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Duales System Deutschland tritt aus jungem Entsorger-Verband aus

Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen in der strategischen Ausrichtung hat die Duales System Deutschland GmbH (DSD) ihre Mitgliedschaft im Bundesverband Dualer Systeme Deutschland e.V. (BDSD) fristgemäß zum 31. Dezember 2010 gekündigt. Mit sofortiger Wirkung stellt DSD-Geschäftsführer Stefan Schreiter sein Amt als BDSD-Vizepräsident zur Verfügung. Mit dem "Grünen Punkt" ist damit eines der größten Mitglieder aus dem erst im Mai gegründeten Verband ausgeschieden.

Innerhalb des Verbandes sei auch nach wochenlangen Bemühungen keine Einigung über grundsätzliche Standards und Qualitätsrichtlinien erzielt worden, hieß es seitens des DSD. Ein weiterer Kritikpunkt für den Verbandsaustritt seien insbesondere die abweichenden Vorstellungen einzelner dualer Systeme gewesen, wie rechtskonforme Branchenlösungen ausgestaltet sein müssten.

"Das Duale System Deutschland wird  wird sich nicht weiter für einen Verband zur Verfügung stellen, der anderen Systembetreibern offensichtlich nur als Deckmantel für deren unverantwortliches Marktverhalten dienen soll." (DSD-Geschäftsführer Stefan Schreiter)

Schreiter: Konsens fehlt

"Die Weiterentwicklung des erfolgreichen Verpackungsrecyclings kann nur dann gelingen, wenn es einen Konsens aller dualen Systeme hinsichtlich der Ausrichtung an rechtlichen Vorgaben und der Qualität der Gutachten gibt, auf deren Grundlage Branchenlösungen im Markt angeboten werden. Nur dann wird in Zukunft ein fairer Wettbewerb möglich sein, der letztlich allen Beteiligten zugute kommt", erläutert Stefan Schreiter. "Das Duale System Deutschland wird  wird sich nicht weiter für einen Verband zur Verfügung stellen, der anderen Systembetreibern offensichtlich nur als Deckmantel für deren unverantwortliches Marktverhalten dienen soll", übte Schreiter harte Kritik.

BDSD: Verband nicht gefährdet

Der Verband hingegen erklärt, dass der erweiterte Vorstand am 8. Oktober einvernehmlich die Grundzüge einer Charta des BDSD zur Sicherstellung von gemeinsamen Qualitätsstandards beraten und im Grundsatz akzeptiert habe. Der DSD habe hierbei jedoch Änderungsvorschläge eingebracht, die hinter die zuvor vereinbarten Position zurückgefallen seien. Die nun geltend gemachten Gründe stimmten deshalb mit dem tatsächlichen Ablauf der Ereignisse nicht überein, sagten BDSD-Präsident Raffael Fruscio und Vizepräsident Dr. Michael Heising. Dort sieht man den eigenen Verband bislang nicht gefährdet,

Recycling: Verworrene Zuständigkeiten

Mit dem Austritt des DSD ist allerdings ein bedeutender Player aus der Recyclingbranche aus dem noch jungen Verband ausgetreten, der nach eigenen Angaben zuletzt rund 75 Prozent der Marktmacht der Branche vertreten hat. Häufige Kritik gibt es insbesondere an den verworrenen Zuständigkeiten der Branche bei der Entsorgung von Recyclingmüll. Im Jahr 1990 war zwar bundesweit der Grüne Punkt als Entsorgungssystem eingeführt worden. Bald beanspruchten auch Wettbewerber einen Teil des Marktes für sich. Seit 2001 muss das Duale System nach einer Entscheidung der EU-Kommission den Grünen Punkt auch Wettbewerbern zur Verfügung stellen, damit diese Zugang zum Markt erhalten. Auch der Handel hat jedoch inzwischen eigene Recyclingsysteme eingeführt, um die Kosten für den Grünen Punkt einzusparen. Grundannahme ist hierbei, dass der Verbraucher seinen Recyclingmüll zurück in das Geschäft bringt. Weil viele den Weg scheuen, landet dieser Abfall in der Praxis jedoch häufig im Gelben Sack oder Hausmüll.

(Redaktion)


 


 

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7 Kommentare

von Kenner
17.11.09 10:36 Uhr
Mülltrickser am Werk?

Wenn das DSD austritt, sind die anderen die Sünder - oder? Wo bleibt die Politik, die sich sonst um jeden Dreck kümmert?

von tonsus
19.11.09 15:10 Uhr
Rücktritt bei vfw

...und bei vfw, verblieben im Entsorgerverband, löst sich die Geschäftsführung auf. Der Finanz-GF geht vn Bord. Da ahnt man, wen DSD-Chef Schreiter mit "unverantwortlichem Markthandeln" wohl gemeint haben könnte. Und die Liste der Unternehmen, die mit den wohl dubiosen Geschäftemachern zusammenarbeiten kursiert auch schon:

http://www.umweltruf.de/news/111/news0.php3?nummer=32310
So werden genannt: "Über 2.000 Kunden aus Industrie und Handel vertrauen auf die Lösungen der RLG, darunter namhafte Unternehmen wie BMW, Brother, Canon, coop, Deutsche Bahn, Erdinger, Fresenius Kabi, Holsten, InBev, OSRAM, Porsche, Red Bull, Toyota, Volkswagen, Warsteiner und Weser Gold."

von Oscar
20.11.09 15:23 Uhr
Verband nicht gefährdet??

Und beim Vfw stehen auch (laut Hauseigener Homepage) 1500 Unternehmen (aus Branchen wie z.B. Versandhäuser, Lebensmittelindustrie, Warenhäuser und Verpackungshersteller aber auch der pharmazeutischen Industrie) unter Vertrag.

Zur Umsetzung der definierten Standards haben fast alle Systemanbieter die Selbstverpflichtung unterschrieben, nicht jedoch Vfw und Redual....
Der Austritt des DSD mit der Begründung sich ,,nicht weiter für einen Verband zur Verfügung stellen, der anderen Systembetreibern offensichtlich nur als Deckmantel für deren unverantwortliches Marktverhalten dienen soll", spricht Bände!
Zu Recht ist der ausgerechnet auf diese (Redual und Vfw) geschrumpfte Verband BDSD unglaubwürdig geworden und keiner äussert sich zu diesen schwer wiegenden Vorwürfen.

von Kenner
21.11.09 16:29 Uhr
Abwiegeln, das ist ...

... typisch. Die Entsorger, von denen sich das DSD mit seinem Austritt distanziert, wollen die Sache wohl aussitzen. Das können wir Verbraucher verhindern, wenn wir an die Kunden dieser Läden appellieren, sich korrekte Entsorger zu suchen. Tonsus hat die Kunden ja praktischerweise oben genannt.

von Trotzkopp
22.11.09 13:04 Uhr
Fragwürdig und dubios

Ich denke, hier ist der staat gefragt. dieser hat die verpackungsverordnung auf den weg gebracht, mit dem ziel, möglichst viel zu recyclen und so wenig wie nötig zu verbrennen oder zu deponieren. wenn also unternehmen einen staatlichen auftrag vollbringen, dann muss da auch kontrolliert werden!

denn - die firmen als auftraggeber von dualen system müssen ja mitspielen. und auch die halten sich nicht an die verordnung, man beachte dazu, dass die deutsche umwelthilfe 44(!) firmen angezeigt hat, weil sie ihre verpackungsmengen nicht gemeldet haben:

http://www.duh.de/pressemitteilung.html?tx_ttnews[tt_news]=1957

von timber
23.11.09 09:44 Uhr
Recherche

Ich habe recherchiert: Firmen wie z.B. VFW oder REDUAL bieten sog. Branchenlösungen an. Da wird das Material bei Großhändlern oder im Einzelhandel abgeholt, das ist für die Händler und die Verantwortlichen für die Rücknahme der Verpackungen billiger. Die Verbraucher nehmen die Verpackungen aber tatsächlich mit nach Haus und die landen im gelben Sack. Die Abholung ist teurer. Also gibt es Finanzierungsprbleme "dank" solcher Unternehmen.

von ökomausi
23.11.09 10:15 Uhr
Riesengeschäft Müll

Kein Wunder, dass hier immer wieder getrickst wird. Dabei ist eben sehr viel Geld zu machen oder zu sparen. Schaue ich in die Schlagzeilen und Nachrichten dieser Tage, scheint sich niemand für die Vorgänge rund um den spektakulären Schritt des DSD zu interessieren. Der Fachpresse allen Respekt, aber warum nichts in den Massenmedien? Nur hier habe ich immerhin etwas gefunden:
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11663577/5934832/KLARTEXT-ONLINENach-dem-Austritt-beim-Verband-Dualer-Systeme.html?rand=68755484

 

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