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Gescheiterte Fusion NYSE/Deutsche Börse

"Der Wettbewerbsdruck ist hoch"

Keine Börsenachse Manhattan-"Mainhattan": Das Nein der EU zur deutsch-amerikanischen Mega-Börse lässt in Frankfurt am Main große Träume zerplatzen. "Frankfurt auf Augenhöhe mit dem Finanzplatz New York, als eine von zwei Hauptverwaltungen der größten Börsenorganisation der Welt", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Reto Francioni, am Mittwoch in der Frankfurter Alten Börse, "so hätte die künftige Bedeutung von Frankfurt in der Welt aussehen sollen". Sichtlich getroffen sprach er von einem "schwarzen Tag".

Von Roman Keßler

Das Nein der EU-Kommission zur Fusion mit der New Yorker NYSE Euronext halte er für eine verpasste Chance. "Mit der Untersagung des Fusionsvorhabens wird die Schaffung einer in Europa beheimateten und global führenden Börsengruppe verhindert", sagte der Schweizer bei dem hastig angesetzten Termin. "Dies ist auch eine verpasste Chance für den Finanzplatz Frankfurt."
Grundproblem Größe bleibt ungelöst

Wieder hat die Deutsche Börse unter Francionis Führung ihr Grundproblem nicht lösen können: Das relative kleine Frankfurt fällt schon lange hinter London und den aufstrebenden Börsen wie der im türkischen Istanbul zurück. "Auf sich allein gestellt, wird es die Deutsche Börse schwer haben, ein starkes Umsatzwachstum darzustellen", sagt Christoph Boßmann, Aktienanalyst bei der WestLB. "Der Wettbewerbsdruck ist hoch."

Schon in den vergangenen Wochen kamen negative Zeichen aus Brüssel. Schnell fanden neue Fusions-Fantasien einen Nährboden. Als mögliche Partner für Hochzeiten wurden die Madrider Börse oder die koreanische Börse in Seoul gehandelt.

Beobachter raten der Deutschen Börse, sich lieber auf die eigenen Stärken zu besinnen. Jochen Schmitt, der sich im Frankfurter Traditionshaus Metzler um die Deutsche Börse als Aktienanalyst kümmert, sagte der Nachrichtenagentur dapd: "Die Deutsche Börse sollte sich erst einmal wieder auf sich selbst konzentrieren, nachdem sie die letzten zwölf Monate an dem Zusammenschluss gearbeitet hat." In Frankfurt werde "der eine oder andere vielleicht sogar erleichtert sein", sagte Schmitt.

Ob Frankfurt und New York letztlich tatsächlich Partner auf Augenhöhe gewesen wären, hätte sich aus seiner Sicht erst langfristig bewahrheiten müssen. Für den Finanzplatz Frankfurt werde sich erst einmal nicht viel ändern, sagte Schmitt.

Aktie der Deutsche Börse gewinnt leicht

Die Aktie der Deutsche Börse, die im Leitindex DAX notiert ist, gewann sogar, als die Entscheidung bekannt wurde. Sie lag am Nachmittag mit 0,5 Prozent im Plus. Der Kurs war bereits seit Anfang Januar von rund 42,50 Euro auf rund 45,00 Euro gestiegen. Negative Signale aus Brüssel zur Börsenfusion hatten den Kurs nur kurz drücken können.

Auch die Kunden der Börse sind eigentlich zufrieden mit der Situation, wie sie ist. Zwar gibt es nicht mehr so viele Börsengänge von Unternehmen wie früher, aber immer mehr andere Produkte. ETF Securities etwa bietet Fonds an, die die Bewegungen etwa von Rohstoffen oder Gold abbilden. Die Fonds werden dann ebenfalls an der Börse gehandelt - für die Deutsche Börse ist das ein Millionengeschäft.

"Wir sind mit dem deutschen Markt sehr glücklich," sagt Nigel Longley, der bei ETF Securities für den deutschen Finanzmarkt zuständig ist. Das Interesse der Käufer und Verkäufer sei groß genug. "Wir glauben nicht, dass die Entscheidung einen dramatischen Effekt haben wird."

Finanzregulierung eine Geschäftschance

Außerdem könnte die Deutsche Börse nachträglich von der Finanzkrise profitieren. Schon die großen Ausschläge der Aktienindizes während der vergangenen Jahre hatten ihr Geld gebracht. Sie verdient an fast jeder Kauf- oder Verkaufsorder. Nun winkt ein neues Geschäftsfeld, das sich aus der stärkeren Regulierung der Finanzmärkte ergeben könnte.

Für die staatlichen Finanzaufpasser war ein großes Problem der Finanzkrise, dass sie nie genau wissen konnten, wer welche Papiere hält oder handelt. Viele Geschäfte wurden am Telefon oder per Computerorder abgeschlossen. In der Branche nennt man das "Tresengeschäfte". Diese sollen jetzt mehr und mehr aus dem Zwielicht in die Transparenz der Börse gebracht werden, haben sich die Regulierer vorgenommen. Ein ganz neues Geschäftsfeld auch für die Frankfurter.

Die Deutsche Börse sah das am Mittwoch freilich noch ganz anders. "Der fusionierte Börsenkonzern wäre der ideale Partner der europäischen Regulierungsbehörden gewesen, um diese bei der Verwirklichung standardisierter, transparenter und stabiler Märkte in Europa und weltweit zu unterstützen", sagte Francioni. Nach seinem Pressestatement verschwand er, ohne weitere Fragen zu beantworten.

(dapd )


 


 

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