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Filtertüten-Eklat

Der Tag, an dem Melitta keinen Spaß mehr verstand

Das Unternehmen Kaffee-Partner aus der Nähe von Osnabrück engagierte für einen Werbespot Comedy-Preisträgerin Mirja Boes. Der Comedian pries im Spot humorvoll die Vorzüge der Kaffeevollautomaten des Wallenhorster Unternehmens an. Leidtragender des Werbeengagements: die klassische Filtertüte. Diese Kampfansage blieb im Kaffee-Imperium nicht ungehört: Kaffeebeutel-Gigant Melitta schlug nun zurück. Die Geschichte eines Filtertüten-Eklats.


Das Abspielsymbol anklicken, um das Video zu starten:

Als im Januar erstmals der Spot von Kaffee-Partner präsentiert wurde, wurde klar, dass man in Wallenhorst etwas gewagt hatte: mit Mirja  Boes hatte man schließlich eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Comedy-Szene engagiert. Und auch multimedial wagte man sich vor, indem man das Video auf der eigenen Internetseite einband und animierte Werbebanner mit integriertem Boes-Video im Internet schaltete.

Melitta-Verantwortliche befremdet

Im Spot spielt Mirja Boes eine viel gefragte Sekretärin. Viel gefragt insbesondere in Punkto Kaffee kochen. Doch der normale Kaffee tut es heutzutage nicht mehr und auch Sonderwünsche wie Kakao machen es der guten Seele aus dem Büro nicht eben leichter, sich der normalen Büroarbeit zu widmen. Vor allem aber ist die Filter-Kaffeemaschine im Büro darauf nicht ausgelegt – und der Wechsel der zugehörigen Kaffeebeutel eine zeitraubende und zuweilen schmuddelige Angelegenheit. So jedenfalls mit einem Augenzwinkern die visuelle Aussage des Clips. Mit dem Spot hatte Kaffee-Partner aber nicht nur werbetechnisch etwas gewagt, sondern nach Ansicht der befremdeten Melitta-Verantwortlichen vor allem eins: zu viel! Es war der Tag, an dem Melitta keinen Spaß mehr verstand.

Das Kaffee-Imperium schlägt zurück

Ein Dreivierteljahr später ist das Wallenhorster Unternehmen daher pünktlich zur Vorweihnachtszeit mit Post beglückt worden. Inhalt war allerdings keine vorzeitige Weihnachtskarte, sondern eine Abmahnung des Filtertüten-Giganten aus Minden, der sein "Urprodukt" verunglimpft sieht und eine Unterlassungserklärung von Kaffee-Partner einfordert. Die aus Sicht der Melitta-Justiziare „wirklich nicht komische und extrem unsachliche“ Werbung müsse umgehend gestoppt werden. Auch ein hohes Zwangsgeld bei Zuwiderhandlungen sollen sie festgesetzt haben. Nach Rücksprache mit einem Anwalt hat das Wallenhorster Unternehmen den Spot im Internet belassen. Im Gegensatz zum Ur-Spot ist der jetzt gezeigte aber kürzer – die entscheidenden Passagen sind dennoch enthalten. Auch wenn Melitta gegenüber dem Werbe-Branchenmagazin "Horizont" die gesamte Formgebung eines Kaffeebeutels und die Namensrechte am Begriff "Filtertüte" allein für sich beansprucht.

Munter kochen am Abmahn-Süppchen

Die Angelegenheit reiht sich ein in die in jüngster Zeit bekannt gewordene Abmahnwelle: mal lassen Juristen des Sportartikelherstellers JAKO einen Blogger vor sich her sprinten, ein anderes Mal schwingt der Outdoor-Ausrüster "Jack Wolfskin" die juristische Pranke und will von einer Online-Plattform selbsgehäkelte Textilien mit Tiertatzen wegmahnen; nun komplettiert Filter-Gigant Melitta das Bild mit einem Filtertüten-Eklat. Und so verwundert es nicht, dass Mirja Boes rät: „Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen das Motto meiner neuen Show zu Herzen nehmen: Erwachsen werde ich nächste Woche!“ Die Frage ist nun aber vor allem, ob sich der Filtertüten-Eklat zwischen Melitta und Kaffee-Partner womöglich doch noch als ein viel zu heiß gebrühtes Süppchen entpuppt. Aber dann hätten beide Unternehmen womöglich noch ein weiteres Problem am Hals: es hängt ganz davon ab, wieviel Spaß die Juristen bei Maggi verstehen.

Cover-Bild: Kaffee-Partner, Pressematerial

(Onur Yamac)


 


 

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