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Neues Marineschiff in Emden getauft

Die Kommandobrücke der "Bonn" heißt "Hardthöhe"

Am Dienstag ist auf dem Gelände der Nordseewerke in Emden der Einsatzgruppenversorger "Bonn" getauft worden. Neben dem Vorstandsvorsitzenden von Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) nahmen auch Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Schimpf, und Bonns Oberbrügermeister Jürgen Nimptsch (SPD) mit seiner Frau an der Zeremonie für das Marineschiff teil. Sie alle betonten dessen Bedeutung für Friedensmissionen.

Von Onur Yamac

Die Karnevalisten der Bonner Ehrengarde waren mit großem Aufgebot im ostfriesischen Emden erschienen. Viele hatten sich an diesem Tag extra Urlaub genommen, um bei der Schiffstaufe der "Bonn" mit dabei sein zu können. Angereist waren die Männer und Frauen in den prachtvollen rot-weißen Uniformen exklusiv mit einem großen Bus - laut Aufschrift bereitgestellt vom renommierten Unternehmen Uschi-Reisen aus Rheinbreitbach.

Die Ehrengardisten formierten sich noch vor Beginn der eigentlichen Zeremonie vor dem neuen Einsatzgruppenversorger vom Typ "Berlin-Klasse". Das war  gar nicht so selbstverständlich, denn was die Karnevalisten Anfang des Jahres an der Spree erlebt hatten, fanden sie gar nicht so Klasse: Berliner Polizeibeamte hatten eine unerlaubte Demonstration erkannt und ihnen das obligatorische "be Berlin" verweigert. Erst das Vorzeigen eines Karnevalsordens konnte die unangemeldete Polizeiansammlung wieder auflösen. 

Mit Beginn der eigentlichen Zeremonie trat am Dienstag der Vorstandsvorsitzende von Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS), Hans Christoph Atzpodien, an das Podium. Auch wenn die "Bonn" das Ende des rund 100-jährigen Schiffbaus bei den Nordseewerken einleite, begrüßte er dass mit der Übernahme durch die Unternehmensgruppe SIAG Schaaf eine nachhaltige Standortsicherung gelungen sei.

Ja, Stahlwerke in Brasilien sind teuer mag man da sogleich denken.

Die Nordseewerke- Muttergesellschaft SIAG Schaaf ist allerdings gerade insolvent, aber auf einem guten Weg. Das sehe man auch bei TKMS so, verbreitete Atzpodien Optimismus. Silberstreif am Horizont für die Mitarbeiter in Emden: die nun gefertigten Fundamente für Offshore-Windkraftanlagen sind dank der Energiewende längerfristig stark gefragt.

"Ein Stück maritime Bewusstseinserweiterung"

Dann trat am Dienstag Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) an das Rednerpult - am Rand stets die aufmerksamen Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes, die dem Minister auch auf dem Podium jederzeit maßgeschneiderten Schutz gewährleisten. "Die Chiffre Bonn steht für einen Teil der deutschen Geschichte auf die wir stolz sind," so der Minister.

Dann leitete er über auf das Schwesterschiff 'Frankfurt am Main' und steuerte damit auch gleich ein chronisches Problem der Truppe an: die Versorgung im Auslandseinsatz. Auf der 'Frankfurt am Main' herrsche die Maxime "Haben wir nicht, gibt es nicht", so de Maizière in knorrigem Ton. Dies sei eine Haltung, die für alle Marineschiffe gelten müsse.

Genau genommen ist es aber auch eine Haltung, die dazu einlädt Einsätze zu führen. Blickt man zurück, hieß die Haltung noch vor über einem Jahrzehnt: Eine einsatzbereite Armee sucht sich ihre Konflikte selber. Aber da ist natürlich immer auch der latente Druck der Bündnispartner - aber zuweilen auch der latente Wunsch mancher Spitzenmilitärs bald wieder ganz oben in der Liga der weltweiten Armeen mitzuspielen.

Vizeadmiral Axel Schmipf, der nach de Maizière an das Podium trat, griff die Worte des Ministers auch gleich im weiteren Verlauf seiner Rede auf. Die Patenschaft Bonns mit dem Einsatzgruppenversorger verbreite den maritimen Gedanken ins Binnenland. Sie sei daher "ein Stück maritime Bewusstseinserweiterung", so der Inspekteur der Marine. Weiter sagte er: Der EGV "Bonn" stehe für die konsequente Einsatzorientierung der Streitkräfte, die der Politik neue Handlungsspielräume ermögliche.  Wie der Zuhörer erfuhr, ist die "Bonn" aber nicht nur der letzte Neubau der Nordseewerke, sondern auch der letzte große Schiffsneubau vor dem Umzug des Führungsstabes der Marine von der Bonner Hardthöhe nach Rostock.

