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Fusion Deutsche Börse/NYSE

Ein Börsengigant entsteht

Nichts weniger als den größten Börsenkonzern der Welt wollen die Chefs von Deutscher Börse und der New York Stock Exchange (NYSE), besser bekannt als Wall Street, schaffen. Reto Francioni und Duncan Niederauer haben sich ihrem Ziel bereits in der vergangenen Woche genähert. Die Aktionäre der NYSE stimmten der geplanten Fusion mit der Deutschen Börse in der vergangenen Woche zu. Bei einer Sondersitzung sprachen sich 96 Prozent der Anwesenden für einen Geschäftsabschluss aus.

Grünes Licht gaben jetzt auch die Aktionäre der Deutschen Börse. Sie hätten ihre Anteilsscheine zu mehr als 80 Prozent in Aktien der von beiden Unternehmen gemeinsam gegründeten niederländischen Alpha Beta Netherlands Holding eingetauscht, teilte die Deutsche Börse am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. Für den Erfolg der Fusion war eine Quote von 75 Prozent erforderlich.

Die Deutsche Börse hatte im Februar angekündigt, den Mutterkonzern der NYSE für zehn Milliarden Dollar (rund sieben Milliarden Euro) aufkaufen zu wollen. Damit entstünde der größte Börsenkonzern der Welt.

Die Deutsche Börse hat schon mehrere vergebliche Anläufe unternommen, durch Fusion zu wachsen. Eine Übernahme der Londoner Börse scheiterte gleich zweimal. Auch der Versuch eines Zusammengehens mit der Vierländerbörse Euronext blieb erfolglos. Nun könnten die Frankfurter Euronext auf dem Umweg über New York dazubekommen, denn die Börse mit den Handelsplätzen Amsterdam, Brüssel, Lissabon, Paris und dem Londoner Terminmarkt LIFFE gehört schon seit 2007 zur NYSE.

Aggressive Konkurrenz

Mehr Wettbewerbsfähigkeit und geringere Kosten sind ein Hauptziel der Vereinigung. Druck entsteht durch neue sogenannte multilaterale Handelsorganisationen wie BATS, Chi-X oder Turquoise, die mit relativ kleinen Mitarbeiterstäben und aggressiven Preisen den etablierten Börsen auf den Pelz rücken.

Kostensynergien von 400 Millionen Euro im Jahr stellte unlängst Deutsche-Börse-Chef Francioni in Aussicht. Der Umsatz könne um 150 Millionen Euro pro Jahr steigen, die Dividende um 30 Prozent höher ausfallen als bisher. Zugleich versicherte er, dass ein ausgewogenes Standortkonzept die Interessen des Finanzplatzes Frankfurt wahren werde.

Zumindest auf dem Papier spielt die Börse Frankfurt in dem neuen Großkonzern, der als Holding in den Niederlanden mit dem vorläufigen Namen Alpha Beta geschaffen wird, die erste Geige. Die Deutsche Börse soll 60 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten, die NYSE Euronext 40 Prozent. Vorstandschef wird Niederauer, Francioni übernimmt den Vorsitz des Verwaltungsrats.

Kritiker befürchten Verlagerung des Schwerpunkts nach New York

Der Konzern mit einem errechneten gemeinsamen Umsatz von gut vier Milliarden Euro für das Jahr 2010 und mehr als 6.000 Mitarbeitern soll künftig von zwei Zentralen, in New York und in Frankfurt, geführt werden. Das Verwaltungsorgan ist ein 17-köpfiges Direktorium, dem neben dem Vorstandschef und dem Verwaltungsratsvorsitzenden 15 Direktoren angehören. Neun der Direktoren werden von der Deutschen Börse bestimmt, sechs von der NYSE.

Kritiker befürchten allerdings, dass sich der Schwerpunkt des neuen Wertpapierkonzerns dennoch nach New York verlagern wird. Der Name Wall Street hat einfach den größeren Klang. Der Betriebsrat in Frankfurt befürchtet zudem einen Verlust von Arbeitsplätzen.

Der würde nach Einschätzung von Experten aber auch drohen, wenn die Wirtschaftlichkeit der Börsengruppe weiter unter Druck gerät. Der Deutschen Börse sind in letzter Zeit die Gewinne weggebrochen, von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr 2008 auf noch knapp 420 Millionen Euro im Jahr 2010.

(dapd )


 


 

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