeit sind", kritisierte Naumann.

Dominoeffekt auf dem Schienennetz

Naumann räumte jedoch ein, dass nicht nur die Bahn Schuld trage an diesen Verspätungen. Auch die Politik habe ihren Anteil dazu beigetragen. "Die Politik hat nicht dafür gesorgt, dass deutschlandweit das Streckennetz ausreichend ausgebaut wird." Zusätzlich seien unter dem ehemaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn zahlreiche Überholgleise abgebaut worden. "Wenn ein Güterzug nicht mehr ausweichen kann, damit ein schnellerer Zug überholen darf, dann sind Verspätungen unausweichlich", sagte Naumann.

Auch die Bahn betonte, dass das deutsche Bahnnetz allein durch seine Komplexität störanfällig sei. "Störungen auf einzelnen Strecken können sich in dem engmaschigen, vertakteten System der Bahn unmittelbar und wie ein Dominoeffekt auf das gesamte Netz übertragen", sagte der Sprecher der Bahn. In Zukunft wolle die Bahn jedoch weiter an der Verbesserung des Netzes arbeiten und ihre Fahrgäste schneller über Störungen unterrichten.

(dapd )


 


 

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