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Einsparungen von 50 Prozent möglich

Gebrauchte Computerprogramme können Unternehmen Millionen bringen

In den Computern deutscher Unternehmen schlummern Milliardenwerte - und werden von dem meisten Firmen vergessen: gebrauchte Software.

Von Claus-Peter Tiemann

Rund 17 Milliarden Euro geben deutsche Betriebe pro Jahr für neue Computerprogramme aus. Die Software tut dann ihren Dienst in Servern und anderen Rechnern von Industrie, Handel oder Handwerk. Nach ein paar Jahren ist sie abgeschrieben wird ersetzt durch eine neuere Version.

Aber anders als Maschinen oder Autos ist Software dann noch so frisch wie am ersten Tag - die Bits und Bytes nutzen sich ja nicht ab. Doch anstatt diese Altware zu Geld zu machen, wie es bei jedem anderen Wirtschaftsgut selbstverständlich ist, werden die Alt-Programme gelöscht oder deren Datenträger-CDs entsorgt.

"Das müsste nicht sein", sagt Boris Vöge, der Geschäftsführer der Hamburger Preo AG, die im kommenden Jahr den Handel mit gebrauchter Software in Deutschland kräftig ankurbeln will. Viele Chefs wüssten gar nicht, dass es für gebrauchte Software noch Geld geben kann. "Bisher liegt der Jahresumsatz in Deutschland mit Gebrauchtsoftware bei 50 Millionen Euro pro Jahr. Wir sehen Potenzial für 1,3 Milliarden Euro", sagt Programmhändler Vöge.

Die Grundlage seiner Prognose ist ein Gerichtsurteil: Vor fünf Monaten erklärte der Europäische Gerichtshof (EuGH) den Verkauf von gebrauchten Softwarelizenzen für rechtens. Danach ist das Herunterladen eines Programms im Prinzip mit dem Kauf eines Buches vergleichbar: Es ist illegal, Fotokopien von dem Buch anzufertigen und diese weiterzuverkaufen. Aber mit dem Kauf gehöre dem Leser die Kopie des Buches, hieß es im Urteilsspruch weiter. Somit könne er es an andere weiterverkaufen. Hintergrund war die Klage des US-Softwareherstellers Oracle gegen die deutsche Firma Usedsoft aus München, die wie Preo mit gebrauchten Lizenzen handelt.

Vielen Firmen reicht alte Software

Vöge sieht nun Tür und Tor für die Gebraucht-Branche geöffnet: "Wir rechnen mit deutlichem Wachstum", sagte der Chef der 18-Mitarbeiter-Firma. Denn für viele Firmen reicht alte Software voll und ganz aus. "Für viele unserer Kunden ist einheitliche Software wichtiger als die jeweils neueste Programmgeneration", sagt er. "Dann wird beispielsweise die Software des Jahres 2009 als unternehmensweiter Standard festgelegt", so Vöge. Wenn dieses Unternehmen dann neue Arbeitsplätze schaffe, müsste für die Computer nicht neueste Software gekauft werden, sondern die Fassung von 2009 reiche. "Und die kostet gebraucht nur die Hälfte", sagt Vöge.

Nach seiner Kalkulation kostet ein Büroarbeitsplatz schnell 1.000 Euro nur für Software. "Allein Office von Microsoft kommt auf 450 Euro", erklärt er. Bei 100 neuen Arbeitsplätzen könnte das Unternehmen so 500.000 Euro sparen.

Den Großteil des Gebrauchthandels machen Standardprogramme aus, also Office und andere Microsoft-Produkte, sowie Adobe (Photoshop, Acrobat) oder Citrix für computerinterne Abläufe. "Für SAP gibt es kaum einen Markt, das ist zu komplex", sagt Vöge.

Die Hersteller haben bisher gegen den Gebrauchthandel gekämpft: Oracle führte den Hauptprozess am EuGH, aber auch Microsoft bemühte in der Sache schon das Gericht. Laut Preo und Usedsoft sind die Programmhersteller bisher aber noch nie gegen Kunden der Gebrauchthändler vorgegangen, sondern nur gegen die Händler selbst.

Preo hat bisher 350.000 Lizenzen weitergehandelt. Zu den Kunden zählen öffentliche Auftraggeber wie die Städte München und Kiel, aber auch Wirtschaftsunternehmen wie der Reiseanbieter Alltours oder der Safthersteller Valensina.

(dapd)


 


 

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