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Elektromobilität

Unternehmer klagt über mangelnde Unterstützung in Deutschland

Leere Akkus von Elektroautos an Wechselstationen innerhalb weniger Minuten gegen aufgeladene zu tauschen - das bleibt für deutsche Autofahrer noch ein Zukunftstraum. In Dänemark und seit Anfang September auch in den Niederlanden wird das Batterietauschmodell bereits angewendet.


Der Grund dafür, dass das Unternehmen Better Place in Deutschland noch nicht vorangekommen ist, ist nach Aussage von Firmenchef Shai Agassi politischer Widerstand. "Bis jetzt haben wir von der Bundesregierung null Unterstützung bekommen", sagte der ehemalige SAP-Vorstand der Nachrichtenagentur dapd.

In vielen Industriezweigen würden große Unternehmen dazu neigen, am Bekannten festzuhalten. Es werde eher nach Gründen gesucht, die gegen die Einführung neuer Standards sprechen. "Am Anfang jeder Innovation heißt es immer, das wird nie passieren", sagte Agassi. Bei Hybridmotoren habe die Autoindustrie vor zehn Jahren noch abgewunken. Heute produzierten auch BMW und Daimler Hybridmotoren.

Fahrleistung von 25.000 Kilometern im Jahr

Als Partner konnte Agassi bislang die Allianz Renault-Nissan, aber noch keinen der deutschen Autobauer gewinnen. "Wenn man heute jemanden in der deutschen Automobilindustrie nach Elektroautos fragt, dann heißt es, sie sind nur für Fahrten in die nähere Umgebung geeignet, aber nicht für die Langstrecke." In Israel, wo Better Place ein Netz von Wechselstationen unterhält, könne ein Elektroauto eine Fahrleistung von 25.000 Kilometern im Jahr schaffen.

Diese Argumente überzeugten die deutschen Produzenten aber noch nicht. "Die lange Geschichte des deutschen Automobilbaus beruht auf ihrer Stärke in Maschinenbau und Verfahrenstechnik", sagte Agassi. "Vielleicht sind das nicht die einzigen Kernkompetenzen, um den Weg in Richtung E-Mobilität zu gehen."

Bei der Bewerbung für die von der Bundesregierung geförderten Schaufensterprojekte zur E-Mobilität sei Better Place nicht ausgewählt worden. Zur Rolle von Henning Kagermann, Agassis ehemaliger Vorstandskollege bei SAP und Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität, sagte der Better Place-Chef: "Henning Kagermann ist Kopf einer politischen Institution, nicht einer wissenschaftlichen Einrichtung. Somit ist seine Auswahl politisch begründet, und nicht wissenschaftlich. Wir müssen das verstehen."

Wann die erste Wechselstation in Deutschland eröffnet werde, ist Agassi zufolge ebenfalls keine ökonomische oder wissenschaftliche, sondern eine politische Frage.

Die Marktchancen von Elektroautos schätzt Agassi dennoch positiv ein. "Wenn der deutsche Konsument ein neues Elektroauto günstiger kaufen kann als einen dreijährigen Gebrauchten mit Benzinantrieb, ist der Markt bereit." Das wird nach Ansicht von Agassi vor Ende des Jahrzehnts passieren.

(dapd)


 


 

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