Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Finanzen
Weitere Artikel
Tandem mit Steuermann

Experten erwarten keinen Machtkampf bei der Deutschen Bank

Die künftige Doppelspitze der Deutschen Bank demonstrierte Harmonie. Anshu Jain zeigte sich "zutiefst geehrt, diese großartige Institution zusammen mit Jürgen führen zu dürfen". Und Jürgen Fitschen konnte sich "keinen besseren Partner als Anshu vorstellen, um den Erfolgskurs der Bank sowohl im Heimatmarkt wie weltweit fortzusetzen". Aber die meisten Experten sehen das Duo bloß als Übergangslösung.

Von Roland Losch

Für Bankwirtschafts-Professor Wolfgang Gehrke geht es sogar "in Richtung Trio", denn der scheidende Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann werde als Aufsichtsratschef eine starke Position haben: Als Instanz über der Doppelspitze könne er der Bank weiter seinen Stempel aufdrücken. "Ich halte nichts von einer Doppelspitze. Das ist eine Verlegenheitslösung", sagte Gehrke am Dienstag in München.

Einen Machtkampf an der Spitze der führenden deutschen Bank erwartet Gehrke aber ebenso wenig wie sein Kollege Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Zunächst einmal seien Jain und Fitschen aufeinander angewiesen.

"Die müssen sich zusammenraufen"

Jain führt die Investmentsparte der Bank, die seit Jahren den Löwenanteil des Gewinns einbringt. Der selbstbewusste Mann "war gesetzt für die Nachfolge", sagt Burghof. Aber der 48-jährige Inder lebt in London, spricht kein Deutsch und hat keinen Draht zur deutschen Wirtschaft, zu den Mitarbeitern, zur Finanzaufsicht und zur Politik in Deutschland.

Deshalb kam der 63-jährige Deutschlandchef Fitschen ins Spiel. "Beide ergänzen sich", sagte Burghof. "Die müssen sich jetzt zusammenraufen. Ich erwarte eher den Zwang zur Geschlossenheit als einen Grabenkampf", sagte Gehrke.

Eine solche Doppelspitze berge Risiken: "Das kann gründlich schiefgehen. Aber man muss mit dem Personal arbeiten, das man hat. Man kann sich keinen Vorstandschef malen", sagte der Hohenheimer Bankprofessor Burghof. Und wenn das Investmentbanking und das Mittelstands- und Privatkundengeschäft beide gleichberechtigt in der Vorstandsspitze vertreten sind, "kann das sogar eine Stärke sein".

Jain als Globalisierungs-Test für Deutschland

Während Jain einen Vertrag bis 2017 bekam, läuft Fitschens Vertrag schon 2015 aus. Für den Paderborner Finanzprofessor Andreas Löffler ist das Tandem "eindeutig eine Notlösung. Man konnte sich eine weitere Kandidatensuche nicht mehr leisten."

Investoren und Aktionärsschützer hatten Aufsichtsratschef Clemens Börsig schon nach der gescheiterten Berufung des früheren Bundesbank-Präsidenten Axel Weber zum Nachfolger Ackermanns in die Zange genommen. "Die Bank wäre ins Gerede gekommen, der Zeitdruck war zu groß", sagte Löffler. Viele Analysten begrüßten am Dienstag, dass die Bank das Personalproblem jetzt gelöst habe.

Löffler sieht aber jetzt vor allem die deutsche Öffentlichkeit vor dem Globalisierungs-Test. Ackermann denke international, aber er sei auch - vom Victory-Zeichen beim Mannesmann-Prozess einmal abgesehen - ein großer Kommunikator im Inland.

"Ich weiß nicht, ob Jain das kann", sagte Löffler. Ein Investmentbanker müsse knallhart und schnell handeln. Ein Investmentbanker wie Jain, der auch noch offen sagt, dass er keine Lust hat, Deutsch zu lernen, allein an der Spitze der Deutschen Bank, "das ist der deutschen Öffentlichkeit nicht vermittelbar", sagte Löffler. Für Jain wäre es schwierig, seine Entscheidungen zu verkaufen.

Für den Professor stellt sich die Frage, wie weit die an den internationalen Märkten erfolgreiche Deutsche Bank künftig noch den Spielregeln der deutschen Politik gehorchen will - zum Beispiel hochriskante Staatsanleihen halten oder Regionalprojekte fördern, auch wo sich das nicht lohnt. Wenn eine Stimmung gegen Jain entstünde und wichtige Investmentbanker die Bank verließen, dann würde das der gesamten deutschen Wirtschaft schaden, warnte Löffler. Aber vielleicht funktioniere die Aufgabenteilung der Doppelspitze perfekt, und Jain wachse in seine neue Aufgabe hinein.

Wenig Baustellen

Für Gehrke haben die beiden neuen Vorstandschefs vor allem die Aufgabe, "die sehr erfolgreiche Arbeit Ackermanns fortzusetzen. Die Bank ist sehr gut durch die Krise geführt worden, sie ist hervorragend aufgestellt." Das zeige auch das am Dienstag vorgelegte Halbjahresergebnis, zumal im Vergleich zur Konkurrenz . Wichtig sei es, das Privatkundengeschäft weiter zu steigern, um die Abhängigkeit vom Erfolg des schwankungsanfälligen Investmentbankings zu verringern, und die Postbank zu integrieren.

Burghof sah die Hausaufgaben ähnlich. "Nicht von den Erfolgen im Investbanking berauschen lassen", sagte er. "Das Vertrauen mittelständischer Kunden zurückgewinnen und glaubhaft Hausbank für große deutsche Unternehmen sein wollen."

(dapd )


 


 

Bank
Jain
Investmentbanker
Doppelspitze
Löffler
Deutsche Bank
Vorstandschef
Dienstag
Erfolg
Gehrke
Burghof

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Bank" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: