Sie sind hier: Startseite Weser-Ems Business-News
Weitere Artikel
Loveparade-Unglück

Alle Opfer an Brustquetschungen verstorben - Trauergottesdienst in Duisburg

Anders als zunächst von den Verantwortlichen erklärt, sind alle Opfer der Loveparade in Duisburg offenbar durch schwere Brustquetschungen infolge des Gedränges vor Ort ums Leben gekommen. Das erklärte am Dienstag NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) vor dem Hintergrund der jüngsten Obduktionsergebnisse.

Von Onur Yamac

Auch das nordrhein-westfälische Kabinett beschäftigte sich am Dienstag mit dem tödlichen Verlauf der Duisburger Loveparade. Die Sitzung begann mit einer Schweigeminute.

Loveparade-Chef meldet sich zu Wort

Der Veranstalter der Loveparade, Rainer Schaller, meldete sich inzwischen zu Wort. Der Chef des Hauptsponsors McFit und  Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Lopavent war in den vergangenen Tagen immer wieder persönlich für die Todesfälle verantwortlich gemacht worden. Er beschuldigte nun seinerseits die Einsatzleitung der Polizei, die Öffnung der Schleusen an der Westseite des Tunnels Karl-Lehr-Straße veranlasst zu haben und hierdurch erst die Voraussetzung für die extreme Menschenansammlung im unteren Bereich der Rampe zum Loveparade-Veranstaltungsgelände geschaffen zu haben.

Tatsächlich war laut Sicherheitskonzept vorgesehen, dass die Besucherströme an den Schleusen an der Düsseldorfer Straße vor dem West-Tunnel so reguliert werden, das nicht zu viele Besucher gleichzeitig in selbigen strömen. So sollte auch gewährleistet bleiben, das der Tunnel zugleich als Ein- und Ausgang genutzt werden kann. Schaller beruft sich darauf, dass 10 von 16 Einzelschleusen zuvor geschlossen waren und erst auf Veranlassung der Polizei geöffnet wurden. Aufnahmen von Spiegel TV könnten diese Version stützen. Aus dem Filmmaterial geht auch hervor, dass Besucher anderswo errichtete Polizeisperren einfach zur Seite drückten. Die Polizei reagierte darauf mit der Präsenz von berittenen Beamten, blieb aber passiv und ließ die Menschenmassen in Richtung Tunnel drängen.

Im Tunnel angekommen, drückte ein Teil der Menschenmasse an einer Lücke zwischen zwei Überführungen einen Bauzaun weg und klettert eine Böschung hinauf. Dies belegen andere Filmaufnahmen auf dem Online-Portal Youtube. Fälschlicher Weise werden diese Aufnahmen von vielen Medien immer wieder als Beleg für eine Massenpanik angeführt. Sie stehen jedoch nicht in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen an der Rampe.

Teilnehmerzahlen klären sich langsam

Entlastet scheint Schaller in der Frage der Teilnehmeranzahl auf dem Gelände. Was der stellvertretende Polizeipräsident Duisburgs, Detlef von Schmeling, bereits auf der Pressekonferenz am Sonntag mit den offiziellen Beförderungszahlen der Deutschen Bahn (106.000 Personen) andeutete, ist nun womöglich Gewissheit: statt 1,4 Millionen Menschen waren auf dem Loveparade-Gelände gerade einmal 200.000 zugegen. Dort war noch Platz.

Bereits als die Loveparade noch in Berlin stattfand, gab es von karnevalserprobten Polizeibeamten aus Köln und Düsseldorf  Mutmaßungen, dass die Besucherzahlen unter tatkräftiger Mitwirkung vieler Stellen willkürlich nach oben korrigiert wurden.

Den Veranstaltern an der Spree spielte dabei stets in den Schoß, dass dort durch den Regierungsumzug von Bonn nach Berlin inzwischen viel mehr nationale und internationale Korrespondenten und Medien präsent sind. Und erst so nahm man auch in Hintertupfingen, Bergheim und Buxtehude die angeblichen Superlativen des Events wahr. Ein Schneeballeffekt, der auch für die Sponsorensuche recht hilfreich war. Alles in allem waren die Besucherzahlen der Loveparade wahrscheinlich seit Ende der 1990er Jahre genauso aufgeputscht, wie manche Besucher des Massen-Raves. Damit ist ein Punkt geklärt - andererseits erledigt sich damit auch ein Teil der Vorwürfe gegen Schaller.

Stadtverwaltung: Fachliche Beurteilung war offenbar schwierig

Am kommenden Samstag, den 31. Juli 2010,  wird um11.00 Uhr in einem Ökumenischen Gottesdienst in der Duisburger Salvatorkirche der Opfer der Duisburger Loveparade gedacht. Der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, und der Essener Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck werden den ökumenischen Gottesdienst leiten. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird erwartet. Die Veranstaltung wird auf Großleinwände nach außen übertragen.

In Nordrhein-Westfalen will man nun Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen. Städte, vor allem solche, die mit solchen Großveranstaltungen wenig Erfahrung haben, dürften künftig nicht damit allein gelassen werden, heißt es aus der Düsseldorfer Staatskanzlei. Tatsächlich war weniger die nach dem Unglück angelaufe landesweite Rettungskette, als vielmehr im Vorfeld die fachliche Beurteilung der für Duisburg ungewöhnlichen Großveranstaltung ein Dilemma für die Verantwortlichen. Laut Ministerpräsidentin Kraft strebt man daher eine bundeseinheitliche Regelung für solche Fälle an. 

(Red. / oy)


 


 

Duisburger Loveparade
Dienstag NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft
Tunnel
Loveparade
Kabinett
Schleusen
Gottesdienst

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Veranstaltung" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: