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Interview

9 Fragen an.... Dr. Edmund Haferbeck

Dr. Edmund Haferbeck ist bei der Tierrechtsorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) in Deutschland aktiv. Er war bei der Aufdeckung des jüngsten Skandals um das Unternehmen Wiesenhof beteiligt und spricht sich gar für ein Leben völlig ohne tierische Lebensmittel aus.

business-on.de: Was macht die Organisation PETA und wo ist sie aktiv?

Edmund Haferbeck: PETA setzt sich gemäß Satzung für die Rechte der Tiere ein, geht gegen Tiermissbrauch vor, der in der Nutzung von Tieren systemimmanent ist und will auf gesetzlicher Ebene Verbesserungen für die Mitgeschöpfe erreichen. Wichtigstes Ziel: gewaltfreies Leben ohne tierische Lebensmittel. Die Mutterorganisation PETA USA ist fast 30 Jahre alt, PETA Deutschland existiert seit 1994 eigenständig. Es gibt PETA noch in Großbrittanien, Holland, Asien, Indien und weiteren Ländern.

business-on.de: Sie haben Missstände in Mastbetrieben des Unternehmens Wiesenhof aufgedeckt – wie kam es dazu?

Edmund Haferbeck:  Wiesenhof ist ein Global Player und einer der Marktführer im Geflügelbereich. Die Tierproduktions-Branche sind aufgrund unserer früheren Undercover-Ermittlungen überaus sicherheitssensibel geworden und achtet darauf, dass ihre Anlagen verschlossen sind, weshalb auch Warnschreiben u.a. vom PHW-Konzern (Wiesenhof - die Red.) an die Betriebe rausgehen. Wir haben ein solches auf unserer Homepage veröffentlicht. Deshalb sind straffreie Ermittlungen nur noch sehr schwer möglich. Es war ein glücklicher Zufall, dass ein Betreiber-Ehepaar die dortigen alltäglichen Missstände und den Umgang mit den Hühnern nicht mehr aushalten konnte, ständig bei den Wiesenhof-Verantwortlichen aufgelaufen ist und eigentlich aufgeben wollte. Dann sahen sie einen Filmbeitrag über PETA im Fernsehen und wandten sich an uns. Wir haben sie davon abgehalten, aufzuhören und haben dann mit ihrer Zustimmung Kameratechnik installiert, um den alltäglichen Missbrauch der Tiere in der konventionellen Tierproduktion bei einem Global Player zu dokumentieren – und zwar über Monate.

business-on.de: Was haben Sie in den Betrieben festgestellt?

Edmund Haferbeck: [Anmerk. d. Red: Satz 1 wurde nach nochmaliger Rücksprache aus diesem Interview gestrichen] Es findet in dieser Branche eine systematisches Leugnen statt und man versucht mit rechtlichen Mitteln, die allseits bekannte Wahrheit zu unterdrücken. Wir haben das alles in einer 20-seitigen Strafanzeige niedergelegt und eine umfassende Website dazu publiziert.

business-on.de: Wie hat Wiesenhof reagiert und wie beurteilen Sie die Reaktionen des Unternehmens?

Edmund Haferbeck: Auf frischer Tat ertappte Täter reagieren reflexartig immer gleich: Es wären nur Einzelfälle, man würde Konsequenzen ziehen, PETA würde alles stellen und manipulieren. Leider kommt dieser Quatsch immer wieder bei Leuten an, die eigentlich über einen gesunden Menschenverstand verfügen müssten – Journalisten. Das alltägliche Grauen ist nun mal so. Ich selbst habe das studiert an der Uni Göttingen, Schwerpunkt Tierproduktion. Die konventionelle Tierproduktion ist eine milliardenschwere mächtige Branche, von der viele leben und deshalb hat sie mit ihren ständigen Vertuschungsbemühungen Erfolg. Diese Branchen schrecken auch nicht davor zurück, staatliche Stellen zu belügen und zu betrügen.

business-on.de: Welche Resonanz hatte ihre Aktion in der Öffentlichkeit?

Edmund Haferbeck: Um solche Beweise/Dokumentationen überhaupt in die öffentlich-rechtlichen Medien zu bekommen, ist sehr viel Substanz nötig. Was alles gegenüber den dortigen Redakteuren und Rechtsabteilungen nachzuweisen ist, ist ganz schön aufwändig. Da solche Ermittlungen, jedoch unwahrscheinlich aufwändig sind, können diese nach dem Zufallsprinzip nur bei einzelnen Betrieben stattfinden. Diese Ermittlungsergebnisse ohne Anmeldung und ohne Wissen der Täter sind repräsentativ für die gesamte Branche, nicht nur für die PHW-Gruppe.

business-on.de: Glauben Sie, dass Sie Verbesserungen erreichen konnten?

Edmund Haferbeck: Während nach außen hin abgewiegelt wird, geht es intern bei Unternehmen und auch Behörden „zur Sache“. Strukturelle Verbesserungen dauern hier Jahrzehnte.

business-on.de: Nochmal: glauben Sie, dass Sie Verbesserungen erreichen konnten?

Edmund Haferbeck: Es gibt auch mutige andere Betriebsleiter, die sich melden und sagen, dass das alles alltägliche Normalität ist und kein Einzelfall. Außerdem haben wir viele Beweisdokumente, die noch auszuwerten und zu veröffentlichen sind. Wir haben gleiche Bilder aus einem amerikanischen Betrieb des PHW-Bruder-Unternehmens Aviagen auf unserer Homepage, es sind weltweit dieselben Praktiken.

business-on.de: Wie haben die Behörden auf ihre Hinweise reagiert und wie beurteilen Sie die Reaktionen?

Edmund Haferbeck: Behörden hassen kritische Bürgerinnen und Bürger, erst recht solche Organisationen, weil sie selbst immer mit als Täter betroffen sind.

business-on.de: Niedersachsen ist ein Agrarland. Wie beurteilen Sie die industrielle Haltung von Tieren insgesamt und welche Verbesserungen sind aus Ihrer Sicht denkbar oder geboten?

Edmund Haferbeck: Niedersachsen wird keine Verbesserungen durchsetzen, hat daran überhaupt kein Interesse. Man trickst sogar, um gesetzliche Vorgaben auszubremsen - u.a. Legehennenhaltung. Die niedersächsische Geschichte ist lang und skandalträchtig auf dem Gebiet der konventionellen Tierproduktion (Stichwort: Pohlmann). Reformen und Verbesserungen werden torpediert. Positive Änderungen müssen in teilweise Jahrzehnte langen Kämpfen gegen die Staatsgewalt durchgesetzt werden. Am schwierigsten ist dies in der konventionellen Tierproduktion, da eben ca. 95 Prozent der Bevölkerung meinen, den blauen Planeten mit diesem Klimakiller Nr. 1 zerstören zu müssen. Der erste Schritt wäre der Übergang zur Bio-Haltung, am Ende muss jedoch die vollkommene Abkehr vom Konsum von tierischen Produkten stehen.

Die PHW-Gruppe aus Rechterfeld (Landkreis Vechta) nimmt auf ihren Internetseiten zu den Vorwürfen von PETA Stellung.

Aktualisiert 14.2.2010

(Redaktion)


 


 

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2 Kommentare

von Writer
12.02.10 15:03 Uhr
Alles gelogen

PETA wurden die auch in diesem Interview gegebenen Äusserungen per Einstweiliger Verfügung vom Landgericht Hamburg untersagt. Das wird teuer...Ausserdem ist das keine Tierschutzorganisation sondern eine Lobbyistenvereinigung für Veganer. Selbst Ledergürtel und - schuhe sollen verboten werden H.Haferbeck fordert eine "Al Kaida" für Tiere und dass Journalisten vor Einladung auf Wohlverhalten "durchgecheckt" werden müssen Dass auf die noch jemand reinfällt..!?

von MJ
12.02.10 19:46 Uhr

alles schön und gut, alles nichts Neues, das wussten die, die sich damit auseinander setzen auch schon vorher!

Bitte übersetzt dieses Inerview doch mal in die gängige Umgangssprache und veröffentlicht es dann...vorzugsweise auf youtube oder ähnlichem!

Es nützt doch nichts, wenn die, die sich eh mit diesen Themen auseinander setzen, informiert werden, es geht doch darum, die Massen zu erreichen!!!

Also wirbelt die Marketing-Trommel und macht was, damit es auch die Tennies erreicht, auch die, die Bio-Produkte kaufen und trotzdem nichts wissen, für ALLE!!! halt!!!

Los, los, los!!!!!!

 

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