"Erfolgreichste Demokratie auf deutschem Boden"

Nach Schimpf setzte Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) zu seiner Rede an an: Bonn sei bis heute die "erfolgreichste Demokratie auf deutschem Boden," sagte das Stadtoberhaupt. Die Stadt sei die "Wiege der deutschen Demokratie nach 1945".

Ja, in den Jahren davor herrschte durchaus ein wenig zu viel konsequente Einsatzorientierung bei den deutschen Streitkräften.

Die Wiege der Bundeswehr liege in Bonn, so Nimptsch weiter. In der Bonner Ermekeilkaserne habe sich das Amt Blank formiert aus dem die spätere Bundeswehr hervorgegangen sei. In Bonn sei die Maxime des Staatsbügers in Uniform und das Prinzip der Inneren Führung entstanden (übrigens unter Beteiligung der Familie de Maizière). Dann vollzog Nimptsch einen Schwenk: Im Jahr 1981 sei der Hofgarten in Bonn aber auch der Ort der größten Friedensdemonstration in der bundesdeutschen Geschichte gewesen. Damals hatten 250.000 Menschen gegen Militarisierung und Atomwaffen demonstriert. In Bonn gebe es inzwischen 18 UN-Einrichtungen und rund 150 Nichtregierungsorganisationen, so der OB.

Wichtig, damit Konflikte erst gar nicht entstehen.

Nimptsch dankte darüber hinaus dem Freundeskreis "EGV Bonn", der sich intensiv für die Patenschaft mit dem Marineschiff stark gemacht hatte - allen voran dem Botschafter a.D. Hans-Joachim Heldt. Die Besatzung des Marineschiffs sei bereits 5x in Bonn gewesen, so der Bonner OB. Dann folgte der feierliche Teil: die Taufe des neuen Schiffes durch die Frau des OB, Hanne Hufschmidt.

Bei einem anschließenden Stehempfang in einer nahe gelegenen Montagehalle der Nordseewerke gab die Besatzung der "Bonn" in der Folge vor einem begeisterten Publikum das Lied "Ode an die Freude" von Bonns berühmtesten Sohn Ludwig van Beethoven zum Besten. "Grandios" sei das gewesen, befand danach ein stolzer anwesender General an einem Stehtisch, während sich nebenan die ebenso begeisterten Gäste am Fingerfood zu schaffen machten. 

Schiffsneubau hüben - Protest gegen Landraub drüben

Bei einem "Open Ship" überzeugten sich die Gäste parallel dazu, was das Marineschiff alles zu bieten hat. Noch fehlt weitestgehend der Innenausbau. Aber die Kommandobrücke der "Bonn" sieht schon halbwegs funktionstüchtig aus - noch dazu trägt sie den vertrauten Namen "Hardthöhe".

Noch ehe die Veranstaltung in Emden zu Ende war, belagerten über 100 Kilometer entfernt in der Bremer Innenstadt parallel Aktivisten und Unterstützer einer Afrika-Initiative die Filiale eines großen Bankinstituts. Mit ihrem 24-stündigen Protetcamp auf dem Bremer Domshof protestierten sie gegen Landraub und Nahrungsmittelspekulationen von Banken und Konzernen in Afrika, Asien und Lateinamerika, wo Kleinbauern durch anonyme Investoren ihre Existenzgrundlage verlieren.

Obwohl am Dienstag in Emden im Grunde alle Redner die friedenserhaltenden Maßnahmen des neuen Marineschiffs hervorhoben, muss sich daher in der Praxis erst noch zeigen, ob Politik und Militärs in einer globalisierten Welt überhaupt in der Lage sind, die Grenzlinie zwischen Ursache und Symptomen eines Konfliktes immer sauber zu ziehen. Im Zweifel droht den Militärstrategen im Berliner Bendlerblock sonst samt der Schiffe der "Berlin-Klasse" die rasche Versenkung mit andere Mitteln: Spätestens beim nächsten Rosenmontagsumzug auf einem Motivwagen.

(Red. / oy)


 


 

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