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"Deutsche Bank hat Chance verschlafen"

UBS holt Ex-Bundesbankchef Axel Weber

Ein Schweizer steht bisher an der Spitze der größten deutschen Bank. Nun soll ein Deutscher die Führung bei der größten Bank im Nachbarland Schweiz übernehmen. Pikant dabei: Ex-Bundesbankchef Axel Weber galt bisher in Finanzkreisen als ein möglicher Nachfolger von Josef Ackermann bei der Deutschen Bank. Nun soll er im kommenden Jahr zunächst in den Verwaltungsrat der UBS einrücken und im Jahr 2013 den dann 72-jährigen Zigarrenfabrikanten und Politiker Kaspar Villiger an dessen Spitze ablösen.

Von Joachim Sondermann

Hoch angesehener Wissenschaftler und ausgewiesener Fachmann: Für die in der Wirtschaftskrise mit zweistelligen Milliardenverlusten gebeutelte, inzwischen aber stabilisierte UBS dürfte der 54-jährige Weber ein guter Fang sein. Für die Deutsche Bank aber bedeutet das nach Einschätzung des Bankenexperten Wolfgang Gerke einen herben Verlust . "Die Deutsche Bank hat die Chance, ihn zu gewinnen, verschlafen", sagte Gerke am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. "Das ist ein Armutszeugnis."

"Weber wäre die Idealbesetzung gewesen", sagte Gerke und verwies auf dessen hervorragende Vernetzung in Politik und Wirtschaft in Deutschland und weltweit. "Man hat jetzt wieder gesehen, wie wichtig die Kontakte Ackermanns zu Kanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sind", sagte der Bankenprofessor. Sie hätten schließlich dazu beigetragen, dass die Griechenlandlösung für die Banken höchst günstig ausgefallen sei. Eigentlich sei deren Beteiligung "nur ein Feigenblatt". So etwas zu erreichen, wäre für einen Nicht-Muttersprachler "sicher schwerer", spielte Gerke auf den Inder Anshu Jain an. Der Chef des Investmentbankings bei der Deutschen Bank wird ebenfalls für die Nachfolge Ackermanns gehandelt.

Durch deutliche Äußerungen bei Merkel in Ungnade gefallen

Dass Weber nicht immer unbedingt pflegeleicht ist, scheint die UBS nicht zu stören. Der geldpolitische Falke, für den als Bundesbanker die Stabilität des Euro höchstes Gebot war, ist bekannt für gelegentlich deutliche Äußerungen. Als er sich im EZB -Rat gegen den Kauf von Staatsanleihen zur Stützung von Euro-Problemstaaten wie Griechenland wandte und mit dieser Meinung auch öffentlich nicht hinter dem Berg hielt, rückte Kanzlerin Merkel von ihm ab.

Als Merkel weiter zögerte, ihn als Nachfolgekandidaten für den scheidenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, auf den Schild zu heben, blieb Weber konsequent: Er schmiss hin und gab den Bundesbankvorsitz vorzeitig auf und damit auch die Chance auf den Chefsessel der EZB - aus Gründen der Glaubwürdigkeit, wie er sagte.

Rumoren in Bankenkreisen

Bei der UBS treffe Weber "durch seine Internationalität auf ein hervorragendes Betätigungsfeld", sagte Gerke. Der Vorsitz des Verwaltungsrates bei einer Schweizer Aktiengesellschaft ist deutlich einflussreicher als der Aufsichtsratschef in Deutschland. Nach Schweizer Recht ist er das oberste Exekutivorgan. Der Vorstandschef spielt mehr die Rolle eines Geschäftsführers. Und Weber selbst? Er bezeichnete seinen Wechsel als "attraktive Perspektive", die Zukunft der Bank mitgestalten zu können. Die UBS sei ein "dynamischer weltweit tätiger Finanzdienstleister".

Die Deutsche Bank wollte sich zu der Personalie nicht äußern. In Bankenkreisen hieß es allerdings, Ackermann habe immer wieder betont, dass Weber ein hervorragender Mann sei. So jemand bleibe nicht lange frei verfügbar, hieß es. Da wäre aber zunächst einmal der Aufsichtsrat zuständig gewesen.

(dapd )


 


 

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