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Deutschland beim Strom Netto-Importeur

Mehr Einfuhren aus Tschechien und Frankreich

Seit dem Beginn des Atommoratoriums hat Deutschland mehr Strom aus dem Ausland eingekauft als nach dort geliefert. In der ersten Junihälfte wurden durchschnittlich 3,86 Gigawatt Leistung pro Tag importiert, wie der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, der Nachrichtenagentur dapd sagte. "Das entspricht einer Steigerung von 2,76 Gigawatt gegenüber dem Vorjahreszeitraum." Eine Prognose über die künftige Entwicklung wollte Kurth nicht machen.

Von Petra Sorge

Vor dem Ausstiegsbeschluss wurden den Angaben zufolge noch 3,56 Gigawatt exportiert. Die Reserven seien damit "nahezu aufgebraucht", warnt die Netzagentur und schließt auch Engpässe bei der Stromversorgung nicht mehr aus. Daher setzten die deutschen Versorger verstärkt auf Kraftwerke, die vor dem Moratorium "aus wirtschaftlichen Erwägungen in diesem regelmäßigen Umfang nicht eingesetzt worden waren", hieß es, darunter überwiegend Kohle- und Gaskraftwerke.

Mit dem Atommoratorium wurden acht deutsche Kernkraftwerke abgeschaltet. Deren Gesamtleistung betrug 8.500 Megawatt. Weil drei dieser Anlagen - Krümmel, Brunsbüttel und Biblis B - bereits zuvor für längere Zeit ausgeschaltet waren, fielen durch das Moratorium tatsächlich nur rund 5.000 Megawatt aus.
Inventur der deutschen Kraftwerke

Damit trotzdem nirgends das Licht ausgehen muss, sucht die Bundesnetzagentur noch nach geeigneten Reserven, wie die "Financial Times Deutschland" (Mittwochausgabe) berichtete. In einer ersten bundesweiten Inventur aller Kraftwerke würden auch Kleinanlagen mit einer Leistung ab 20 Megawatt erfasst.

Während dieser Suche helfen sich die Versorger mit Strom aus den Nachbarländern. Seit dem Atomausstieg haben sich Einfuhren aus Tschechien etwa um 41 Prozent erhöht, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ausrechnete. Die Exporte nach Österreich, in die Schweiz und in die Niederlande sind um bis zu drei Viertel eingebrochen.

Zugleich stiegen die französischen Einfuhren um 58 Prozent. In Frankreich wird drei Viertel des Stroms aus Kernkraftwerken gewonnen. Die Bundesnetzagentur teilte jedoch mit, französische Kernkraftwerke seien bereits vor dem Moratorium auf Volllastbetrieb gefahren. Dadurch gebe es keine zusätzlichen Strommengen für den deutschen Bedarf.

"Erhebliche Kosten" befürchtet

Vielmehr fürchtet die Behörde Lücken bei der lokalen Versorgung. Gerade in den Räumen Hamburg und Frankfurt gebe es zu wenige Kraftwerke, weshalb dort Probleme bei der Spannungshaltung zu erwarten seien. Im Winter könne die Lage zudem insbesondere in Süddeutschland kritisch werden.

Aus Sicht der Behörde stellt der langsame Netzausbau bei zugleich schnellem Zuwachs der erneuerbaren Energieträger ein "massives Problem" dar. "Das Gesamtsystem wird so anfälliger gegenüber Fehlern, Sicherheitspuffer sind nicht mehr in ausreichendem Maße verfügbar", hieß es. Immer häufiger müssten Netzbetreiber in die Kraftwerke eingreifen, was "erhebliche Kosten" verursache.

(dapd )


 


 

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